Bereit sein für NIS-2 SOC 2 ist der Schlüssel zur NIS-2-Compliance

Ein Gastbeitrag von Dr. Matthias Rosche 5 min Lesedauer

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Das Sicherheitsframework SOC 2 entwickelt sich aktuell zum Branchen­standard für Dienstleister, die Kundendaten verarbeiten und bildet eine solide Basis für die Einhaltung der NIS-2-Richtlinie. Die Zusammenarbeit mit einem SOC 2-zertifizierten Dienstleister stärkt daher nicht nur den Datenschutz, sondern festigt auch Geschäftsbeziehungen – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Mit der bevorstehenden Einführung der NIS-2-Richtlinie gewinnt SOC 2 an Bedeutung, indem es Unternehmen eine robuste Grundlage bietet, um neuen EU-Standards gerecht zu werden.(Bild:  jamesteohart - stock.adobe.com)
Mit der bevorstehenden Einführung der NIS-2-Richtlinie gewinnt SOC 2 an Bedeutung, indem es Unternehmen eine robuste Grundlage bietet, um neuen EU-Standards gerecht zu werden.
(Bild: jamesteohart - stock.adobe.com)

SOC 2 (System and Organization Controls 2) ist ein freiwilliges Auditverfahren für Informations­sicherheit, entwickelt vom American Institute of Certified Public Accountants (AICPA). Es bewertet Dienstleister anhand von fünf Trust-Services-Kriterien zur effektiven Sicherung von Kundendaten: Sicherheit, Verfügbarkeit, Verarbeitungsintegrität, Vertraulichkeit und Datenschutz. Die grundlegenden Prinzipien für SOC 2 und vergleichbare Standards der Informationssicherheit haben ihren Ursprung im Wirtschaftsprüfungsbereich, wobei ein internes Kontrollsystem essenziell ist. Es wird in Typ I und Typ II unterteilt und findet durch externe, unabhängige AICPA-Auditoren direkt beim Unternehmen statt.

Der SOC 2-Zertifizierungsprozess dauert normalerweise zwei bis drei Monate und umfasst eine intensive Prüfung der Sicherheits- und Datenschutzpraktiken des Dienstleisters. Gemäß den Normen IDW PS 951 (Deutschland) oder ISAE 3402 (international) wird nach einer erfolgreichen Überprüfung die Eignung (Typ 1) oder sowohl die Eignung als auch die Effektivität (Typ 2) des internen Kontrollsystems eines Anbieters bestätigt und die SOC 2-Bescheinigung verliehen – ein zeit- und kostenintensiver Prozess. Dieser Bericht dient nicht nur der Identifizierung von Schwachstellen, sondern auch als Nachweis der Sicherheitskompetenz gegenüber Kunden und Partnern. Besonders wertvoll ist diese für Unternehmen, die in den USA tätig sind, im SaaS-Bereich arbeiten oder Cloud-Dienste anbieten, da es robuste Sicherheitskontrollen signalisiert.

Warum SOC 2 und nicht ISO 27001?

ISO 27001, ursprünglich als BS 7799-2 bekannt, wird weltweit als grundlegender Standard für Informations­sicherheits­management­systeme (ISMS) anerkannt. Zur Zeit der Einführung markierte die Norm einen Wendepunkt für die Implementierung von Managementsystemen, die Prozessdokumentation und das Festlegen von Richtlinien. Die Rolle des Sicherheits­beauftragten wurde geschaffen, und das 27001-Framework leistete einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Sicherheit in Unternehmen. Fast ein Vierteljahrhundert später haben sich sowohl die Bedrohungsszenarien als auch die Anforderungen der Unternehmen derart weiterentwickelt, dass die einstigen Standards zwar grundlegend, jedoch nicht mehr hinreichend sind – auch, weil eine ISO-Zertifizierung einmalig getan ist. Im Unterschied dazu benötigt eine SOC 2-Bescheinigung jährliche Überwachungsaudits, um die kontinuierliche Einhaltung der ISMS an den Standard ISO 27001 zu sichern. Wer sich ausschließlich auf die ISO-Norm verlässt, ist weder auf NIS-2 noch auf die aktuelle, immer komplexer werdende Bedrohungslage vorbereitet.

Auf der anderen Seite bietet SOC 2 spezifische Vorteile für bestimmte Geschäftsmodelle. Es richtet sich vor allem an Dienstleistungsunternehmen, die IT-basierte Services anbieten und großen Wert auf die Einhaltung von US-amerikanischen Standards legen. Sie ist zudem flexibel in der Implementierung und Überwachung von Sicherheits­maßnahmen, was eine maßgeschneiderte Anpassung an spezifische Risiken ermöglicht. Diese Flexibilität kann die Betriebseffizienz steigern und ist effektiv bei der Erfüllung spezieller Sicherheits­anforderungen. Hier ist außerdem wichtig zu wissen, dass die kontinuierliche Durchführung der Tests durch ihre Gründlichkeit eine neue Qualität beweisen.

