Lauschangriffe – technische Aufrüstung auf beiden Seiten Wie Experten bei Industriespionage vorgehen

Von Dr. Sabine Gladkov

In Unternehmen gibt es zahllose Wege, Abhörvorrichtungen in sensiblen Bereichen zu platzieren: Die Technik wird immer kleiner, kostengünstiger und leistungsfähiger. Wanzen-Suchgeräte aus dem Technik-Shop helfen in der Regel nicht. Worauf Firmenchefs achten sollten und wann sie handeln müssen, erklärt Jochen Meismann von der Detektei A Plus.

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Detektiv Jochen Meismann von der Detektei A Plus ist darauf spezialisiert, Industriespione zu enttarnen.
Detektiv Jochen Meismann von der Detektei A Plus ist darauf spezialisiert, Industriespione zu enttarnen.
(Bild: Detektei A Plus)

Wanzen in den Telefonen, Minikameras in den Büros, Peilsender oder GPS-Tracker unter Firmenfahrzeugen – gerade mittelständische Firmen geraten oft ins Visier von Spähangriffen. Aber viele Betroffene argwöhnen erst, dass sie ein Opfer von Wirtschaftsspionage geworden sind, wenn sie die Folgen bereits spüren.

„Wirksame Abhörtechnik wird seit Jahren immer kleiner, kann fast ohne technisches Wissen eingesetzt sowie einfach und für kleines Geld beschafft werden – entsprechend nehmen die Risiken zu“, betont Jochen Meismann, der seit über 30 Jahren erfolgreich als Detektiv tätig ist. 1995 gründete er die Detektei A Plus – ein bundesweit operierendes Unternehmen mit Spezialisierung auf gerichtsverwertbare Observationen und Ermittlungen.

Als spezialisierter Dienstleister weiß Meismann, dass Datenklau ist in der deutschen Wirtschaft heutzutage praktisch an der Tagesordnung ist – und er geschieht auf unterschiedlichen Wegen: In manchen Fällen hacken sich Datendiebe in interne IT-Systeme oder bringen Mitarbeiter dazu, ihnen vertrauliche Informationen zu verschaffen.

Oft zapfen sie aber auch die Telefone der Firma an und installieren Mikrofone in den Geschäftsräumen. Nicht selten werden unauffällige „Service-Kräfte“ ins Unternehmen geschickt – ein Techniker, der im Auftrag der Hausverwaltung die Brandmelder überprüfen soll, oder eine neue Putzfrau der Gebäudereinigungsfirma, die an einem anderen Tag für eine erkrankte Kollegin einspringt.

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„Hier sollten Empfangsmitarbeiter und Unternehmensführung hellhörig werden und unbedingt die Herkunft der ungebetenen Besucher überprüfen“, rät der Lauschabwehr-Experte. Eine weitere unauffällige Variante für die Platzierung leistungsstarker Abhörtechnik ist ein fingierter Einbruch: Stellt sich heraus, dass die Täter nichts Wertvolles gestohlen haben, atmen Betroffene in der Regel auf.

Das ist fatal, denn nicht selten wird der Einbruch nur fingiert, um in Wahrheit Wanzen oder Kameras im Betrieb zu installieren und vom Zweck des ungesetzlichen „Besuches“ abzulenken. „Nach einem solchen Vorfall sollte der Unternehmer einen Datensicherheits-Experten zu Rate ziehen“, empfiehlt Jochen Meismann nachdrücklich. „Idealerweise durchsucht dieser dann die Geschäftsräume gründlich nach Abhörtechnik.“

Suchgeräte aus dem Handel sind meist wertlos

Abhörtechnik wird in der Regel gut versteckt oder an unzugänglichen Stellen verbaut. Der Versuch, bei einem vermuteten Lauschangriff die verbauten Wanzen oder installierten Kameras mit Hilfe von vergleichsweise billigen Suchgeräten aus dem Elektronikhandel eigenhändig aufzuspüren, kostet Unternehmer nur Zeit, Mühe und Geld – und bringt wenig: Die Geräte sind in der Regel wenig wirksam und wiegen das Spionageopfer zudem in falscher Sicherheit, wenn sie keine Wanzen erkennen.

„Solche Wanzensucher messen oft nur bis zwei Gigahertz – zu wenig also, um eine drahtlose Überwachungskamera zu erfassen. Die sendet nämlich meist auf 4 Kanälen von 2,420 bis 2,460 Gigahertz und neuerdings auch mit 5,2 GHz. Solche Hobby-Detektoren halte ich für vergeudetes Geld“, erklärt Meismann weiter.

