Definition Zertifikat

Was ist ein digitales Zertifikat?

| Autor / Redakteur: Stefan Luber / Peter Schmitz

Ein digitales Zertifikat bestätigt Personen oder Objekte und seine Authentizität und Integrität lässt sich durch kryptografische Verfahren prüfen.
Ein digitales Zertifikat bestätigt Personen oder Objekte und seine Authentizität und Integrität lässt sich durch kryptografische Verfahren prüfen. (Bild: Pixabay / CC0)

Bei einem digitalen Zertifikat handelt es sich um einen elektronischen Echtheitsnachweis, der von einer Zertifizierungsstelle (Certification Authority) ausgestellt wurde. Zertifikate kommen im Internet zur Verschlüsselung des Datenverkehrs zum Einsatz.

Das digitale Zertifikat ist ein elektronischer Echtheitsnachweis, der von einer Zertifizierungsstelle (Certification Authority - CA) ausgestellt wird. Zertifikate besitzen im Internet die vergleichbare Funktion eines Personalausweises in der Offline-Welt. Mit Hilfe eines Zertifikats lässt sich ein öffentlicher Schlüssel sicher einem bestimmten Besitzer zuweisen. Inhalte des Zertifikats sind unter anderem Informationen zum Namen des Besitzers und über den Herausgeber des Zertifikats sowie zur Gültigkeitsdauer und zur Verwendung des Zertifikats.

Zertifikate ermöglichen es zusammen mit der Public Key Infrastruktur (PKI), Informationen im Internet sicher und verschlüsselt zu übertragen. Basis der Verschlüsselung bilden asymmetrische kryptographische Verfahren mit privaten und öffentlichen Schlüsseln. Das Zertifikat bestätigt zuverlässig, zu wem der öffentliche Schlüssel gehört. Browser und Betriebssysteme führen eine Liste mit vertrauenswürdigen Zertifizierungsstellen. Ist ein Zertifikat von einer solchen Zertifizierungsstelle ausgestellt, betrachtet es der Rechner als echt. Die ITU-Empfehlung X.509 v3 regelt das Format und den Inhalt von digitalen Zertifikaten.

Die Einsatzmöglichkeiten von digitalen Zertifikaten

Im IT-Umfeld sind Zertifikate in vielen Bereichen zu finden. Sie kommen dort zum Einsatz, wo die Identität eines Kommunikationspartners oder der Quelle einer Information eindeutig festgestellt werden muss. Häufige Anwendungsbereiche sind:

  • verschlüsselte Verbindungen zwischen einem Webbrowser und einem Webserver per HTTPS (Hypertext Transfer Protocol Secure)
  • Verschlüsselung und Signierung von E-Mails
  • Signierung von digitalen Dokumenten
  • Signierung von Software und Updates
  • Aufbau von VPN-Verbindungen (Virtual Private Network)

Der Inhalt eines Zertifikats

Der X.509-Standard legt fest, welche Inhalte in welcher Form in einem Zertifikat enthalten sein müssen. Einige Informationen sind Pflicht andere optional. X.509-Zertifikate werden beispielsweise verwendet, um Webseiten mit dem HTTPS-Protokoll zu verschlüsseln oder E-Mails nach dem S/MIME-Standard zu signieren und zu verschlüsseln. Wichtige Informationen in einem X.509-Zertifikat sind unter anderem:

  • die Versionsnummer
  • die Seriennummer
  • die für die Erstellung verwendeten Algorithmen
  • der Name des Ausstellers
  • der Name des Inhabers
  • die Gültigkeitsdauer
  • Informationen zum öffentlichen Schlüssel des Inhabers
  • Informationen zum Verwendungszweck des Zertifikats
  • die digitale Signatur der Certification Authority

Die Rolle der Zertifizierungsstellen

Zertifizierungsstellen, auch Certification Authority (CA) oder Trust Center genannt, spielen für die Public Key Infrastruktur und Zertifikate eine wichtige Rolle. Sie prüfen die Angaben und die Identität eines Antragstellers für ein Zertifikat und stellen es bei korrekten Angaben aus. Zudem können sie für die Veröffentlichung der Zertifikate sorgen und sie in öffentlichen Verzeichnissen ablegen. Weitere Aufgaben der CA sind das Verwalten und Veröffentlichen von Zertifikatssperrlisten sowie die Aufzeichnung sämtlicher Zertifizierungsaktivitäten der Certification Authority. In Deutschland unterliegen Zertifizierungsstellen gesetzlichen Rahmenbedingungen und Anforderungen, die im Vertrauensdienstegesetz (VDG) beschrieben sind. Es hat das Signaturgesetz (SigG) abgelöst und stellt die Herausgeber von Zertifikaten unter die Aufsicht der deutschen Bundesnetzagentur. Für die Rechenzentren der Zertifizierungsstellen bestehen besondere Anforderungen und Sicherheitsvorgaben.

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