Cyberangriffe schneller erkennen XDR deckt die Angriffskette hinter der Alarmflut auf

Ein Gastbeitrag von Kathrin Beckert-Plewka 5 min Lesedauer

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Ein ungewöhnlicher Login, eine unbekannte Datei, eine Verbindung nach draußen. Einzeln wirkt jedes Signal harmlos. Wer Alarm­meldungen noch von Hand abgleicht, übersieht leicht den Angriff dahinter, während die Täter sich längst quer durchs Netz bewegen. XDR soll das ändern, doch Technik allein genügt nicht.

Tausende Warnmeldungen am Tag überfordern viele Security-Teams. Erst wenn Einzelereignisse zur Angriffskette verknüpft sind, wird aus Lärm ein Lagebild.(Bild: ©  MOHAMMOD - stock.adobe.com)
Tausende Warnmeldungen am Tag überfordern viele Security-Teams. Erst wenn Einzelereignisse zur Angriffskette verknüpft sind, wird aus Lärm ein Lagebild.
(Bild: © MOHAMMOD - stock.adobe.com)

Cybersecurity bedeutet heute weit mehr als Angriffe zu verhindern. Unternehmen müssen davon ausgehen, dass sich Angreifer trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen Zugang zu ihrer IT verschaffen können. Entscheidend ist deshalb, verdächtige Aktivitäten möglichst frühzeitig zu erkennen, deren Zusammenhang zu verstehen sowie schnell und angemessen zu reagieren. Genau an dieser Stelle gewinnt Extended Detection and Response (XDR) zunehmend an strategischer Bedeutung. Die Lösung unterstützt IT-Verantwortliche dabei, Sicherheits­er­eig­nis­se intelligent zu korrelieren. Damit verkürzen sie die Reaktionszeiten und setzen gleichzeitig knappe Security-Ressourcen effizienter ein.

Cyberkriminelle arbeiten heute hochgradig automatisiert. Sie scannen Unternehmens­netz­werke kontinuierlich nach Schwachstellen, kompromittieren Systeme und bewegen sich anschließend möglichst unauffällig innerhalb der Infrastruktur. Zwischen dem Eindringen in die IT-Infrastruktur, der Exfiltration von Daten und der finalen Verschlüsselung der Systeme liegt häufig ein längerer Zeitraum. In diesem Zeitfenster ist es möglich, einen Angriff frühzeitig zu bemerken und zu stoppen, bevor der Schaden erheblich ist. Daher investieren Unternehmen seit Jahren in verschiedene Sicherheitslösungen.

Endpoint Protection, Firewalls oder Netzwerküberwachung liefern wertvolle Informationen über potenzielle Bedrohungen. Mit jeder zusätzlichen Sicherheitslösung wächst jedoch auch die Menge an Telemetriedaten und die Anzahl von Alarmen. Genau diese Entwicklung stellt viele IT-Abteilungen inzwischen vor größere Herausforderungen als die eigentlichen Angriffe.

Die eigentliche Herausforderung ist nicht der einzelne Alarm

Moderne Sicherheitslösungen erzeugen täglich tausende Ereignisse, Warnmeldungen und Logdaten. Jede dieser Informationen muss bewertet werden: Handelt es sich um einen Angriff oder einen Fehlalarm? Besteht tatsächlich Handlungsbedarf? Ist die Meldung möglicherweise nur ein Teil eines komplexeren Angriffsmusters? In vielen IT-Abteilungen erfolgt diese Bewertung noch immer manuell. Sicherheitsverantwortliche gleichen Informationen aus verschiedenen Konsolen miteinander ab, priorisieren Vorfälle und versuchen, Zu­sam­men­hänge zu erkennen. Das kostet nicht nur Zeit, sondern bindet wertvolle Ressourcen. Gleichzeitig steigt die Gefahr, dass kritische Warnhinweise in der Vielzahl der Meldungen untergehen. Dieses Phänomen ist als "Alert Fatigue" bekannt. Es ist längst Alltag vieler IT-Teams. Daher besteht die Herausforderung einer modernen Cyberabwehr nicht darin, möglichst viele Informationen zu sammeln. Es geht vielmehr darum, aus den vorhandenen Daten schnell verwertbare Erkenntnisse abzuleiten.

Isolierte Sicherheitsdaten reichen nicht aus

Ein einzelnes Ereignis liefert oft kein vollständiges Bild der Lage. Ein ungewöhnlicher Login, auffälliger Netzwerkverkehr oder eine verdächtige Datei wirken isoliert betrachtet häufig harmlos. Erst eine Verknüpfung der einzelnen Aktivitäten zeigt, ob es möglicherweise Teilaktionen eines koordinierten Angriffs sind. Ein typisches Szenario aus der Praxis ist: Auf einem Arbeitsplatzrechner wird ein Powershell-Prozess gestartet. Kurz darauf erfolgt der Download einer verdächtig wirkenden Datei. Gleichzeitig zeigt sich den Telemetriedaten eine Verbindung zu einem Command-and-Control-Server. An dieser Stelle setzt eine XDR-Lösung an: Sie führt Einzelmeldungen zusammen und korreliert diese. Im Fall des Beispiels zeigt sich, dass die einzelnen Ereignisse Teile einer zusammenhängenden Angriffskette sind. Hierdurch stehen priorisierte Sicherheitsvorfälle mit einem nachvollziehbaren zeitlichen und technischen Zusammenhang. Für IT-Teams entsteht dadurch ein deutlich vollständigeres Lagebild. Statt Hunderte voneinander unabhängige Warnmeldungen analysieren zu müssen, konzentrieren sie sich auf wenige priorisierte Incidents. Gleichzeitig wird nachvollziehbar, welche Systeme betroffen sind, wie sich ein Angriff entwickelt hat und welche Maßnahmen als Nächstes erforderlich sind.

