Die USA verharmlosen die Bedrohung russischer Cyberakteure und ziehen sich aus dem Cyberkampf gegen Russland zurück – eine Entscheidung, die weitreichende Folgen haben könnte.
Die USA werden künftig wohl weniger scharf gegen Cyberkriminelle, die von Russland gefördert werden, vorgehen.
Während die USA unter der Regierung von Joe Biden gegen Cyberbedrohungen aus Russland hart vorging, hat Pete Hegseth, Verteidigungsminister der USA, den Kampf gegen staatlich unterstützte Cyberkriminelle aus Russland eingestellt. Hegseth wies das US Cyber Command, welches die US-Operationen im Cyberspace leitet, an, alle offensiven Operationen gegen Russland einzustellen.
Dabei wurde Russland von den US-Geheimdiensten und Cybersicherheitsbehörden bisher immer als eine der größten Bedrohungen eingestuft. Denn neben Schäden für die US-Wirtschaft, die durch russische Cyberkriminelle verursacht wurden, besteht nach wie vor die Gefahr einer „hybriden Kriegsführung“, bei der kritische Infrastrukturen angegriffen werden und die Regierung ausspioniert wird. Einzige Ausnahme: Die National Security Agency, die sich vor allem im Bereich der Fernmeldeaufklärung mit Russland beschäftigt, ist The Record zufolge nicht von Hegseth Anweisung betroffen.
Mit seiner Ernennung zum 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika hat Donald Trump Hegseth zu seinem Verteidigungsminister berufen. Spotmedia benennt aktuelle Vorfälle, die darauf hindeuten, dass die USA Russland nicht mehr als Bedrohung für ihre Cybersicherheit ansehen:
1. Russland steht nicht mehr auf „der schwarzen Liste“: Liesyl Franz, stellvertretende Staatssekretärin für internationale Cybersicherheit im US-Außenministerium, erklärte in einer Rede vor einer Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für Cybersicherheit, dass die USA über die Bedrohungen durch einige Staaten besorgt seien. Franz nannte China und den Iran, Russland allerdings nicht.
2. Russland ist keine Priorität der CISA mehr: In einer Memo habe die Cybersecurity and Infrastructure Security Agency, die Teil des Heimatschutzministeriums der USA ist und Cyberbedrohungen für die kritische Infrastruktur überwacht, neue Prioritäten festgelegt. Wie The Guardian berichtete hätten diese den Schutz lokaler Systeme gegenüber China eingeschlossen, aber Russland als Bedrohung nicht erwähnt. Zudem hätten die Analysten der CISA – einer anonymen Quelle zufolge – mündlich Anweisung erhalten, russische Bedrohungen nicht mehr zu verfolgen oder darüber zu berichten, obwohl dies zuvor ein Schwerpunkt ihrer Arbeit war.
Vor allem über die in Russland ansässige Ransomware-Gruppe Lockbit wurde in keiner der Stellungnahmen ein Wort verloren. Dabei wurde Lockbit in der Vergangenheit von den United Nations immer wieder erwähnt und als Bedrohung eingestuft. Auch die russische Hackergruppe APT29, die auch als Cozy Bear bekannt ist, stellt eine enorme Bedrohung weltweit dar. „Es ist unverständlich, über Cyberbedrohungen zu sprechen und Russland nicht zu erwähnen, und es ist illusorisch zu glauben, dass dies Russland und den Federal Security Service (der russische Geheimdienst) zu unseren Freunden machen wird“, sagte James Lewis, ehemaliges Mitglied des Center for Strategic and International Studies in Washington.
CISA weist Berichte zurück
US-amerikanischen Medienberichten zufolge weist die CISA die Berichte zurück, in denen es hieß, die Agentur hätte Anweisung erhalten, keine russischen Cyberbedrohungen mehr zu analysieren. In einem X-Beitrag schrieb die CISA: „Die Mission von CISA besteht darin, die kritische Infrastruktur der USA vor allen Cyberbedrohungen zu schützen, auch vor Bedrohungen aus Russland. Unsere Haltung hat sich nicht geändert. Alle gegenteiligen Berichte sind falsch und untergraben unsere nationale Sicherheit.“
Auch Tricia McLaughlin, stellvertretender Sekretärin für öffentliche Angelegenheiten, wehrt sich gegen die Vorwürfe und vor allem gegen einen Bericht des Guardian via X: „Das ist Blödsinn. Das Memo, auf das sich der Guardian in seiner 'Berichterstattung' bezieht, stammt nicht von der Trump-Administration, was der bevorzugten Darstellung des Guardian ziemlich ungünstig ist. Die CISA ist weiterhin bestrebt, alle Cyberbedrohungen für die kritische Infrastruktur der USA, auch aus Russland, zu bekämpfen. An dieser Front hat sich weder die Haltung noch die Priorität geändert.“
Welche Folgen hat der Kurswechsel der USA?
Hegseth Anordnung macht vorerst die Bemühungen des Ex-Präsidenten Biden zunichte, der verschiedene Maßnahmen ergriffen hat, um russischen Cyberbedrohungen entgegenzuwirken. So verhängte Biden im April 2021 Sanktionen gegen Russland, da russischen Hackern vorgeworfen wurde, in die US-Wahlen eingegriffen zu haben und für den Solarwinds-Angriff verantwortlich zu sein. Zehn Diplomaten der russischen Botschaft in Washington sowie fünf Mitarbeiter russischer Geheimdienste mussten die USA damals verlassen. Zudem wurden sechs russische Technologieunternehmen, die Moskaus Geheimdienste unterstützten, und 32 weitere Personen und Organisationen mit Sanktionen belegt.
In diesem Zuge forderte Biden den russischen Präsidenten Putin dazu auf, Verantwortung für die internationalen Cyberangriffe zu übernehmen und gegen die Täter vorzugehen. Außerdem gingen die USA bisher aktiv gegen laufende Cyberattacken vor, indem sie versuchten, diese zu vereiteln und proaktiv Internetdomains beschlagnahmt haben, die für Phishing-Angriffe genutzt wurden. Wie lange die Offensiven gegen Russland gestoppt sind und welche konkreten Operationen davon betroffen sind, ist bisher unklar.
Stand: 08.12.2025
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Es deutet sich an, dass damit nicht nur das Cyberrisiko in den USA steigt, sondern weltweit. Denn russische Ransomware-Akteure könnten aufgrund fehlender Gegenmaßnahmen durch die USA Unternehmen auf der ganzen Welt verstärkt angreifen. Auch ist zu befürchten, dass mehr der Cyberangriffe erfolgreich sind, sofern die USA nicht mehr aktiv die Operationen aus Russland stören. Darüber hinaus könnte China das Abwenden der USA von Russland als Anlass werten, Cyberangriffe gegen westliche Staaten zu intensivieren.