Definition Disaster Recovery Was ist Disaster Recovery?

Aktualisiert am 15.07.2025 Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 5 min Lesedauer

Disaster Recovery beschäftigt sich mit der Wieder­auf­nahme des IT-Betriebs nach einem Störungs- oder Kata­stro­phenfall. Die Disaster Recovery Planung beinhaltet verschiedene Maßnahmen, um beispielsweise IT-Infra­struk­turen oder wichtige Daten wieder herzustellen.

Disaster Recovery umfasst die Wiederherstellung von Daten, Dateien und Services nach Störungen wie Bedienungsfehlern, Defekten, Stromausfällen, Feuer und Naturkatastrophen.(Bild:  vm via Getty Images)
Disaster Recovery umfasst die Wiederherstellung von Daten, Dateien und Services nach Störungen wie Bedienungsfehlern, Defekten, Stromausfällen, Feuer und Naturkatastrophen.
(Bild: vm via Getty Images)

Disaster Recovery umfasst Strategien, um Daten und IT-Infrastrukturen nach einem Katastrophenfall wiederherzustellen. Solche Störungen können auf unterschiedliche Art verursacht sein wie durch Natur­kata­strophen, Hardware- und Strukturausfälle oder Bedienungs­fehler. Doch auch infolge eines Hackerangriffs kann es sein, dass Unternehmen eine Wiederherstellung einleiten müssen. Ziel der Recovery ist es, die nega­ti­ven Auswirkungen für ein Unternehmen so gering wie möglich zu halten. Im Rahmen von Disaster Recovery werden beispielsweise Server, Netz­wer­ke, Telefonanlagen oder Datenspeicher wiederhergestellt.

Doch die Recovery ist nicht nur für komplexe Systeme relevant, sondern auch für das Betriebssystem. Für viele Unternehmen ist es essenziell, Windows wiederherstellen zu können. Wer Windows 10 nach einem Vor­fall wieder herstellen möchte, benötigt entweder ein aktuelles Backup, einen System­wiederherstellungspunkt oder ein Wieder­her­stellungs­medium. Im Ideal­fall wird dieser Vorgang durch automatisierte Prozesse im Rahmen des Disaster Recovery Plannings ergänzt.

Disaster Recovery versus Business Continuity

Der deutsche Begriff für Disaster Recovery lautet Notfall- oder Kata­stro­phenwiederherstellung. Oft werden die Begriffe Disaster Recovery und Business Continuity alternativ verwendet. Allerdings ist Business Con­tinuity umfassender, da es bei Business Continuity nicht nur um die Wiederherstellung von IT-Services, sondern um die Aufrechterhaltung kritischer Geschäftsabläufe im Allgemeinen geht. Der Schwerpunkt von Business Continuity liegt somit mehr auf der Sicherstellung der Ge­schäfts­tätigkeit. Technische Maßnahmen, die für die Notfall­wieder­herstellung zum Einsatz kommen, sind Redundanzen, Bereitstellung von Ersatzhardware und Datensicherungen. Sie sollen sogenannte Single Point of Failures der IT vermeiden.

Disaster Recovery Planning

In einem Disaster Recovery Plan sind die Maßnahmen, Verfahren und Vorgaben aufgeführt, wie in einem Störungsfall zu reagieren ist, um die Auswirkungen auf das Unternehmen zu minimieren. Die in dem Not­fallplan zusammengefassten Maßnahmen sind so beschrieben, dass sie Schritt für Schritt durch die Verantwortlichen abzuarbeiten sind. Ebenfalls Bestandteil des Plans sind Meldewege, Eskalationsstufen und Definitionen der Verantwortlichkeiten im Katastrophenfall.

Konkret gehören in einen Disaster Recovery Plan folgende Inhalte:

  • 1. Ziele und Geltungsbereich: Definition von Zielsetzung, Umfang und Anwendungsbereich des Plans sowie Abgrenzung zu Business Con­tinuity Management (BCM)
  • 2. Kritische Systeme und Geschäftsprozesse: Identifikation geschäftskritischer IT-Assets sowie Definition von Recovery Time Objective (RTO) und Recovery Point Objective (RPO)
  • 3. Rollen und Verantwortlichkeiten: Benennung des Disaster-Recovery-Teams, Eskalationswegen und klaren Kommunikationsstrukturen
  • 4. Wiederherstellungsstrategien: Verfahren zur Daten- und Systemwiederherstellung festlegen, Backups nutzen und Ausweichstandorten oder Cloud-Ressourcen bereitstellen
  • 5. Technischer Wiederanlaufplan: Schrittweise Anleitung zur Wiederherstellung zentraler Systeme (Server, Datenbanken, Netzwerke), Systemkonfigurationen, Wiederanlaufprioritäten
  • 6. Kommunikationsplan: Interne und externe Kommunikationswege im Krisenfall vorbereiten sowie Zuständigkeiten für Kunden-, Medien- und Behördenkommunikation festlegen
  • 7. Test und Überprüfung: Regelmäßige Tests, zum Beispiel Tabletop oder Simulationen sowie Dokumentation und Lessons Learned
  • 8. Wartung und Aktualisierung: Verfahren zur regelmäßigen Pflege und Aktualisierung des Plans etablieren sowie Anpassung bei System- oder Prozessänderungen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bietet auf seiner Webseite einen Maßnahmenkatalog zum Notfallmanagement an. Dieser kann als Vorlage für einen Disaster Recovery Plan dienen. Der Katalog enthält einer Leitlinie zum Notfallmanagement sowie Hilfe bei der Entwicklung eines Notfallvorsorgekonzeptes und eines Notfall­hand­buches. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist diese Disaster-Recovery-Plan-Vorlage zum Einstieg in das Notfallmanagement und Datenwiederherstellung gut geeignet.

