Cisco Live San Diego & Cisco Connect München Wie Cisco Netzwerke neu denken will

Von Alexander Siegert 5 min Lesedauer

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Mit umfangreichen Neuerungen im Portfolio will sich der Netzwerkspezialist als Vorreiter der nächsten Generation von KI-fähigen Infrastrukturen positionieren. Ein großes Augenmerk liegt auf der gemeinsamen Zukunft am Arbeitsplatz mit KI-Agenten.

Auf der Cisco Live zeigte der Netzwerkspezialist, wie man die KI-fähigen Rechenzentren ausstatten kann.(Bild:  Cisco)
Auf der Cisco Live zeigte der Netzwerkspezialist, wie man die KI-fähigen Rechenzentren ausstatten kann.
(Bild: Cisco)

Auf der diesjährigen Cisco Live, die vom 31. Mai bis 4. Juni in San Diego stattfand, hat Cisco eine umfangreiche Erweiterung seines Portfolios vorgestellt, die Unternehmen gezielt bei der sicheren Einführung und dem zuverlässigen Betrieb von Künstlicher Intelligenz unterstützen soll. Im Mittelpunkt stehen neue Lösungen für Rechenzentren, Sicherheitsarchitekturen sowie moderne Arbeitsplatzinfrastrukturen, die speziell auf die wachsenden Anforderungen agentenbasierter KI-Anwendungen zugeschnitten sind.

Mit Blick auf die dynamische Verbreitung von KI-Technologien rechnet Cisco mit einem tiefgreifenden Aus- und Umbau bestehender Rechenzentren. In seiner Keynote skizzierte Jeetu Patel, President und Chief Product Officer von Cisco, die strategischen Leitlinien, mit denen das Unternehmen künftig Kunden und Partner noch stärker überzeugen will. Cisco setzt auf die konsequente Plattformisierung seines Portfolios, um die Vielzahl vorhandener Lösungen durch tiefere Integration und eine vereinfachte Nutzung stärker miteinander zu verbinden. Dabei spielen auch die hauseigenen Netzwerkprozessoren der Silicon-Familie eine zentrale Rolle. Ihre hohe Anpassungsfähigkeit soll gerade im Kontext komplexer KI-Anforderungen entscheidende Vorteile bringen – von Flexibilität über Leistung bis hin zur Energieeffizienz. Gleichzeitig positioniert Cisco Künstliche Intelligenz als grundlegenden Baustein der eigenen Produktentwicklung. Insbesondere die sogenannte agentische KI gilt dabei als Schlüsseltechnologie für die nächste Entwicklungsstufe.

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Jeetu Patel, President und Chief Product Officer bei Cisco(Bild:  Cisco)
Jeetu Patel, President und Chief Product Officer bei Cisco
(Bild: Cisco)

„Die Welt bewegt sich von Chatbots, die intelligent unsere Fragen beantworten, hin zu Agenten, die Aufgaben und Arbeiten vollständig autonom durchführen. Dies ist das agentische Zeitalter der KI“, erklärte Patel. „Da Milliarden von KI-Agenten beginnen, in unserem Auftrag zu arbeiten, wird die Nachfrage nach hochbandbreitigem, latenzarmem und energieeffizientem Networking für Rechenzentren steigen.“ Eine zukünftige Zusammenarbeit aus Menschen, KI-Agenten, Robotern, Humanoiden und Applikationen erfordere es, Netzwerke neu zu denken.

Vor diesem Hintergrund präsentierte Cisco auf der Veranstaltung eine Reihe wegweisender Neuerungen, die allesamt darauf abzielen, Unternehmen eine robuste, skalierbare und zukunftssichere technologische Grundlage für die KI-Ära zu bieten. Hier die wichtigsten Ankündigungen im Überblick.

AI Canvas oder Security ist ein Multiplayer-Spiel

Ein neues zentrales Element dieser Strategie ist Cisco AI Canvas – eine generative, kollaborative Benutzeroberfläche für Netzwerk- und Sicherheitsteams. Das Herzstück ist das domänenspezifische Large Language Model namens Deep Network Model. Es vereinfacht gemeinsam mit dem sprachgesteuerten Cisco AI Assistant komplexe Betriebsabläufe. KI-Agenten können zur Lösung von Tickets Informationen aus verschiedenen Quellen holen und Vorschläge zur Lösung unterbreiten. Auch passende Kollegen können per Mausklick eingeladen werden und gemeinsam an dem Ticket arbeiten. Das erspart Admins und Security-Experten das lästige Anfertigen von Screenshots und mühsame Schreiben von Mails. Das Produkt soll ab Oktober 2025 verfügbar sein. Patel bekräftigte auf der Bühne, dass Security kein Einzelkampf, sondern ein Multiplayer-Spiel sei. Er räumte ein, dass in den letzten Jahrzehnten dieser Ansatz auch bei der Produktentwicklung zu wenig beachtet wurde. Das soll sich mit der wachsenden Komplexität von IT-Infrastrukturen und dem Aufkommen der KI-Agenten ändern.

