Fraunhofer SIT Unsichere Schlüssel im KIM-System gefunden

Von Nicola Hauptmann 1 min Lesedauer

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Der Datenaustausch über KIM sollte eigentlich sicher sein – war es jedoch nicht. Forscher des Fraunhofer SIT und der FH Münster haben Fehler bei der Schlüsselvergabe entdeckt und der Gematik gemeldet.

Mit über 250 Millionen Nachrichten ist KIM eine der am meisten genutzten Anwendungen im deutschen Gesundheitswesen (Januar 2024).(© MQ-Illustrations – stock.adobe.com)
Mit über 250 Millionen Nachrichten ist KIM eine der am meisten genutzten Anwendungen im deutschen Gesundheitswesen (Januar 2024).
(© MQ-Illustrations – stock.adobe.com)

Das E-Mail-System KIM – Kommunikation im Medizinwesen – soll einen sicheren Datenaustausch zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen ermöglichen. Arztpraxen nutzen das System beispielsweise, um elektronische Arbeits­unfähigkeits­bescheinigungen oder Heil- und Kostenpläne an Krankenkassen zu verschicken. Für die sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sorgen kryptografische Schlüssel (S/MIME-Zertifikate), die an die Teilnehmer ausgegeben werden. Damit soll u. a. sichergestellt werden, dass etwa fehlgeleitete Mails nicht durch Unbefugte gelesen werden können.

Wie Forscher des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT) herausfanden, nutzen insgesamt acht Krankenkassen die gleichen Schlüssel zur Ver-und Entschlüsselung sowie zur digitalen Signatur. Somit hätte jede dieser Krankenkassen theoretisch auch die Mails aller anderen betroffenen Kassen mitlesen können. Die Forscher stellten die Ergebnisse ihrer Recherche am 27. Dezember 2023 beim Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs (CCC) vor – nachdem sie zunächst alle Lücken der Gematik gemeldet hatten.

Der Fehler lag demnach nicht in der technischen Struktur, sondern in der Einrichtung des Systems: Die betroffenen Krankenkassen hatten externe IT-Dienstleister mit dem Betrieb des KIM-Systems beauftragt. Diese hatten kryptografische Schlüssel generiert – und für mehrere Krankenkassen verwendet.

Die betroffenen Schlüssel wurden inzwischen neu generiert und ausgetauscht. Aufgrund der Meldung hat die Gematik auch die Spezifikation zur Konfiguration von KIM erweitert: Vor der Ausstellung eines Zertifikats muss jetzt zuerst geprüft werden, ob der Schlüssel schon einmal verwendet wurde.

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