Vier Milliarden Datensätze Größtes Datenleck in China aller Zeiten entdeckt

Von Melanie Staudacher 3 min Lesedauer

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Ein Sicherheitsteam behauptet eine Datenbank ungeschützt im Internet gefunden zu haben, welches über vier Milliarden Datensätze chinesischer Bürger enthalte. Hinweise auf die Akteure, die die mittlerweile abge­schaltete Datenbank betrieben haben, gebe es jedoch nicht.

Die teils personenbezogenen Daten, die Cybersicherheitsforscher eigenen Angaben nach jüngst in einer ungeschützten Datenbank fanden, umfassten Informationen aus chinesischen Apps.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Die teils personenbezogenen Daten, die Cybersicherheitsforscher eigenen Angaben nach jüngst in einer ungeschützten Datenbank fanden, umfassten Informationen aus chinesischen Apps.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Bob Dyachenko, Cybersicherheitsforscher und Inhaber von SecurityDiscovery.com, und ein Forschungsteam von Cybernews wollen das wohl größte Datenleck Chinas aller Zeiten entdeckt haben. Auf einer im Web öffentlich zugänglichen Datenbank, die nicht durch ein Passwort geschützt gewesen sei, fanden die Analysten eigenen Angaben zufolge eine 631 Gigabyte große Datenbank, die vier Milliarden Datensätze enthalten habe. Diese Daten hätten Informationen aus der chinesischen Chat-App „WeChat“ und dem chinesischen Online-Bezahlsystem „Alipay“ enthalten. Von diesem massiven Datendiebstahl seien vermutlich Hunderte Millionen Nutzer betroffen, die hauptsächlich aus China kommen würden.

Die Datenbank habe aus zahlreichen Sammlungen mit einer halben Million bis über 800 Millionen Datensätzen aus verschiedenen Quellen bestanden. Das Cybernews-Forschungsteam geht davon aus, dass die dahinter steckenden Akteure den Datensatz mit großer Sorgfalt erhoben und gepflegt haben, um damit umfassende Profile der chinesischen Bürger hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Situation, ihres Kaufverhaltens und ihrer demografischen Daten zu erheben. Das enorme Volumen und die Vielfalt der Datentypen würden darauf hin deuten, dass es sich bei dieser Datenbank wahrscheinlich um einen zentralen Sammelpunkt handele, der möglicherweise zu Überwachungs und Profilerstellungszwecken betrieben wurden, heißt es in dem Beitrag von Cybernews.

Mit einer solch umfangreichen Informationsquelle gibt es für finanziell motivierte Cyberkriminelle wie auch staatliche Akteure zahlreiche Möglichkeiten, diese Daten auszunutzen und Cyberangriffe zu verüben, zum Beispiel groß angelegte Phishing-Kampagnen, Erpressungsversuche sowie staatlich geförderte Informationsbeschaffung und Desinformationskampagnen.

Adressen, Finanzdaten und Anmeldeinformationen geleakt

Den Analysten sei es gelungen, ein kurzen Blick auf die Datenbank zu werfen, bevor sie offline genommen wurde. Aus diesem Grund habe das Team nicht genauer dazu forschen können, wer hinter dieser enormen Datenansammlung steckt. Allerdings sei aus dem Aufwand der dafür betrieben worden sei, zu schließen, dass es sich bei den Verantwortlichen um hochspezialisierte Bedrohungsakteure oder Regierungen handle. Einige der insgesamt 17 Datensammlungen haben die Forscher einsehen können:

  • „wechatid_db“: Diese Datensammlung habe über 805 Millionen Datensätze beinhaltet, die vermutlich von der gleichnamen App WeChat stammen.
  • „address_db“: Die zweite Sammlung habe über 780 Millionen Datensätze mit Adressdaten und geografischen Kennungen enthalten.
  • „bank“: In dieser Datensammlung haben die Analysten eigenen Angaben nach über 630 Millionen Datensätze gefunden, die Finanzdaten, Kreditkartennummern, Geburtsdaten, Namen und Telefonnummern enthalten hätten.
  • „Mandarin“: Eine weitere Datensammlung habe über 610 Millionen Datensätze enthalten, darunter Telefonnummern und Benutzernamen.
  • „wechatinfo“: Diese ebenfalls enorm große Datenansammlung habe fast 577 Millionen Datensätze enthalten und habe ebenfalls Daten von WeChat-Benutzern umfasst, darunter Nutzer-IDs, Metadaten und Kommunikationsprotokolle.
  • „zfbkt_db“: Unter diesem Namen sei eine weitere Datensammlung innerhalb der entdeckten Datenbank gespeichert gewesen. Sie habe 300 Millionen Datensätze umfasst, die Alipay-Karten- und Token-Informationen enthalten habe. Eine weitere Sammlung habe aus 20 Millionen Datensätzen bestanden, die ebenfalls Alipay-bezogene Finanzdaten enthalten habe.
  • Weitere 353 Millionen Datensätze seien ungleichmäßig auf neun weiteren Sammlungen verteilt gewesen und hätten verschiedene Informationen beinhaltet, darunter Fahrzeugzulassungen, Beschäftigungsinformationen, Rentenfonds und Versicherungen.
  • In einer weiteren Sammlung namens „tw_db“ vermuten die Sicherheitsforscher Informationen über taiwanesische Bürger.

Die Analysten weisen darauf hin, dass dies das größte Datenleck chinesischer Privatdaten aus einer einzigen Quelle sei, welches jemals identifiziert worden sei. Bei solchen Datenabflüssen ist es wichtig, dass die Personen, die davon möglicherweise betroffen sind, sich aktiv vor Cyberangriffen wie Phishing schützen. Essenziell ist es deswegen, misstrauisch gegenüber unerwarteten Nachrichten zu sein und keine Links oder Anhänge zu öffnen. Außerdem ist es grundsätzlich ratsam die eigenen Konten mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung zu sichern.

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