Windows Server vNext mit ReFS-Boot, neuen Lizenzen und Cluster-Updates So viel ändert sich bei Windows Server 2028

Von Thomas Joos 6 min Lesedauer

Microsoft arbeitet bereits am Nachfolger von Windows Server 2025: Insider-Builds von Windows Server 2028 bringen ReFS-Boot, Campus-Cluster, Pay-as-you-go-Lizenzen und einfachere Inplace-Upgrades, werfen aber Legacy-Funktionen wie VBScript, SMB1 und DirectAccess über Bord.

Blick in die Zukunft: Der Nachfolger von Windows Server 2025 heißt wahrscheinlich Windows Server 2028/2029. Bereits jetzt gibt es eine Testversion und neue Funktionen sickern durch.(Bild: ©  PNG City - stock.adobe.com)
Blick in die Zukunft: Der Nachfolger von Windows Server 2025 heißt wahrscheinlich Windows Server 2028/2029. Bereits jetzt gibt es eine Testversion und neue Funktionen sickern durch.
(Bild: © PNG City - stock.adobe.com)

Microsoft arbeitet bereits am Nachfolger von Windows Server 2025. Die Bezeichnung der neuen Version wird vermutlich Windows Server 2028/2029 sein. Einige der Neuerungen bekommt vermutlich auch Windows Server 2025 über Updates. Wir haben dazu bereits einen Beitrag veröffentlicht. Einige der Neuerungen kommen aber hochwahrscheinlich erst mit dem Nachfolger von Windows Server 2025. Bereits jetzt können sich Admins einen Einblick in die frühe Entwicklung des Nachfolgers machen, indem sie die Insider Preview herunterladen und installieren. Der Mainstream-Support von Windows Server 2025 läuft am 13. November 2029 aus. Es ist daher davon auszugehen, dass er Nachfolger deutlich davor auf den Markt kommt. Im Zusammenhang mit dem Nachfolger von Windows Server 2028/2029 wird auch erwartet, dass einige Funktionen aus dem Server entfernt werden. Auch darauf gehen wir in diesem Beitrag ein.

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Erste Einblicke in Windows Server vNext

Um die neue Version von Windows Server zu installieren, stellt Microsoft die neuen Funktionen als Preview zum Download kostenlos bereit. Die neue Version verhält sich aktuell noch wie Windows Server 2025. Das bleibt auch bis kurz vor der Veröffentlichung so. Natürlich enthält die aktuelle Build der Insider-Preview noch nicht alle Funktionen, die Microsoft angekündigt hat, was sich allerdings mit jeweils der neuen Version wieder ändert. Derzeit enthält die jeweils aktuelle Build schon Neuerungen. Ob diese durch ein Update in Windows Server 2025 einfließen, oder erst mit dem Nachfolger kommen, lässt sich bei den einzelnen Funktionen noch nicht klar sagen. es ist auch möglich, dass die Neuerungen zum großen Teil in Windows Server 2028 integriert werden und bei Bedarf dann nachträglich in Windows Server 2025 kommen, um die Kompatibilität sicherzustellen.

Einige Funktionen werden aus Windows Server 2028 vermutlich entfernt

Mehrere ältere Technologien sollen im kommenden Windows Server entfernt oder deaktiviert werden, um Sicherheit und Modernisierung voranzutreiben. VBScript, früher oft für Scripting und Web-Interaktionen genutzt, wird vermutlich vollständig aus dem Betriebssystem eliminiert, alle zugehörigen DLLs werden nicht mehr Teil von Windows Server sein. Bereits in Windows Server 2025 ist VBScript nur noch als optionales Feature-on-Demand verfügbar. Administratoren müssen auf PowerShell oder JavaScript migrieren, da VBScript in zukünftigen Versionen nicht mehr funktioniert.