Automatisierung reduziert den Aufwand im Security-Betrieb

Neben der zentralen Datenkorrelation zählt die Automatisierung zu den größten Stärken moderner XDR-Plattformen. Viele Routineaufgaben lassen sich heute automatisiert durchführen. Dazu gehören beispielsweise die Priorisierung von Ereignissen oder erste Reaktionsmaßnahmen wie das Isolieren kompromittierter Endgeräte. Dadurch verkürzen sich die sogenannte Mean Time to Detect (MTTD) ebenso wie die Mean Time to Respond (MTTR). Gleichzeitig werden erfahrene Security-Experten von zeitaufwendigen Standardaufgaben entlastet und können sich auf komplexe Sicherheitsvorfälle konzentrieren.

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Diese Effizienz gewinnt zusätzlich an Bedeutung, weil der Fachkräftemangel im Bereich IT-Sicherheit unverändert anhält. Viele Unternehmen verfügen nicht über ausreichend Personal, um die stetig wachsende Anzahl an Sicherheitsmeldungen rund um die Uhr auszuwerten. XDR hilft dabei, vorhandene Ressourcen gezielter einzusetzen und Sicherheitsprozesse insgesamt effizienter zu gestalten.

Regulatorische Anforderungen machen Detection und Response zur Pflicht

Neben der technischen Entwicklung erhöhen auch regulatorische Vorgaben den Handlungs­druck. Mit der europäischen NIS-2-Richtlinie müssen deutlich mehr Unternehmen ihre Cyberresilienz nachweisen und Sicherheitsvorfälle strukturiert erkennen, bewerten und dokumentieren. Hinzu kommen Meldepflichten sowie strengere Anforderungen an das Risikomanagement und die organisatorische Cyberabwehr. Damit rückt die Fähigkeit, Angriffe frühzeitig zu identifizieren und kontrolliert darauf zu reagieren, stärker in den Fokus als reine Präventionsmaßnahmen. Unternehmen benötigen Transparenz über ihre gesamte IT-Landschaft, nachvollziehbare Incident-Response-Prozesse und eine lückenlose Dokumentation sicherheitsrelevanter Ereignisse. XDR kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Die zentrale Auswertung sicherheitsrelevanter Daten erleichtert die Untersuchung von Vorfällen, unterstützt strukturierte Reaktionsprozesse und liefert gleichzeitig die erforderlichen Informationen für Audits oder behördliche Nachweise. Zwar ersetzt Extended Detection and Response keine Compliance-Strategie, schafft jedoch wichtige technische Voraussetzungen, um regulatorische Anforderungen effizient umzusetzen.

XDR wird zum entscheidenden Faktor moderner Cyberresilienz

Die Einführung einer XDR-Plattform ist mehr als die Anschaffung einer weiteren Sicher­heits­lösung. Unternehmen reagieren auf eine grundlegende Veränderung der Bedrohungslage. Während Angriffe immer schneller, automatisierter und komplexer werden, bleiben Budgets und personelle Ressourcen begrenzt.

Indem Sicherheitsinformationen zentral zusammengeführt, automatisch korreliert und priorisiert werden, sinkt die operative Komplexität erheblich. Security-Teams gewinnen einen besseren Überblick über schädliche Aktivitäten und reagieren schneller auf sicherheitskritische Ereignisse. Damit sind sie deutlich effizienter und agieren wirtschaftlicher. Extended Detection and Response wird so zunehmend zu einem strategischen Erfolgsfaktor für eine zukunftsfähige IT-Sicherheitsarchitektur.

Augen auf bei Auswahl der passenden XDR-Lösung

Generell sollten Unternehmen in der Lage sein, ihr XDR professionell zu managen. Das bedeutet: Mindestens acht erfahrene und qualifizierte Mitarbeitende sind im 24/7-Schicht­betrieb aktiv – auch an den Wochenenden und an Feiertagen. Nur so gelingt eine korrekte Bewertung von Ereignissen und im Ernstfall eine angemessene Reaktion. In der Praxis gibt es Fälle, in denen sich zeigt, dass ein IT-Team eines Unternehmens bei der Betreuung von XDR personell und fachlich an seine Grenzen kommt. Daher macht es Sinn, eine Lösung zu wählen, die sich im Bedarfsfall durch den Hersteller direkt oder einen Dienstleister managen lässt – ohne, dass eine Neuinstallation nötig ist. Durch diese Upgrade-Möglichkeit haben IT-Verantwortliche Investitionssicherheit. Bei einigen XDR-Lösungen besteht zudem die Möglichkeit, den Support des XDR-Anbieters in Anspruch zu nehmen.

Neben technischen Aspekten ist auch digitale Souveränität wichtig. Dazu gehören transparente Datenflüsse und die Frage, in welchem Rechtsraum sicherheitsrelevante Informationen verarbeitet werden.

Über die Autorin: Kathrin Beckert-Plewka ist Public Relations Managerin bei G DATA CyberDefense.

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