SOC 2-Konformität für die Einhaltung von NIS-2

Hier kommt die viel diskutierte NIS-2-Richtlinie der Europäischen Union ins Spiel, die sich auf die Stärkung der Informationssicherheit konzentriert. Sie legt spezifische Soll-Kriterien fest, die bis zum 17. Oktober 2024 von den Mitgliedstaaten in nationales Recht überführt werden müssen. Eine anschließende Überprüfung ist vorgesehen, damit die Umsetzung angemessen erfolgt. Dies ist insbesondere für regulierte Unternehmen und Organisationen von entscheidender Bedeutung.

Um diese Anforderungen zu erfüllen, ist die Implementierung eines ISMS entscheidend. Die Implementierungskosten neuer Vorschriften lasten erheblich auf Dienstleistern und Konsumenten, wobei sie die Kosten einer ISO-Zertifizierung weit übertreffen. Anbieter setzen strategisch auf diese regulierten Märkte, die zunehmend sämtliche Geschäftsbereiche erfassen, insbesondere Unternehmen im gehobenen Mittelstand mit über 1.000 Angestellten sowie den öffentlichen Sektor, in dem diese Standards zur Regel werden.

SOC 2 spielt dabei eine zentrale Rolle, da es ein robustes ISMS bereitstellt. Durch SOC 2 können Unternehmen ihr Risiko von Cyberangriffen verringern und zusätzliche Vorteile wie erhöhtes Kundenvertrauen und verbesserte betriebliche Effizienz erzielen. SOC 2 bietet eine anerkannte Referenz und eine solide Basis für die Einhaltung der NIS-2-Richtlinie. Die Implementierung des SOC 2-Frameworks ermöglicht es Unternehmen, ihre Cybersicherheitsposition zu stärken und sich für die Zukunft der Cybersicherheit zu rüsten.

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Extern sicher unterwegs durch SOC 2-Zertifizierungen

Wir sehen also: SOC 2-Bescheinigungen sind mehr als nur eine Option. Angesichts der rasanten Zunahme von Datenmengen bieten sie eine anerkannte Sicherheitsgarantie durch strikte Anforderungen, was bei der Zusammenarbeit mit einem SOC 2-zertifizierten Dienstleister zu gestärktem Vertrauen zwischen Geschäftspartnern und zu einer verbesserten Kunden­zufriedenheit führt. Zudem signalisieren SOC 2-Zertifizierungen strenge Sicherheits­maßnahmen und einen verantwortungsvollen Umgang mit sensiblen Daten – und liefern Evidenzen, was in diesem Bereich tatsächlich getan wird. Darüber hinaus minimieren SOC 2-qualifizierte Dienstleister Risiken, indem sie Datenlecks und Sicherheitsverletzungen signifikant reduzieren.

Die Kernbedeutung liegt in der bewiesenen Wirksamkeit von SOC 2-Maßnahmen, vor allem beim Kunden-Onboarding. Früher genügte oft die pauschale ISO-Konformitätserklärung. Mittlerweile müssen Anbieter diese Maßnahmen in einer Live-Umgebung für jede Einsatzmöglichkeit zusammen mit dem Kunden überprüfen und die Ergebnisse entsprechend festgelegter Standards dokumentieren. Bei jeglichen Modifikationen oder Aktualisierungen muss eine Wiederholungsprüfung erfolgen. Dieser Prozess erfordert zwar einen beträchtlichen initialen Aufwand und verlängert die Zeitrahmen für Onboarding-Projekte, erhöht jedoch signifikant das Sicherheits- und Qualitätsniveau der angebotenen Dienstleistungen.

SOC 2: Zukunftsorientierte Compliance für die Ära der NIS-2-Richtlinie

Mit der bevorstehenden Einführung der NIS-2-Richtlinie gewinnt SOC 2 an Bedeutung, indem es Unternehmen eine robuste Grundlage bietet, um neuen EU-Standards gerecht zu werden. Im Gegensatz zu ISO 27001, das häufig nur grundlegende Anforderungen erfüllt, ermöglicht SOC 2 durch regelmäßige Erneuerungen eine kontinuierliche Anpassung an die dynamische Sicherheitslandschaft. Unternehmen, die frühzeitig SOC 2 implementieren, bringen sich für zukünftige Herausforderungen in der Cybersicherheit in Position. Dieser proaktive Ansatz wird zu einem kritischen Erfolgsfaktor in einer datengetriebenen Wirtschaft werden. Insgesamt stärkt SOC 2 das Vertrauen der Kunden und verbessert die Marktstellung der Unternehmen.

Über den Autor: Dr. Matthias Rosche ist Managing Director bei Orange Cyberdefense. Der promovierte Physiker verfügt über 25 Jahre Erfahrung in der IT-Security. Vor seiner aktuellen Position hatte er leitende Rollen inne, in denen er Vertriebs- und Beratungsstrukturen für Cyber Security entwickelte und leitete.

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