Krisenkommunikation in Cyberangriffen Wenn der Angriff kommt, zählt jedes Wort

Ein Gastbeitrag von Stefan Häseli und Marco Cortesi 4 min Lesedauer

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Cyberangriffe sind längst Alltag, aber oft wird aus einem Vorfall erst durch schlechte Kommunikation eine Krise. Ein praxisnaher Leitfaden zeigt, wie Unternehmen mit klaren Botschaften, Tempo und Empathie Vertrauen bewahren.

Krisenkommunikation entscheidet im Ernstfall: Bei Cyberangriffen kommt es auf schnelle, klare und vertrauensbildende Botschaften an.(Bild: ©  lucadp - stock.adobe.com)
Krisenkommunikation entscheidet im Ernstfall: Bei Cyberangriffen kommt es auf schnelle, klare und vertrauensbildende Botschaften an.
(Bild: © lucadp - stock.adobe.com)

In einer Zeit, in der Cyberangriffe nicht mehr die Ausnahme, sondern zunehmend die Regel sind, entscheidet professionelle Krisenkommunikation maßgeblich über Reputationsschäden, Vertrauensverluste und die operative Handlungsfähigkeit eines Unternehmens. Das Buch „Praxisbuch Krisenkommunikation“ von Marco Cortesi und Stefan Häseli bietet praxisnahe und zugleich systematische Handlungsanleitungen für Organisationen, die sich gegen digitale Ausnahmezustände wappnen wollen. Besonders relevant für IT-Sicherheitsverantwortliche: das Kapitel über Cybervorfälle, ihre kommunikativen Herausforderungen – und wie man ihnen begegnet.

Cyberkrisen sind kommunikative Herausforderungen

Cyberangriffe gehören heute zu den zentralen Auslösern moderner Krisenszenarien. Sie betreffen Unternehmen aller Branchen – und oft beginnt das Problem nicht im Code, sondern in der Kommunikation: Fehlende Transparenz, unklare Verantwortlichkeiten oder zu spätes Handeln können aus einem beherrschbaren Sicherheitsvorfall eine kommunikative Katastrophe machen.

Das Fallbeispiel „TechDynamics“ im Buch illustriert einen typischen Verlauf: Ein ehemaliger Mitarbeiter schleust Ransomware ins Firmennetzwerk. Die Systeme versagen, Kundendaten sind verloren, die Öffentlichkeit reagiert mit Unverständnis. Was sich bei TechDynamics zeigt: Der Angriff ist nur der Auslöser – die eigentliche Krise entfaltet sich durch unzureichende Kommunikation, fehlende Abstimmungen zwischen IT, PR und Management sowie überforderte Krisenstäbe.

IT-Sicherheit trifft Kommunikationskultur

Die Autoren unterstreichen, dass moderne Sicherheitsverantwortung nicht nur aus Firewalls, SIEM-Systemen und Patchmanagement besteht, sondern auch aus narrativen Fähigkeiten: Wer informiert wann, wie und über welche Kanäle? Die klare Empfehlung: Unternehmen müssen eine Notfallkommunikation vordefinieren – inklusive Eskalationsplänen, Kommunikationsketten, Zuständigkeiten und vorbereiteten Textbausteinen.

Ein strukturierter Kommunikationsplan gehört heute zum Pflichtprogramm jeder IT-Abteilung – ebenso wie das Verständnis dafür, dass auch „keine Kommunikation“ eine (negativ wahrgenommene) Botschaft ist.

Geschwindigkeit schlägt Perfektion

In der Frühphase einer Cyberkrise ist Geschwindigkeit entscheidend. Wer auf Social Media oder über andere inoffizielle Kanäle über den Vorfall erfährt, verliert das Vertrauen. Unternehmen sollten deshalb bereits innerhalb der ersten Stunde nach Bekanntwerden eines Angriffs ein erstes, faktenbasiertes Statement vorbereiten. Dieses muss nicht vollständig, aber ehrlich, empathisch und nachvollziehbar sein. Alles, was gesagt wird, muss wahr sein – aber nicht alles, was wahr ist, muss sofort gesagt werden.

