Definition: Data Sanitization Was ist Data Sanitization?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 6 min Lesedauer

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Unter Data Sanitization versteht man den Prozess, Daten eines digitalen Speichermediums so zu löschen oder zu verändern, dass sie sich nicht mehr wiederherstellen oder nutzen lassen. Das verhindert Datenlecks oder Verstöße gegen Compliance- und Datenschutzvorgaben bei der Entsorgung, Wei­ter­ga­be oder Wiederverwendung der Speichermedien.

Data Sanitization verhindert Datenlecks durch irreversibles Unbrauchbarmachen oder Löschen von Daten auf Speichermedien.(Bild:   / CC0)
Data Sanitization verhindert Datenlecks durch irreversibles Unbrauchbarmachen oder Löschen von Daten auf Speichermedien.
(Bild: / CC0)

Unter Data Sanitization versteht man den Prozess, Daten eines digitalen Speichermediums oder Speichergeräts so zu löschen oder zu verändern, dass sie sich unter keinen Umständen wiederherstellen und lesen oder verwenden lassen. Data Sanitization wird beispielsweise notwendig, wenn Speichermedien oder Speichergeräte entsorgt, weitergegeben oder wiederverwendet werden sollen. Das endgültige, irreversible Löschen oder Unbrauchbarmachen der Daten verhindert Datenlecks oder die Verletzung von Datenschutz- beziehungsweise Compliance-Vorgaben. Typische Speichermedien, deren Daten durch Data Sanitization gelöscht oder unlesbar gemacht werden, sind Festplatten, SSDs, CDs, DVDs, USB-Sticks, Speicherkarten oder Magnetbänder, aber auch elektronische Geräte mit integrierten Speichermöglichkeiten wie Smartphones, Tablets oder andere. Nach der Data Sanitization sind die ursprünglichen Daten selbst mit hochentwickelten forensischen Tools und Methoden nicht mehr wiederherstellbar.

Für die Data Sanitization können spezielle Hardware-Geräte, Software-Tools und verschiedene Verfahren oder Methoden zum Einsatz kommen. Von besonders hoher Bedeutung ist Data Sanitization in Unternehmen oder Organisationen, in denen sensible, geheime, geschäftskritische oder personenbezogene Daten verarbeitet und gespeichert werden. Es existieren zahlreiche Gesetze und Branchenstandards, die aus verschiedenen Gründen ein sicheres Löschen oder Unbrauchbarmachen von Daten erforderlich machen und beschreiben. Dazu gehören beispielsweise die Datenschutzgrundverordnung, NIST SP 800-88 oder ISO/IEC 27040.

Für Data Sanitization gibt es im Deutschen keinen hundertprozentig genau passenden Begriff. Data Sanitization wird zwar manchmal mit Datenlöschung oder Datenbereinigung übersetzt, doch diese beiden Begriffe meinen eigentlich etwas anderes. Eine Abgrenzung der Begriffe Data Sanitization, Datenbereinigung und Datenlöschung liefert der nächste Abschnitt.

Abgrenzung der Begriffe Data Sanitization, Datenbereinigung und Datenlöschung

Wie erwähnt, gibt es für den englischen Begriff Data Sanitization im Deutschen keine exakte Entsprechung. Wörtlich lässt sich Data Sanitization mit Datenbereinigung oder Datenlöschung übersetzen. Doch sowohl unter Datenbereinigung als auch unter Datenlöschung versteht man im IT- und Datenbereich etwas anderes. Datenbereinigung (im Englischen Data Cleaning oder Data Cleansing) meint den Prozess der Korrektur fehlerhafter, doppelter, inkonsistenter, ungenauer, falsch formatierter oder irrelevanter Daten. Die Datenbereinigung identifiziert solche Daten und behebt die genannten Fehler, Ungenauigkeiten oder Inkonsistenzen. Ziel der Datenbereinigung ist es, die Informationsqualität und Verlässlichkeit der Daten zu verbessern, um auf Basis dieser Daten genauere oder bessere Analyseergebnisse zu erhalten und fundierte Entscheidungen zu treffen. Typische Vorgänge einer Datenbereinigung sind das Entfernen von Duplikaten, das Füllen oder Entfernen von leeren Datenfeldern, das Vervollständigen von Daten, das Formatieren von Daten, das Löschen oder Ersetzen von fehlerhaften Daten, das Zusammenfassen von Daten oder das Trennen von Daten.

Data Sanitization unterscheidet sich aber auch klar vom einfachen Löschen von Daten. Werden Daten auf einem Speichermedium gelöscht, entfernt das meist nicht die eigentlichen Daten, sondern die Verweise, wo diese Daten zu finden sind. Die Datenblöcke mit den Informationen bleiben noch so lange auf dem Medium gespeichert und erhalten, bis sie überschrieben werden. Mit speziellen Tools lassen sich die ursprünglichen Daten trotz Löschung sehr einfach wiederherstellen. Data Sanitization hingegen sorgt für ein irreversibles, sicheres Löschen oder Unbrauchbarmachen der Daten und verhindert deren Wiederherstellung selbst mit fortschrittlichsten forensischen Tools oder Methoden.

Warum und in welchen Szenarien ist Data Sanitization wichtig?

