Definition Was ist Typosquatting?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 4 min Lesedauer

Typosquatting ist eine Form von Cybersquatting. Internetanwender werden aufgrund von falsch geschriebenen Domainnamen auf nicht erwünschte Internetseiten geleitet. Auf diesen Seiten sind sie unter Umständen cyberkriminiellen Machenschaften ausgesetzt.

Beim Typosquatting fallen Opfer auf eine Tippfehler-Domain herein.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
Beim Typosquatting fallen Opfer auf eine Tippfehler-Domain herein.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Der englische Begriff Typosquatting setzt sich aus den beiden Wörtern "typo" und "squatting" zusammen. Sie bedeuten wörtlich übersetzt "Tippfehler" und "Hausbesetzung". Bei Typosquatting handelt es sich um eine Form von Cybersquatting. Typosquatter registrieren absichtlich Domainnamen, die dem Domainnamen eines bestehenden Internetauftritts sehr ähnlich sind und sich beispielsweise nur durch Tipp- oder Rechtschreibfehler von diesen unterscheiden.

Internetanwender, die den Domainnamen irrtümlich in dieser Form falsch eingeben oder auf einen ähnlich aussehenden Link klicken, werden auf diese Seiten geleitet. Das ist für sie oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich, da die alternative Seite der Originalseite nachempfunden sein kann. Auf den fremden Seiten sind die Internetuser unerwünschten Inhalten, Konkurrenzangeboten, massiver Werbung oder cyberkriminellen Machenschaften wie Phishing, Infizierung mit Malware oder Shop- und Anzeigenbetrug ausgesetzt. Auch für politische Zwecke wird Typosquatting teilweise genutzt.

Je bekannter ein Internetauftritt ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Typosquatting-Webseiten für diesen Internetauftritt existieren. Typosquatting kann sowohl für den Internetuser, der auf unerwünschte Seiten geleitet wird, als auch für den Eigentümer einer Website, für die Typosquatting betrieben wird, schädlich sein.

Prinzipieller Ablauf von Typosquatting

Voraussetzung für Typosquatting ist, dass ein Typosquatter Domainnamen kauft oder registriert, die einem existierenden Internetauftritt sehr ähnlich sind. Oft weichen diese Domainnamen nur geringfügig von den Original-Domainnamen ab. Typische Typosquatting-Domainnamen entstehen durch:

  • weggelassene Buchstaben
  • Rechtschreib- und Tippfehler
  • Buchstabendreher
  • alternative Schreibweisen
  • kurze Namenszusätze
  • alternative Endungen (Top-Level-Domains)
  • weggelassene oder eingefügte Bindestriche
  • Schreibweisen mit und ohne Umlaute

In der Regel sichern sich die Typosquatter gleich mehrere dieser Tippfehler-Domains. Für die registrierten Domainnamen erstellt der Typosquatter eigene Internetauftritte, mit denen er seine Absichten oder cyberkriminellen Machenschaften verfolgt. Grundsätzlich muss er anschließend nur noch warten, bis Internetuser durch falsch in der Adresszeile des Webbrowsers eingegebene Domainnamen automatisch auf den Typosquatting-Seiten landen. Er kann die Internetuser aber auch aktiv dazu verleiten und sie auf seine Seiten locken, indem er beispielsweise massenhaft E-Mails mit entsprechenden Links versendet oder Links auf anderen Seiten einbaut.

Aufgrund der sehr ähnlichen Schreibweisen der Links erkennt der Internetuser unter Umständen nicht, dass sie auf eine unbeabsichtigte Seite verweisen und klickt sie an. Um Phishing zu betreiben, sind Typoquatting-Seiten hinsichtlich Aufbau und Aussehen ähnlich wie die Originalseiten zu gestalten. Bemerkt der Anwender nicht, dass er nicht auf der Originalseite, sondern auf einer Typo-Webseite ist, gibt er unter Umständen sensible Daten wie Usernamen und Passwort oder Kreditkartendaten preis, die ein krimineller Typosquatter anschließend für seine Zwecke missbrauchen kann.

Mögliche Gefahren und Risiken durch Typosquatting

Typosquatting ist nicht nur für den Internetuser ein Problem, sondern kann auch für das betroffene Unternehmen beziehungsweise die betroffene Organisation schädlich sein. Internetuser sind durch Typosquatting Gefahren und Risiken ausgesetzt, wie dem Diebstahl sensibler Daten (Phishing), der Infizierung durch Malware oder dem Betrug durch Fake-Shops. Oft werden dem User auch unerwünschte Inhalte wie Pornografie, Propaganda oder Inhalte von politischem Aktivismus präsentiert. Häufig versuchen Typosquatter den durch die Tippfehler-Domains generierten Verkehr zu monetarisieren, indem sie dort in Massen Werbung oder Affiliate-Links platzieren.

Für Unternehmen und Organisationen ergeben sich ebenfalls zahlreiche Gefahren und Risiken. Sie erleiden unter Umständen einen Reputationsschaden, verlieren Webtraffic, Kunden, Umsatz und Werbeeinnahmen oder es werden falsche Informationen über ein Unternehmen oder eine Organisation verbreitet. Unter Umständen werden Unternehmen oder Organisationen vom Typosquatter erpresst, die Typo-Domain von ihm zu kaufen, um den Schaden zu begrenzen.

Maßnahmen zur Eindämmung oder Verhinderung von Typosquatting

Die Maßnahmen zur Eindämmung oder Verhinderung von Typosquatting lassen sich unterscheiden in Maßnahmen für die Internetanwender und für die von Typosquatting betroffenen Unternehmen oder Organisationen.

Unternehmen registrieren in der Regel vorsorglich selbst eine Vielzahl möglicher Typo-Domains und leiten diese auf die Originalseite um, um sich vor Typosquatting zu schützen. Tatsächlich alle denkbaren Typo-Domains zu registrieren, gelingt in den seltensten Fällen und ist mit finanziellem Aufwand verbunden. Inhaber von Domainnamen mit registrierten Markenrechten können zudem einen Monitoring-Service der ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) nutzen, um sich über die Verwendung ihrer Markennamen informieren zu lassen. Darüber hinaus signalisieren SSL-Zertifikate die Vertrauenswürdigkeit einer Seite und informieren über den Seitenbetreiber. Oft leiten Unternehmen rechtliche Schritte gegen Typosquatting-Seiten ein und versuchen, die Seite stillzulegen, wenn beispielsweise Markenrechte verletzt werden.

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Damit Internetuser nicht Opfer von Typosquatting werden, empfiehlt es sich, folgende Ratschläge zu befolgen:

  • sorgfältige Eingabe von Domainnamen (achten auf Rechtschreib- und Tippfehler)
  • sorgfältige Prüfung eines Links vor dem Anklicken (achten auf seltsame oder alternative Schreibweisen)
  • sorgfältiges Prüfen der SSL-Zertifikate und der dort genannten Seitenbetreiber
  • Webseiten nur über gespeicherte Lesezeichen öffnen
  • Webseiten über Suchmaschinen finden und öffnen
  • Verwendung von Tools oder Add-ons, die Tippfehler bei der Eingabe im Webbrowser erkennen
  • Ergreifen der üblichen Schutzmaßnahmen gegen Cybergefahren wie die Nutzung von Spamfiltern, Antiviren-Software etc.

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