Fraunhofer stellt Gesamtkonzept vor Wie sich Resilienz in die Anwendung bringen lässt

Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Entwicklungen wie der Klimawandel oder die Digitalisierung haben auch das Thema Resilienz in die öffentliche Diskussion gerückt. Durch die Corona-Pandemie wird die Resilienz neu auf die Probe gestellt.

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Resilienz oder Widerstandskraft ist laut Duden die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.
Resilienz oder Widerstandskraft ist laut Duden die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.
(Bild: gemeinfrei© Manfred Richter / Pixabay )

Das Thema Resilienz wurde in den vergangenen Jahren häufig im Zusammenhang mit Herausforderungen wie Klimawandel oder öffentliche Sicherheit diskutiert. Durch die COVID-19-Pandemie ist der Begriff abermals in den Blickpunkt gerückt. Und damit kam auch die Frage wieder auf, wie Wirtschaft, Staat und Gesellschaft solche extremen Herausforderungen und Krisen meistern können.

Fraunhofer-Forschende haben nun ein neues anwendungsorientiertes Konzept vorgestellt. Es soll eine systemisch orientierte Betrachtung bieten und praxisnah Lösungswege aufzeigen, wie Unternehmen und Organisationen sich in Zukunft besser auf Krisen und Schocks vorbereiten können.

Das Fraunhofer-Konzept „Resilienz von Organisationen, Infrastrukturen und anderen komplexen Systemen“ bewertet den Begriff Resilienz im Lichte der aktuellen Krisen und Erfahrungen neu und bettet ihn in eine umfassende Betrachtung ein. „Souveränität und Resilienz in zentralen, strategisch wichtigen Technologiebereichen sind essentielle Eckpfeiler, um die Versorgung mit wichtigen Gütern, die Stabilität von Lieferketten und damit die Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen zu sichern“, erklärt Fraunhofer-Präsident Prof. Reimund Neugebauer. „Denn der Indikator dafür, ob und wie Organisationen und Gesellschaften kritische Situationen technologisch, sozial und wirtschaftlich souverän meistern, ist ihre Resilienz.“

Resilienz praxisnah definiert

Ein auch langfristig erfolgreiches Resilienz-Konzept beinhaltet viel mehr als nur die Fähigkeit, Schocks und Krisen mit einer gewissen Robustheit zu begegnen und danach schnell wieder den alten Zustand herzustellen. Ziel ist es vielmehr, während einer Krise die Kernfunktionen in Bereichen wie Wirtschaft, Gesundheits- oder Bildungswesen aufrechtzuerhalten, sowie aus den Erfahrungen zu lernen und dementsprechend gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Voraussetzungen hierfür sind aus Sicht der Autorinnen und Autoren der Studie drei wesentliche Kompetenzen:

  • Organisationen oder Unternehmen müssen in der Lage sein, schnell und agil auf Störereignisse zu reagieren.
  • Sie sollten Warnzeichen oder Indikatoren für das Aufziehen von Krisen frühzeitig erkennen und schnell Gegenmaßnahmen einleiten.
  • Es ist entscheidend, kontinuierlich aus Krisen zu lernen und diese Erkenntnisse in innovative Maßnahmen und dynamische Strukturen zu verwandeln.

Prof. Jakob Edler vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, einer der Autoren der Studie, fasst zusammen: „Resilienz bedeutet, schnell und flexibel auf Schocks und Krisen zu reagieren und sich mittels Innovation an neue Situationen anzupassen.“

Transformationsprozesse aktiv gestalten

Edler weist zudem auf die Rolle von Entwicklungen wie Digitalisierung und Energiewende hin: „Diese tiefgreifenden Transformationsprozesse müssen wir aktiv gestalten und dabei die Resilienz von Anfang an mitdenken.“ Gerade die Digitalisierung erhöhe die Komplexität der Systeme und damit die Gefahr von Störungen. Durch Kaskadeneffekte könnten aus begrenzten regionalen Störfällen ernste systemische Bedrohungen werden.

Fünf Phasen zur Bewältigung einer Krise: Prevent, Prepare, Protect, Respond und Recover. Die Leistung im Zeitverlauf betrachtet, verdeutlicht, wie gut reagiert wird und in welcher Phase es noch Verbesserungsbedarf gibt.
Fünf Phasen zur Bewältigung einer Krise: Prevent, Prepare, Protect, Respond und Recover. Die Leistung im Zeitverlauf betrachtet, verdeutlicht, wie gut reagiert wird und in welcher Phase es noch Verbesserungsbedarf gibt.
(Bild: Fraunhofer)

Um dies zu verhindern, fordert das Fraunhofer-Konzept ein tiefgehendes und ganzheitliches Verständnis der eigenen Strukturen. Das gilt für Unternehmen ebenso wie für Behörden oder Einrichtungen der lebenswichtigen Bereiche wie Gesundheitswesen, Energie- und Wasserversorgung. Erst eine tiefe Analyse aller Strukturen und Arbeitsabläufe bringt die verborgenen Schwachstellen und Risiken an den Tag.

Aber die technische Betrachtung allein genügt nicht. Auch der menschliche Faktor muss berücksichtigt werden für eine nachhaltige, systemische Resilienz. Die Technik muss robust und die Mitarbeiter müssen auf Störfälle vorbereitet sein. Die systemischen Ansätze werden daher genutzt, um die Resilienz sowohl von einzelnen Organisationen als auch beispielsweise von komplexen Lieferketten und ganzen Volkswirtschaften holistisch zu betrachten. Die Erkenntnisse daraus tragen zu deren Stärkung bei.

Bessere Resilienz, bessere Wettbewerbsfähigkeit

Nach Überzeugung der Forscher zahlen sich Investitionen in Resilienz auch ökonomisch aus. Unternehmen, die proaktiv und flexibel agieren, meistern nicht nur Krisen viel besser. Eine hohe Resilienz zahlt sich im Business-Alltag aus, weil sie Geschäftsprozesse flexibilisiert und die Fähigkeit zu Innovationen stärkt.

Von dieser Einsicht können auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) profitieren. Extra für diese hat Fraunhofer das Online-Tool Fraunhofer Resilience Evaluator (FReE) entwickelt. Unternehmen können mithilfe eines webbasierten, interaktiven Fragebogens ihre Resilienz-Fähigkeiten erfassen, analysieren und visualisieren. Auf dieser Basis lassen sich konkrete technische oder organisatorische Maßnahmen entwickeln, um die Resilienz weiter zu verbessern. Die Nutzung des Tools ist kostenlos.

Fraunhofer vs. Corona – Projekt KResCo

„Krisenmanagement und Resilienz – Corona (KResCo)“ ist der Name eines Gemeinschaftsprojekts, mit dem die Fraunhofer-Gesellschaft Wirtschaft und Gesellschaft helfen will, die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie zu bewältigen.

KResCo analysiert politische Entscheidungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie und deren Folgen für die Anpassungs- und Innovationsfähigkeit von Organisationen. Basierend darauf gibt das Forscherteam Handlungsempfehlungen für verschiedene gesellschaftliche Bereiche. Die Empfehlungen sollen den Kampf gegen die Corona-Pandemie und mögliche künftige Pandemien unterstützen.

Außerdem werden offen zugängliche Datensätze erstellt, die für weitere wissenschaftliche Arbeiten zu Pandemien genutzt werden können.

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