Die Autoren empfehlen einen Informationsrhythmus in Wellen: zuerst intern (Mitarbeitende, Vorgesetzte, Gewerkschaften), dann externe Stakeholder (Medien, Öffentlichkeit, Kunden). So lassen sich Unsicherheit und Gerüchte eindämmen.

Prävention durch Monitoring und Szenarien-Übungen

Krisenkommunikation beginnt nicht mit dem Vorfall, sondern in der Vorbereitung: In regelmäßigen Risikoanalysen sollten IT- und Kommunikationsteams gemeinsam potenzielle Krisenszenarien durchspielen – etwa Datenlecks, Erpressungen, Systemausfälle oder den Verlust von Zugangsdaten. Jedes Unternehmen sollte wissen, wie es in einem solchen Fall innerhalb von Minuten kommunikationsfähig ist.

Wichtig sind auch regelmäßige Trainings: Wer die Kommunikation unter Druck nie geübt hat, wird im Ernstfall sprachlos. Auch Medien- und Kameratrainings für das Top-Management gehören dazu – denn in der Krise erwarten alle: Der Chef spricht.

Schnittstellen definieren, Silos aufbrechen

Das Buch zeigt, dass vor allem in technisch getriebenen Krisen die Zusammenarbeit zwischen IT-Sicherheit, Unternehmenskommunikation, Recht und Management unerlässlich ist. Oft behindert die fragmentierte Verantwortung eine klare Linie. Die Autoren empfehlen deshalb, im Vorfeld Schnittstellen klar zu definieren: Wer kommuniziert mit den Medien? Wer informiert Kunden? Wer entscheidet, was veröffentlicht wird?

Besonders bei börsennotierten Unternehmen oder kritischen Infrastrukturen kommt hinzu: Juristische und regulatorische Anforderungen machen die Kommunikation nicht einfacher – aber sie darf deshalb nicht unverständlich werden. Auch juristisch saubere Sprache muss nachvollziehbar sein.

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Vertrauen ist das neue Kapital

Eine zentrale Aussage des Buches ist: Vertrauen ist nicht nur kommunikatives Ziel, sondern ökonomisches Kapital. Unternehmen, die in der Krise schnell, klar und empathisch kommunizieren, stärken ihre Marke langfristig – selbst wenn der Vorfall selbst nicht verhindert werden konnte. Wer hingegen laviert, beschwichtigt oder schweigt, riskiert massiven Reputationsverlust – auch bei Partnern, Kunden und Investoren.

KI in der Krisenkommunikation

Spannend ist der Ausblick, den das Buch auf Künstliche Intelligenz bietet: KI kann beim Monitoring, bei der Risikoanalyse und bei der Formulierung erster Statements helfen. Sie ersetzt aber keine menschliche Verantwortung. Die Autoren sehen KI als sinnvolle Ergänzung – und nicht als Abkürzung.

Fazit

Cyberkrisen sind Kommunikationskrisen. Wer sich auf den Ernstfall nicht nur technisch, sondern auch kommunikativ vorbereitet, gewinnt wertvolle Zeit, Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Das Buch „Kommunikation in der Krise“ ist ein praxisorientierter Leitfaden, der IT-Verantwortlichen, Kommunikationsprofis und Geschäftsleitungen gleichermaßen hilft, digitale Krisen zu antizipieren, zu bewältigen – und in Chancen zu verwandeln.

Über die Autoren

Stefan Häseli ist Experte für glaubwürdige Kommunikation und Auftrittskompetenz, Keynote-Speaker, Radio-Moderator und Autor mehrerer Bücher. Er ist ein mehrfach international ausgezeichneter Redner und Trainer. Stefan Häseli betreibt ein Trainingsunternehmen in der Schweiz. Die Kommunikation in ihren unterschiedlichen Welten und die Details in der Sprache faszinieren ihn und prägten seinen beruflichen Werdegang.

Marco Cortesi prägte über Jahrzehnte die Kommunikation als Medienchef der Stadtpolizei Zürich. Er gab der Polizei ein menschliches Gesicht und stärkte ihr positives Image in der ganzen Schweiz. Für seine glaubwürdige Presse- und Krisenkommunikation wurde er 2023 vom DACH-Journalistenverein mit einem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

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