Mit der AWS European Sovereign Cloud bietet Amazon Web Services eine unabhängige Cloud für Europa an. Kunden aus stark regulierten Industrien oder dem öffentlichen Sektor soll damit eine datenschutzkonforme Nutzung von Cloud-Diensten ermöglicht werden.
Den Kunden der AWS European Sovereign Cloud soll es möglich sein, alle von ihnen erstellten Metadaten in der EU zu belassen.
(Bild: NicoElNino - stock.adobe.com)
Amazon Web Services (AWS) hat den Start der AWS European Sovereign Cloud angekündigt. Die unabhängige Cloud für Europa soll Kunden aus dem öffentlichen Sektor oder im KRITIS-Bereich helfen, gesetzliche Anforderungen an den Ort der Datenverarbeitung und an den Betrieb der Cloud zu erfüllen. So sollen sich die Rechenzentren der souveränen AWS-Cloud in der EU befinden und auch aus Europa betrieben werden. Physisch und logisch wird die AWS European Sovereign Cloud von anderen bestehenden AWS-Regionen getrennt sein, aber die gleiche Sicherheit, Verfügbarkeit und Leistung wie diese bieten.
AWS betont, dass die Kontrolle über den Betrieb und den Support der AWS European Sovereign Cloud ausschließlich von AWS-Personal ausgeübt, das in der EU ansässig ist und sich in der EU aufhält. Dabei soll die erste Europa-Cloud in Deutschland an den Start gehen und allen Kunden in Europa zur Verfügung stehen.
Max Peterson, Vice President, Sovereign Cloud bei AWS, erklärt: „Seit mehr als einem Jahrzehnt arbeiten wir mit Regierungen und Aufsichtsbehörden in ganz Europa zusammen, um die sich wandelnden Anforderungen an Cybersicherheit, Datenschutz, den Ort der Datenverarbeitung – und jetzt auch an digitale Souveränität – zu verstehen und zu erfüllen.“
Hoher Datenschutz
BSI-Präsidentin Claudia Plattner ist überzeugt, dass „der Aufbau einer europäischen AWS-Cloud es für viele Behörden und Unternehmen mit hohen Anforderungen an die Datensicherheit und den Datenschutz deutlich leichter machen, die AWS-Services zu nutzen“. Plattner führt weiter aus, das BSI habe mit dem Kriterienkatalog C5 die Cybersicherheit im Cloud Computing maßgeblich beeinflusst und AWS habe als erster Cloud-Service-Provider das C5-Testat des BSI erhalten.
AWS betont die europäische Cloud sei „sovereign-by-design” und basiere auf langjähriger Erfahrung beim Betrieb mehrerer unabhängiger Clouds für besonders kritische und vertrauliche Workloads. Für besonders strikte Anforderungen an die Trennung von Daten und den Ort der Datenverarbeitung innerhalb eines Landes bieten bestehende Angebote wie AWS Outposts oder AWS Dedicated Local Zones zusätzliche Optionen. Damit können Kunden die AWS European Sovereign Cloud Infrastruktur um selbstgewählte Standorte erweitern.
AWS Outposts umfasst eine Reihe von vollständig verwalteten Lösungen, mit denen sich die Infrastruktur und die Services von AWS an praktisch jedem On-Premises- oder Edge-Standort bereitstellen lassen und die damit eine konsistente Hybrid-Cloud-Erfahrung bieten. Sie sind für Workloads konzipiert, die aufgrund von Latenz und Anforderungen an den Ort der Datenverarbeitung On-Premises bleiben müssen. AWS Outposts ermöglicht es Kunden, diese Workloads nahtlos mit ihren anderen Workloads in AWS auszuführen.
Die AWS Dedicated Local Zones sind für die ausschließliche Nutzung durch ein Unternehmen oder einen Organisationsverbund konzipiert. Die Infrastruktur einer AWS Dedicated Local Zone wird an einem vom Kunden gewählten Standort platziert. AWS Dedicated Local Zones reduzieren für den Kunden den operativen Aufwand für die Verwaltung von großen On-Premises-Infrastrukturen. Diese Infrastruktur lässt sich so konfigurieren, dass sie den Kunden dabei unterstützt, bestimmte regulatorische Anforderungen zu erfüllen.