Auch SMBv1, die erste Version des SMB-Protokolls, steht vor dem endgültigen Aus. Schon seit 2017 wird Windows ohne vorinstalliertes SMB1 ausgeliefert, doch Microsoft kündigte an, in einer zukünftigen Windows-Version die SMB1-Binaries komplett zu entfernen. Windows Server wird dann keine SMB1-Treiber oder -DLLs mehr enthalten, für den seltenen Legacy-Bedarf soll es lediglich ein separaten, nicht unterstützten Installationspaket geben. Damit folgt man dem konsequenten Kurs, dieses unsichere 30 Jahre alte Protokoll vollständig zu verabschieden.

DirectAccess wird wohl verschwinden

DirectAccess, Microsofts frühere Lösung für „Always On“-Remotezugriff für Domänenclients, ist offiziell "deprecated" und wird in der nächsten Windows-Server-Version nicht mehr enthalten sein. Windows Server 2025 liefert DirectAccess zwar noch mit aus, aber Microsoft hat klargestellt, dass alle DirectAccess-Komponenten im darauffolgenden Release entfernt werden. Kunden sollen stattdessen auf Always On VPN wechseln, das moderne Protokolle (IKEv2, SSTP) nutzt und auch nicht-domänengebundene Geräte unterstützt. Analog dazu hat Microsoft angekündigt, die veralteten VPN-Protokolle PPTP, L2TP zukünftig nicht mehr zu entwickeln und ebenfalls in einem kommenden Server-Release aus dem Produkt zu nehmen. Eingehende VPN-Verbindungen über PPTP/L2TP wird ein RRAS-Server dann nicht mehr akzeptieren. Administratoren sollen auf SSTP und IKEv2 migrieren, die bessere Verschlüsselung und moderne Authentifizierung bieten. Es ist durchaus möglich, dass das bereits mit Windows Server 2028/2029 geschieht. Unternehmen, die noch auf diese Technologien setzen, sollten daher frühzeitig für Ersatz sorgen.

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Booten mit ReFS: Neue Start- und Speicher-Funktionen

Für die nächste Windows-Server-Generation plant Microsoft substantielle Verbesserungen am Boot- und Dateisystem. Erstmals soll es möglich werden, Windows direkt von ReFS-Volumes zu booten, was bisher nicht unterstützt wurde. In aktuellen Insider-Builds lässt sich bereits beobachten, dass die Installation auf ein ReFS-formatiertes Laufwerk möglich ist, ein deutliches Indiz, dass ReFS als Startvolume offiziell kommen soll. Damit würde Windows Server das modernere Resilient File System (ReFS) auch für das Betriebssystemlaufwerk nutzbar machen. In der Praxis könnte dies bedeuten, dass sich künftig sogar gespiegelte Boot-Laufwerke auf Storage Spaces einrichten lassen, die mit ReFS formatiert sind, um die Systempartition ausfallsicher zu machen (heute ist das Booten von Software-Mirroring nur mit NTFS möglich). Diese Fähigkeit, ein Systemvolume auf einer ReFS-Spiegelung zu betreiben, wäre ein großer Gewinn an Resilienz für Hosts im Falle von Laufwerksausfällen.

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Darüber hinaus soll ReFS selbst weiter ausgebaut werden. So ist beispielsweise eine integrierte Deduplizierung für ReFS in Arbeit, optimiert vor allem für „heiße“ Daten. Dies würde die Speichereffizienz verbessern, da doppelte Blöcke auf ReFS-Volumes beseitigt werden können, ein Feature, das NTFS bereits bietet und nun auch für ReFS vorgesehen ist.