Was ist ein Disaster Recovery Test?

Ein Disaster Recovery Test ermöglicht die Überprüfung der Wirksamkeit des Disaster Recovery Plannings. So lässt sich sicherstellen, dass bei ei­nem Störfall die verschiedenen Maßnahmen und Verfahren des Not­fall­plans tatsächlich die Wiederherstellung der IT-Services ermöglichen. Die Disaster Recovery Tests sind in regelmäßigen Abständen durchzuführen. Ergebnisse aus den Katastrophenübungen fließen bei Bedarf in die Maß­nah­men, Vorgaben und Verfahren ein. Die regelmäßigen Überprüfungen halten die Pläne auf dem aktuellen Stand und schulen die Mitarbeiter für den Notfall und die durchzuführenden Tätigkeiten.

Was ist der Unterschied zwischen RTO und RPO?

Wichtige Kennwerte der Notfallwiederherstellung sind Recovery Time Objective (RTO) und Recovery Point Objective (RPO). Doch was ist der Unterschied zwischen RTO und RPO?

RTO (Recovery Time Objective) RPO (Recovery Point Objective)
Definition Maximale Zeitspanne, in der ein System nach einem Ausfall wiederhergestellt sein muss Maximal tolerierbarer Datenverlust in Zeit – gemessen vom Zeitpunkt des Ausfalls rückwärts
Fokus Systemverfügbarkeit Datensicherheit / Datenkonsistenz
Beispiel Ein Webshop soll spätestens zwei Stunden nach Systemausfall wieder erreichbar sein Es dürfen maximal die letzten 15 Minuten an Bestellungen verloren gehen
Technische Maßnahmen Failover-Systeme, Hochverfügbarkeitslösungen Backup-Intervalle, Replikation, Snapshots

RTO gibt also Auskunft darüber, wie lange ein System oder ein Service ausfallen darf. Es handelt sich um die Zeit zwischen dem Auftreten des Ausfalls und der Wiederherstellung des Services oder Systems. Zeiträume können zwischen wenigen Sekunden und mehreren Tagen oder Wochen liegen. RPO beantwortet die Frage, wie viel Datenverlust hinnehmbar ist. Es handelt sich um den Zeitraum der zwischen zwei Datensicherungen liegen darf. Je niedriger die RPO, desto weniger Daten gehen bei einem Ausfall verloren. Im Rahmen des DRPs sind die Werte für RPO und RTO für die verschiedenen IT-Services zu definieren.

Was ist Disaster Recovery as a Service?

Disaster Recovery as a Service (DRaaS) ist ein Cloud-basiertes Angebot, das Unternehmen ermöglicht, ihre geschäftskritischen IT-Systeme im Falle eines Ausfalls schnell und automatisiert wiederherzustellen – ohne eigene Hardware oder komplexe Notfallinfrastruktur vorhalten zu müs­sen. Ein Provider repliziert die Anwendungen, Daten und Kon­fi­gu­ra­tio­nen kontinuierlich in ein sekundäres Rechenzentrum und übernimmt im Ernstfall das Failover-Management. DRaaS ist ein zentraler Baustein des Disaster Recovery Plannings, insbesondere für hybride oder voll­ständig virtualisierte IT-Landschaften.

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Dabei liegen die Vorteile von Disaster Recovery as a Service auf der Hand: geringer Kapitalaufwand, schnelle Wiederanlaufzeiten (RTO), skalierbare Ressourcen sowie reduzierte Komplexität im Krisenfall. IT-Teams pro­fi­tieren von klar definierten Service Level Agreements (SLA), auto­ma­ti­sier­ten Disaster Recovery Tests und hoher Flexibilität bei sich ver­än­dern­den Anforderungen. Dies ist gerade für kleine und mittel­ständische Unter­nehmen interessant, die oft selbst nur wenig Know-how und Ressourcen für eigene Notfallmaßnahmen und -strukturen besitzen.

Die derzeit wichtigsten Anbieter von Disaster-Recovery-Lösungen und DRaaS sind Zerto, Acronis, Veeeam, VMware, Rubrik und Datto. Darüber hinaus gibt es auch deutsche Unternehmen, die Angebote für die Disaster Recovery im Portfolio haben, zum Beispiel Ionos, Telekom und Plusserver.

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