Mit „AgenticOps“, einem neuen Multi-Agenten-Framework, bringt Cisco zudem KI-gesteuerte Automatisierung in seine Crosswork Network Automation-Plattform. Die vollständig in den AI Assistant integrierte Architektur soll Service Providern helfen, individuelle Agenten für spezifische Anwendungsfälle zu entwickeln.

KI-fähige Rechenzentren

Im Rechenzentrumsbereich stellt Cisco neue Komponenten und Funktionen vor, die speziell für KI-Workloads ausgelegt sind.Die AI Pods sollen ein Full Stack Angebot sein, das Compute, Storage, Security und Netzwerk abdeckt. Modelle sollen Training und Feinabstimmung von Modellen vereinfachen.

Mit Cisco Intelligent Packet Flow können Kunden Datenströme in Echtzeit analysieren und steuern, um Netzwerkressourcen für verteilte KI-Prozesse optimal zu nutzen. Die neue Unified Fabric Experience im Nexus Dashboard führt dabei unterschiedliche Netzwerke – von klassischen LANs bis hin zu AI/ML-Fabrics – auf einer einheitlichen Plattform zusammen. Diese Funktionen sollen im Juli 2025 verfügbar sein.

Ein weiterer Fokus liegt auf der engen Zusammenarbeit mit Nvidia. Die Integration von Cisco AI Defense und Hypershield in das validierte Design der NVIDIA Enterprise AI Factory ermöglicht eine sichere KI-Einführung auf Enterprise-Niveau. Auch hardwareseitig setzt Cisco auf Nvidia-Technologie: Die neue RTX 6000 Blackwell GPU kann ab sofort mit Cisco UCS C845A M8-Servern bestellt werden. Auch Modelle aus Nvida NeMo können mit der erweiterten Partnerschaft über AI Defense validiert werden.

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Hybrid Mesh Firewall

Im Sicherheitssegment erweitert Cisco seine Lösungen. Die Hybrid Mesh Firewall wird durch die Secure Firewall Serien 6100 und 200 ergänzt. Die 6100er-Serie bietet eine Data Center Firewalling-Leistung von bis zu 200 Gbps pro Rack-Einheit und adressiert Skalierbarkeitsanforderungen großer KI-Umgebungen. Die 200er-Serie richtet sich mit integrierter SD-WAN-Funktion und verbesserter Bedrohungsanalyse an verteilte Standorte. Beide Systeme sind vollständig in die Cisco Security Cloud eingebunden, die mit Security Cloud Control ein zentrales Management für Richtlinien und Durchsetzungspunkte bietet – einschließlich Catalyst SD-WAN, Hypershield-fähiger Switches und ACI-Fabrics.

Auch im Bereich Zero Trust Network Access (ZTNA) stellt Cisco Neuerungen vor. Die vollständige Integration aller Cisco SD-WAN-Angebote – einschließlich Meraki – in Cisco Secure Access erlaubt einheitliche SASE-Architekturen über verschiedene Infrastrukturen hinweg. Zudem wird Duo als Identitätsdienst weiterentwickelt: Mit passwortloser Authentifizierung, Proximity-Verifizierung und der Funktion als Identitätsbroker soll der Schutz vor Phishing-Angriffen erhöht werden, ohne auf Hardware-Token angewiesen zu sein.

Splunk Integrationen

Auch die Zusammenarbeit mit Splunk wird verstärkt. Kunden, die Cisco Secure Firewall nutzen, können ab August innerhalb von Splunk auf Logdaten zugreifen. Die Integration verbessert die Bedrohungserkenntnisse, indem Firewall-Protokolldaten zur fortgeschrittenen Erkennung genutzt werden. Die Cisco Security Cloud App für Splunk bietet nun Unterstützung für Cisco Secure Firewall Threat Defense und ermöglicht angereicherte Korrelationen und Erkennungen im Einklang mit den Arbeitsabläufen von Bedrohungserkennung, -untersuchung und -reaktion (TDIR). Erweiterte Integrationen von Security Orchestration, Automation and Response (SOAR) rationalisieren die Eindämmung und Reaktion, indem sie Aktionen wie das Isolieren von Hosts und das Blockieren von Verbindungen automatisieren. Dazu gehören auch Integrationen mit Cisco Talos Threat Intel zur weiteren Unterstützung von TDIR. Darüber hinaus bietet das Weiterleiten von Secure Application-Ereignissen an Splunk den Sicherheitsteams eine bessere Übersicht auf Schwachstellen auf Anwendungsebene und setzt diese in Beziehung zu größeren geschäftlichen Risiken.

Schnelle Adaption in Deutschland

Nur einen Monat nach dem Ende der Cisco Live in Amerika folgte die Cisco Connect in Deutschland. So wolle man sicherstellen, dass die neuen Lösungen schnell auch hierzulande adaptiert werden und sich etablieren können. Moderiert wurde das Event in München von Deutschland-Chef Uwe Peter, Jeetu Patel stellte die neuen Produkte des Herstellers vor.

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