Lizenzierung und Update-Modelle

Microsoft verändert mit dem kommenden Release auch das Bereitstellungs- und Lizenzierungsmodell von Windows Server. Zwar wird es weiterhin eine klassische perpetual-Lizenz mit langfristigem Support geben, doch parallel dazu wird eine neue Pay-as-You-Go-Option eingeführt. Kunden können Windows Server vNext also alternativ im Abo-Modell beziehen und nach Nutzung über Azure Arc abrechnen lassen. Die Abrechnung erfolgt über Azure (Stichwort „Azure Commerce“), was insbesondere für saisonale Lastspitzen oder temporäre Workloads interessant sein könnte. Unternehmen können so Serverkapazität flexibel hinzubuchen, ohne sofort permanente Lizenzen erwerben zu müssen. Die Subscription-Variante ist optional, klassische Dauerlizenzen mit 5+5 Jahren Support bleiben verfügbar.

Einen echten Wandel stellt auch der geplante Upgrade-Prozess dar. Künftige Windows-Server-Versionen sollen sich deutlich einfacher aktualisieren lassen, ähnlich wie man es von Windows 10/11 Feature-Updates kennt. Laut Microsoft wird man ein Upgrade auf den neuen Server direkt über Windows Update anstoßen können. Das heißt, ein Administrator kann auf einem bestehenden Server einfach nach verfügbaren Updates suchen, und der Wechsel von der alten auf die neue Version läuft als Update-Inplace-Upgrade ab.

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Verbesserungen bei Clustern und Speichertechnologien

Auf der Ignite 2025 wurden umfangreiche Neuerungen für Failover Clustering und Storage angekündigt, die vor allem hohe Verfügbarkeit über mehrere Standorte sowie flexible Storage-Szenarien betreffen. Eine ganz neue Konfigurationsoption ist der Storage Spaces Direct Campus Cluster. Hierbei handelt es sich um einen einzelnen S2D-Cluster, dessen Knoten auf zwei (oder mehr) räumlich getrennte Racks/Standorte verteilt werden können, mit nur einem gemeinsamen Storage-Pool über beide Standorte hinweg.

Im Grunde führt Microsoft damit eine Rack- und Standort-übergreifende Spiegelung innerhalb von S2D ein (auch Rack Level Nested Mirroring genannt). Der Campus Cluster ermöglicht es, einen kompletten Rack- oder Raum-Ausfall abzufangen, ohne die Komplexität eines vollwertigen Stretch-Clusters mit separater Replikation einzuführen. Insbesondere in regulierten Branchen oder Fertigungsumgebungen mit NIS2-Vorgaben bietet der Campus Cluster eine eingebaute Lösung, um die Cluster-Resilienz gegen Standortausfälle zu erhöhen, ohne auf externe Replikationstechniken angewiesen zu sein. Microsoft empfiehlt diese Topologie für große Campus-Umgebungen oder Umgebungen, wo geringe Latenzen zwischen den Räumen gewährleistet sind. Anders als ein traditioneller Stretch-Cluster verwendet der Campus Cluster keine asynchrone Storage Replica, sondern erreicht die Ausfallsicherheit durch synchrones Mirroring innerhalb des einzelnen S2D-Pools, administrativ also deutlich einfacher zu handhaben.

Daneben wird auch der klassische Stretched Cluster besser unterstützt. Bisher waren vollständig über zwei Standorte gestreckte Cluster mit S2D eher Azure Stack HCI/Azure Local vorbehalten. Künftig hält diese Stretch-Cluster-Unterstützung für Storage Spaces Direct Einzug in Windows Server vNext. Das heißt, ein Failover-Cluster kann aus Knoten in zwei unterschiedlichen Sites bestehen, mit jeweils eigenem S2D-Pool, zwischen denen Daten repliziert werden, etwa via Storage Replica, sodass jeder Standort eine Kopie der Daten hält. Diese Funktionalität, die in Azure HCI/Azure Local bereits verfügbar ist, wird in der LTSC-Version nachgeliefert. Unternehmen erhalten damit die Möglichkeit, echte geo-redundante Hyper-V-Cluster mit lokalen NVMe-Speichern aufzubauen, was insbesondere für Disaster-Recovery-Szenarien on-premises relevant ist.

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