E-Mail-Verschlüsselung

Wie sicher muss Sicherheit sein?

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Flexibilität dank Sicherheitsstufen

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung muss mit einem seriösen Tool zwingend möglich sein. Erfahrungen aus der Praxis aber zeigen, dass sich User teilweise gezielt gegen E2E entscheiden, obwohl die Lösung ihrer Wahl diese Technologie ermöglichen würde. Sie nehmen also absichtlich weniger Sicherheit in Kauf.

Bei vielen aktuellen Lösungen kann der Nutzer zwischen verschiedenen Levels der Verschlüsselung wählen, die oft als Sicherheitsstufen bezeichneten werden. Diese kommen de Maizières Forderungen also ziemlich nahe. Aber warum sollte man, um den Duktus des Ministers aufzugreifen, einen Panzer freiwillig gegen ein Cabrio eintauschen, obwohl man sich um die eigene Sicherheit sorgt?

Die Antwort lautet: Weil man nicht immer durch Kriegsgebiet fährt. Sicherheitsstufen bieten Firmen mehr Flexibilität, die sich darin äußert, dass Verschlüsselungen, die kein E2E bieten, schneller von der Hand gehen. So kann je nach Verwendungszweck auch eine reine Transportverschlüsselung ausreichenden Schutz bieten.

Wählt man diese niedrigeren Sicherheitsstufen, wird in der Regel nur der E-Mail-Anhang verschlüsselt, nicht die Nachricht an sich. Der Empfänger erhält dann einen sicheren SSL-Downloadlink. Optional kann zusätzlich zu dem Link beispielsweise eine Authentifizierung mittels Passwort verlangt werden. Unternehmen verwenden die niedrigeren Schutzmechanismen gerne zur internen Kommunikation, vor allem wenn Dateien ausgetauscht werden sollen.

Individuelle Regeln für Abteilungen

Der Einsatz von Sicherheitsstufen bietet besonders dann einen Mehrwert für Unternehmen, wenn man auf diese Weise feste Regeln für einzelne Abteilungen festlegt. Beispielsweise kann der Administrator bestimmen, dass die Personalabteilung ausschließlich Ende-zu-Ende-verschlüsselte Mails schreiben darf, weil der Umgang mit sensiblen Personendaten hier an der Tagesordnung ist.

So kann man sich wirkungsvoll absichern und Datenschutzrichtlinien konsequent einhalten. Besonders hoch sollten die Vorsichtsmaßnahmen insbesondere auch bei allen Mitarbeitern gewählt werden, die in Kontakt mit neuen Produkten, Businessplänen und sonstigem Intellectual Property stehen.

Automatische Verschlüsselung ohne Kompromisse

Kritische Stimmen werden zu Recht einwenden, dass nur durchgehende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung maximalen Schutz bietet. Genau in diese Richtung entwickeln sich gute Software-Lösungen momentan. Die Kunst liegt nicht mehr nur darin, die Verschlüsselung möglichst sicher zu machen. Denn wie eingangs erwähnt bietet State-of-the-Art Kryptographie ein ausreichendes Sicherheitsniveau.

Vielmehr besteht die Herausforderung momentan darin, E2E möglichst leicht und alltagstauglich zu machen, um den Komfort für den Nutzer zu erhöhen – etwa durch automatisierten Schlüsselaustausch. Denn der bereitet erfahrungsgemäß die größten Schwierigkeiten.

Im Ideallfall wird die Nutzung von E2E-Verschlüsselung im Alltag so vereinfacht, dass man sie fast nicht mehr bemerkt. Die sicherste Form der Verschlüsselung kommt dann standardmäßig zum Einsatz. In Zukunft wird es also Panzer geben, die so schnell und wendig sind wie ein Cabrio und den Komfort einer Limousine bieten – zumindest im Bereich Kryptographie.

Um die eingangs gestellte Frage, wie sicher Sicherheit denn nun sein muss, zu beantworten: Im Bereich Verschlüsselung existieren genug Lösungen, die ein akzeptables Maß an Sicherheit bieten. Bei der Auswahl eines Herstellers sollte man deshalb nicht zuletzt auf Alltagstauglichkeit und Usability achten. Denn diese Faktoren sind ausschlaggebend für die tatsächliche Nutzung durch das anfälligste Glied der Kette, den Nutzer.

Über den Autor

Max Sperber ist freier Journalist für Printmedien wie die Süddeutsche Zeitung. Außerdem arbeitet er beim Münchner Software-Hersteller FTAPI im PR-Bereich und betreut die Social-Media-Accounts des Unternehmens.

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