Daten auf digitalen Speichermedien oder Speichergeräten bleiben so lange gespeichert, bis sie explizit entfernt beziehungsweise überschrieben oder die Speichergeräte zerstört werden. Die Nutzungsdauer von Speichermedien oder Speichergeräten ist aber begrenzt. Nach einer bestimmten Zeit erreichen sie ihr geplantes Lebens- beziehungsweise Nutzungsende oder sie fallen ungeplant aus. Zu diesem Zeitpunkt werden sie entsorgt, weitergegeben oder verkauft. Dabei muss sichergestellt sein, dass die darauf gespeicherten Daten für die neuen Eigentümer oder für Unbefugte, die durch die Weitergabe oder die Entsorgung physischen Zugriff auf die Geräte erhalten, auf keinen Fall lesbar oder nutzbar sind. Denn unter den gespeicherten Daten können sich sensible oder vertrauliche Geschäftsdaten, personenbezogene Daten, sicherheitsrelevante Daten oder private Dokumente befinden. Diese Daten müssen aus Datenschutz-, Compliance- oder Sicherheitsgründen vor unbefugtem Zugriff und unerlaubter Verwendung zuverlässig geschützt werden. Dabei ist es unerheblich, ob die Daten von großen oder kleinen Unternehmen oder von Privatpersonen stammen. Sowohl im professionellen als auch im privaten Bereich muss sichergestellt sein, dass durch die Entsorgung, die Weitergabe oder den Weiterverkauf von Speichergeräten, Speichermedien oder elektronischen Geräten mit Speichermöglichkeiten kein Datenmissbrauch möglich wird. Data Sanitization sorgt dafür, dass die Daten sicher und irreversibel gelöscht oder unbrauchbar gemacht werden und die Geräte oder Speichermedien sicher entsorgt, verkauft oder weitergegeben werden können.

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Die verschiedenen für Data Sanitization angewandten Methoden und Verfahren

Für das irreversible Löschen oder Unbrauchbarmachen der Daten kommen verschiedene Methoden und Verfahren zum Einsatz. Grundsätzlich können die Daten physisch oder logisch gelöscht oder unbrauchbar gemacht werden. Typische für Data Sanitization angewandte Methoden und Verfahren sind:

  • physische Zerstörung der Daten durch mechanisches Unbrauchbarmachen des Datenmediums oder des Datengeräts (zum Beispiel durch Schreddern, Verbrennen, Schmelzen, Verätzen oder Anlegen hoher Spannungen)
  • Entmagnetisieren oder Unbrauchbarmachen der magnetischen Speicherstrukturen von Speichermedien wie Festplatten oder Magnetbändern mithilfe starker Magnetfelder (Degaussing)
  • mehrmaliges Überschreiben der Originaldaten des Datenträgers mit Muster- oder Zufallsdaten (Wiping)
  • Unlesbarmachen von bereits verschlüsselten Daten durch Löschen oder Zerstören der zugehörigen Schlüssel oder Verschlüsselung von bisher unverschlüsselten Daten und Löschen oder Zerstören der dafür verwendeten Schlüssel (kryptografisches Löschen)
  • Datenmaskierung durch irreversibles Erzeugen gefälschter oder ungenauer Versionen der Ursprungsdaten (Data Masking)
  • Zurückversetzen von flashbasierten Speichern wie SSDs in den Ursprungszustand durch vom Hersteller implementierte Funktionen oder Kommandos wie „Secure Erase“

Data Sanitization im Cloud-Umfeld

Die Nutzung von Cloud-Storage zur Speicherung von Daten ist weit verbreitet und wird sowohl von Unternehmen als auch von Privatpersonen rege genutzt. Eine Besonderheit von Cloud-Storage ist, dass die Speicherfähigkeiten und die Speicherkapazitäten den Nutzern als Service bereitgestellt werden. Die Nutzer können zwar Daten speichern, löschen oder verändern, haben aber in der Regel keinen unmittelbaren Zugriff auf die dem Speicherservice zugrundeliegenden Speichermedien oder Speichergeräte. Data Sanitization ist im Cloud-Bereich aber genauso wichtig wie bei der Nutzung dedizierter Speichermedien oder Speichergeräte. Denn die dem Cloud-Storage zugrundeliegenden physischen Speicherressourcen werden permanent zwischen verschiedenen Kunden geteilt. Werden beispielsweise Speicherressourcen frei oder Speicherkontingente von einem Kunden gekündigt, weist der Betreiber frei gewordene Ressourcen anderen Kunden zu. Dabei muss sichergestellt sein, dass keine Restdaten des Vorgängerkunden erhalten bleiben oder wiederhergestellt werden können. Alle virtuellen Speicherressourcen müssen so behandelt werden, dass auf den virtuellen Speicherressourcen und auf den zugrundeliegenden physischen Speichermedien niemals rekonstruierbare Kundendaten erhalten bleiben.

Sollen Daten irreversibel gelöscht oder unbrauchbar gemacht werden, müssen sich die Nutzer von Cloud-Storage auf die Prozesse und Verfahren der Cloud-Provider verlassen. Technisch werden Verfahren wie softwarebasiertes Löschen oder Überschreiben oder kryptografisches Löschen angewandt. Der Prozess der Ausmusterung alter oder defekter Datenträger wird bis zu deren endgültiger Zerstörung oder Unbrauchbarmachung von den Betreibern nachverfolgt und dokumentiert.

Kunden bekommen in der Regel keine hardwarebasierten Einzelnachweise über die irreversible Löschung von Daten oder Zerstörung von Datenträgern. Sie erhalten Data-Sanitization-Belege in Form von Protokollen, Zertifikaten oder Compliance-Attesten. Verifiziert wird die erfolgreiche Datenlöschung über standardisierte technische Kontrollen der Provider.

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