Kunden der AWS European Sovereign Cloud haben darüber hinaus Zugang zu sämtlichen Cloud-Services von AWS. Auch die AWS European Sovereign Cloud wird Kunden mehrere Verfügbarkeitszonen bereitstellen – eine Infrastruktur, die sich an verschiedenen, voneinander getrennten geografischen Standorten befindet. Diese räumliche Trennung verringert das Risiko, dass ein Zwischenfall an einem Standort den Geschäftsbetrieb des Kunden beeinträchtigt. Die Standorte sind dennoch so gewählt, dass niedrige Latenzzeiten für hochverfügbare Anwendungen gewährleistet werden können. Jede Verfügbarkeitszone besitzt laut AWS eine autarke Stromversorgung und Kühlung und ist über redundante Netzwerke mit extrem niedriger Latenz verbunden.
Stefan Schnorr, Staatssekretär im deutschen Bundesministerium für Digitales und Verkehr, betonte die Relevanz der AWS European Sovereign Cloud: „Die deutsche und europäische Wirtschaft befindet sich auf Digitalisierungskurs. Insbesondere der starke deutsche Mittelstand braucht eine souveräne Digitalinfrastruktur, die höchsten Anforderungen genügt, um auch weiterhin wettbewerbsfähig im globalen Markt zu sein. Für unsere digitale Unabhängigkeit ist wichtig, dass Rechenleistungen vor Ort in Deutschland entstehen und in unseren Digitalstandort investiert wird. Wir begrüßen daher die Ankündigung von AWS, die Cloud für Europa in Deutschland anzusiedeln.“
Für Kunden wird die AWS European Sovereign Cloud neue Möglichkeiten im Cloud-Einsatz eröffnen. So sagte Dr. Markus Richter, Staatssekretär im deutschen Bundesministerium des Innern und für Heimat sowie Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik (CIO des Bundes): „Wir begrüßen das Engagement von AWS, seine Infrastruktur mit einer unabhängigen europäischen Cloud auszubauen. So erhalten Unternehmen und Organisationen der öffentlichen Hand mehr Auswahlmöglichkeiten bei der Erfüllung der Anforderungen an digitale Souveränität.“
Andrea Fiumicelli, Chairman bei Dedalus, dem führenden Gesundheitssoftwareunternehmen sieht in der Europa-Cloud einen Paradigmenwechsel und beteuert: „Heute stehen wir an der Schwelle zu einer transformativen Ära. Die Einführung der AWS European Sovereign Cloud stellt nicht nur eine infrastrukturelle Erweiterung dar, sondern ist ein Paradigmenwechsel. Dieses hochentwickelte Framework wird Dedalus in die Lage versetzen, Dienste für die sichere und effiziente Speicherung von Patientendaten in der AWS-Cloud anzubieten.“
Stand: 08.12.2025
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Auch T-Systems begrüßt die Ankündigung der AWS European Sovereign Cloud. Greg Hyttenrauch, Senior Vice President, Global Cloud Services bei T-Systems glaubt, „diese AWS-Lösung wird Unternehmen eine noch größere Auswahl bieten, wenn sie kritische Workloads in die AWS-Cloud verlagern, und zusätzliche Optionen zur Erfüllung der sich entwickelnden Anforderungen an die digitale Governance in der EU.“
Dass die AWS European Sovereign Cloud ein wichtiges, zusätzliches Cloud-Angebot für hochregulierte Branchen und Organisationen der öffentlichen Hand sei, ist auch Martin Wibbe, CEO beim IT-Dienstleister Materna überzeugt. „Als AWS Advanced Tier Services Partner, AWS Solution Provider und AWS Public Sector Partner beraten und unterstützen wir kritische Infrastrukturen (KRITIS) bei der erfolgreichen Implementierung. Das neue Angebot von AWS ist ein wichtiger Impuls für Innovationen und Digitalisierung in Deutschland.“