Verwanzte Telefonhörer sind laut dem Detektiv ohnehin nur durch Röntgen vor Ort zu detektieren. Laien seien, mit oder ohne Wanzensucher, schon aus Mangel an Erfahrung nicht in der Lage, die Abhörtechnik aufzuspüren. Dennoch scheuen Unternehmer aus Angst vor einem Reputationsverlust oft davor zurück, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Genau davon profitieren aber die Lauscher: „Je länger die Wanzen in Betrieb bleiben und z.B. der Mitbewerber alle Kundendaten abfangen kann, umso größer ist der Schaden für den Unternehmer.“ Der Experte rät Betroffenen daher, den Kontakt zu Spezialisten zu suchen, die alle Abhörtricks und die technischen Möglichkeiten kennen sowie über leistungsfähige Profi-Suchgeräte verfügen.

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Sein spezieller Tipp: Die Kontaktaufnahme zum Dienstleister sollte dabei niemals aus den Räumen heraus erfolgen, die womöglich verwanzt sind. Wer hier zum Telefon greift, hat mit ziemlicher Sicherheit auch für dieses Telefonat unerwünschte Zuhörer. Auch Mails, die über den Firmenserver versendet werden, sind vor neugierigen Augen niemals hundertprozentig sicher.

„Am besten, der Unternehmer nutzt für die Beauftragung einer Lauschabwehr sein Privattelefon zuhause, das Handy eines Freundes in sicherer Umgebung oder einfach einen Münzfernsprecher“, sagt der Experte. „Alternativ kann er zu Hause eine anonyme Email-Adresse bei einem Provider wie Gmail oder Web.de einrichten, die er ausschließlich für die Kommunikation mit dem Sicherheitspartner verwendet.“

So arbeiten die Profis bei einem Spionagevorfall

Absolut diskret muss der Firmenchef auch innerhalb des eigenen Unternehmens vorgehen – und sollte deshalb zunächst niemanden über seinen Verdacht informieren. Oft haben die Spitzel Komplizen unter den Mitarbeitern der Firma, die das Verstecken der Lauschmittel überhaupt erst ermöglicht haben.

„Unser Team aus zwei bis drei geschulten und erfahrenen Technikern fährt beispielsweise am Einsatztag diskret in einem neutralen PKW vor. Auch die technische Ausrüstung, die für die Untersuchung der Räume gebraucht wird, sollte in neutralen Taschen oder gewöhnlichen Koffern transportiert werden, um keinen Verdacht zu erregen“, erklärt Jochen Meismann das Vorgehen der Detektei A Plus.

Werden Sender und Wanzen entdeckt, heißt es meist, weiterhin striktes Stillschweigen zu bewahren. Schließlich geht schließlich nicht nur darum, die Wanzen zu entfernen. Die Täter sollen auch überführt werden. Dazu wäre es kontraproduktiv, die Wanzen sofort unschädlich zu machen – die Spione sollen sich ruhig weiter in Sicherheit wiegen.

Um sie dann erfolgreich aus der Deckung zu locken, nutzen Lauschabwehr-Experten beispielsweise einen bewährten Trick: Auf ihr Betreiben weiht der betroffene Unternehmer zunächst einen befreundeten Geschäftsmann ein und verabredet mit ihm einen Lockanruf.

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Der Geschäftsmann meldet sich ganz offiziell über das verwanzte Telefon in der Firma und gibt vor, einen lukrativen Auftrag vergeben zu wollen. Springt der Spitzel auf den Köder an, wird er versuchen, den vermeintlichen Auftrag schneller zu ergattern. „Der Unternehmer braucht nur noch abwarten, wer sich mit den Insider-Informationen bei seinem Bekannten meldet“, erklärt Meismann.

Wenn die Wanzen durch einen Akku mit Energie versorgt werden oder ein Rekorder eingesetzt wird, nutzen Experten gerne eine konspirative Kamera, mit der heimlich überwacht werden kann, wer sich an den Geräten zu schaffen macht. Denn irgendwann muss jemand kommen, der den Akku oder das Medium auswechselt. Eine versteckte Kamera bringt hier Klarheit. Ist der Schuldige gefunden, kann gegebenenfalls Strafanzeige erstatten und dem Spuk ein für alle Mal ein Ende bereiten werden.

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