CVE-2022-0492 wird aktiv ausgenutzt Vier Jahre alte Linux-Kernel-Lücke erlaubt Container-Ausbruch

Von Thomas Joos 2 min Lesedauer

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Eine vier Jahre alte Linux-Kernel-Lücke in cgroups v1 wird aktiv ausgenutzt, bestätigt die US-Behörde CISA mit der Aufnahme in ihren KEV-Katalog. Der Fehler erlaubt Angreifern den Ausbruch aus Containern und Root-Zugriff auf den darunterliegenden Host. Ungepatchte Produktivsysteme mit cgroups v1 sind unmittelbar gefährdet.

Die Schwachstelle CVE-2022-0492 durchbricht die Container-Grenzen und gibt Angreifern Root-Zugriff auf den darunterliegenden Host. Ungepatchte Linux-Systeme mit cgroups v1 sind unmittelbar gefährdet.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Die Schwachstelle CVE-2022-0492 durchbricht die Container-Grenzen und gibt Angreifern Root-Zugriff auf den darunterliegenden Host. Ungepatchte Linux-Systeme mit cgroups v1 sind unmittelbar gefährdet.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Die Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (CISA) hat CVE-2022-0492 am 02.06.2026 in ihren Katalog der Known Exploited Vulnerabilities aufgenommen und damit eine Ausnutzung in freier Wildbahn bestätigt. US-Bundesbehörden mussten ihre Systeme nach der Binding Operational Directive 22-01 bis zum 05.06.2026 absichern. Für europäische Organisationen gilt die Einstufung als Warnsignal, denn der zugrunde liegende Kernel-Fehler reicht bis 2022 zurück und steckt nach wie vor in nicht aktualisierten Installationen. CISA bewertet die Lücke mit einem CVSS-Score von 7,8 und ordnet sie CWE-287 (Improper Authentication) sowie CWE-862 (Missing Authorization) zu. Einzelne Anbieter wie Sysdig führen einen abweichenden Wert von 7,0, die behördliche Primäreinstufung hat hier Vorrang.

Fehlende Prüfung im release_agent-Mechanismus

Den Kern bildet die Funktion cgroup_release_agent_write in der Quelldatei kernel/cgroup/cgroup-v1.c. Control Groups (cgroups) steuern und begrenzen die Ressourcennutzung von Prozessgruppen und bilden zusammen mit Namespaces das Fundament der Container-Isolation. Das Feature release_agent legt ein Programm fest, das der Kernel startet, sobald eine Control Group leer läuft. Dieser Aufruf erfolgt mit vollen Root-Rechten in den initialen Namespaces.

Der Linux-Kernel versäumt an dieser Stelle die Kontrolle, ob der schreibende Prozess die Berechtigung CAP_SYS_ADMIN besitzt. Ein lokaler Angreifer hinterlegt darüber einen eigenen Programmpfad und bringt den Kernel dazu, beliebigen Code als Root auf dem Host auszuführen. Damit umgeht der Angreifer die Namespace-Isolation und verlässt die Grenzen des Containers. Entdeckt und analysiert haben die Lücke die Palo Alto Networks Unit 42-Forscher Yiqi Sun und Kevin Wang..

Betroffene Kernel und Schutz durch Härtung

Die Schwachstelle steckt in den Kernel-Branches 2.6 bis 4.20 sowie 5.5 bis 5.17 und damit ausschließlich in cgroups v1. Die Nachfolgegeneration cgroups v2 kennt den release_agent-Mechanismus nicht und bleibt verschont. Die Korrektur liegt seit Kernel 5.17 rc3 vor, Distributoren wie Red Hat, SUSE, Ubuntu und Debian haben sie über ihre Sicherheits-Advisories ausgerollt.

Ein Ausbruch gelingt nur bei freizügig konfigurierten Containern. Profile mit SELinux, AppArmor oder Seccomp blockieren die nötigen Schritte und verhindern den Zugriff auf die release_agent-Datei. Container-Hosts unter Docker, Kubernetes oder LXC mit cgroups v1 sind dagegen angreifbar, sofern diese Härtung fehlt. Die KEV-Aufnahme deutet darauf hin, dass vor allem Legacy-Systeme, Embedded-Geräte und ältere Container-Hosts ohne Kernel-Updates aktiv ins Visier von Angreifern geraten. Administratoren sollten den Wechsel auf cgroups v2 prüfen, ungepatchte Kernel aktualisieren und die Sicherheitsprofile ihrer Container-Laufzeiten kontrollieren.

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