Sichtbarkeit in der Cyberabwehr Warum IT-Sicherheit die Paketanalyse braucht

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Viele Sicherheitsteams verlassen sich bei der Analyse von Angriffen auf Ereignisprotokolle. Doch Logs zeigen nur die halbe Wahrheit – oft zu spät und zu unvollständig. Erst die Paketanalyse offenbart, was wirklich im Netzwerk passiert.

Für Christian Syrbe, Chief Solutions Architect bei Netscout, ist die Paketanalyse der Schlüssel, um Sicherheitsvorfälle zweifelsfrei nachvollziehen zu können.(Bild:  Netscout)
Für Christian Syrbe, Chief Solutions Architect bei Netscout, ist die Paketanalyse der Schlüssel, um Sicherheitsvorfälle zweifelsfrei nachvollziehen zu können.
(Bild: Netscout)

In der modernen Cyberabwehr gilt die Analyse von Logdaten (Ereignisprotokolle) seit Jahren als Standard. Doch wer sich ausschließlich darauf verlässt, arbeitet mit einem gefilterten Blick auf die Realität. Logs sind aggregierte und teils manipulierbare Aufzeichnungen. Wenn Angreifer Schwachstellen ausnutzen oder Zugriffskontrollen umgehen, bleiben diese Spuren oft unsichtbar – und entscheidende Details für die forensische Analyse fehlen.

Das Problem liegt in der Natur von Logs: Sie dokumentieren Ereignisse wie „Login erfolgreich“ oder „Datei übertragen“, zeigen aber nicht, was tatsächlich gesendet oder empfangen wurde. Eine schleichende Datenexfiltration über Wochen hinweg oder der Missbrauch kompromittierter Zugangsdaten lässt sich so kaum von legitimen Aktivitäten unterscheiden.

Gerade für Unternehmen, die sensible Kundendaten verwalten, hat das gravierende Folgen. Ein Datenleck bedeutet nicht nur Imageverlust, sondern auch erhebliche finanzielle Risiken. Die durchschnittlichen Kosten pro Sicherheitsvorfall lagen 2024 bei rund 4,88 Millionen US-Dollar. Und während sich viele Organisationen in falscher Sicherheit wiegen, können Angreifer über Monate hinweg unbemerkt operieren – unauffällig, aber effektiv.

Paketanalyse: Die unverfälschte Quelle der Wahrheit

Um diesen blinden Fleck zu schließen, braucht es eine zusätzliche Datenquelle: Netzwerkpaketdaten. Ein Datenpaket ist die kleinste Einheit, die über ein Netzwerk übertragen wird. Es enthält neben den Nutzdaten (Payload) auch wichtige Steuerinformationen (Header) wie Quell- und Zieladresse. Die Paketanalyse bietet als einzige Methode einen unverfälschten, vollständigen Einblick in jede Kommunikation über den gesamten IT-Stack hinweg.

Darin liegt ihr entscheidender Wert: Pakete lassen sich nicht manipulieren oder filtern – sie liefern die Ground Truth, also die unbestechliche Wahrheit. Während Logs nur festhalten, dass eine E-Mail zugestellt wurde, zeigt das Paket selbst den tatsächlichen Exploit oder das Verhalten der Malware-Payload. Logs belegen, dass etwas passiert ist; Pakete zeigen, wie und was genau geschah.

Vom Start bis zum Fallout: Wie Pakete den Angriffspfad offenlegen

Cyberangriffe verlaufen selten linear. Sie bestehen aus vielen aufeinanderfolgenden Schritten – vom ersten Phishing-Mail bis zur Datenexfiltration. Die Paketanalyse ermöglicht es, diese Kette lückenlos nachzuvollziehen:

  • Initialer Kompromiss: Ein Angriff beginnt oft mit Phishing oder der Ausnutzung einer Schwachstelle. Logs erfassen nur den E-Mail-Eingang, nicht aber die Details des Payload oder die Systeminteraktion. Paketdaten liefern dagegen die nötige Granularität, um diese erste Kontaktaufnahme zu analysieren.
  • Laterale Bewegung: Angreifer bewegen sich unbemerkt durch das Netzwerk, um ihre Rechte zu erweitern. Logs protokollieren das oft als normale Benutzeraktivität – besonders bei gestohlenen Zugangsdaten. Paketdaten decken hingegen sofort auffällige Protokolle, unübliche Authentifizierungsmuster und interne Scans auf.
  • Datenexfiltration: Daten werden häufig in kleinen, verschlüsselten Portionen entwendet, um unentdeckt zu bleiben. Logs erkennen zwar erhöhten verschlüsselten Datenverkehr, können aber nicht zeigen, welche Dateien entwendet wurden. Pakete hingegen offenbaren die exfiltrierten Daten, ihre Zielorte und die genutzten Methoden.

Fazit: Transparenz als stärkste Waffe gegen Cyberkriminalität

Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Für die Sicherheit von KI-Workloads und geschäftskritischen Anwendungen reichen Logs allein nicht aus. Organisationen müssen verstehen, dass leere Logs kein Zeichen von Sicherheit sind, sondern auf eine verdeckte Bedrohung hindeuten können.

Paketanalyse schafft vollständige Transparenz über den Netzwerkverkehr und ermöglicht die forensische Rekonstruktion jedes einzelnen Vorgangs. Nur mit dieser Ground Truth können Sicherheitsteams die wahren Ursachen eines Vorfalls erkennen – ohne Spekulationen und ohne das Risiko, dass der Angreifer seine Spuren verwischt. Die Antworten auf einen Angriff lagen schon immer in den Paketen.

Über den Autor

Christian Syrbe ist Chief Solutions Architect bei Netscout.

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