Unpraktische Blockchain verlagert Vertrauen

Bruce Schneier kontert Satoshi Nakamoto

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Peter Schmitz

Mit Schneier luden die die Organisatoren des Hyperledger Global Forum einen skeptischen Geist auf die Keynote-Bühne.
Mit Schneier luden die die Organisatoren des Hyperledger Global Forum einen skeptischen Geist auf die Keynote-Bühne. (Bild: Srocke)

Wer auf Kryptowährungen vertraut, straft den Bitcoin-Erfinder damit sogleich Lügen – erklärt Sicherheitsexperte Bruce Schneier in seiner Keynote zum Hyperledger Global Forum 2018. Schneier verwies eine oft kolportierte Aussage zur Blockchain ins Reich der Mythen und hinterfragte den Mehrwert von Kryptowährungen.

Gleich zu Beginn seiner Keynote auf dem Hyperledger Global Forum 2018 widersprach Bruce Schneier am 13. Dezember in Basel jener Schlussfolgerung, die Satoshi Nakamoto am Ende seines folgenreichen Bitcoin-Papers gemacht hat: „We have proposed a system for electronic transactions without relying on trust.“ Richtig sei vielmehr, dass die Blockchain hinter der Kryptowährung das Vertrauen nicht ersetze, sondern lediglich verschiebe. Dieser Umstand lässt sich übrigens auch auf andere öffentliche, verteilte Ledger übertragen.

Um seinen Punkt zu verdeutlichen setzte Schneier zu einer geradezu philosophischen Diskussion über das Vertrauen im Allgemeinen und bei Finanzdienstleistungen im Speziellen an. Beispiel Geldautomat: Wer an einem solchen Bargeld abhebt, vertraue konkret darauf, dass sein Konto mit einem entsprechenden Betrag belastet wird – und nicht mehr Guthaben virtuell abgebucht als real ausgezahlt wird. Im weiteren Sinne verlässt sich der Kunde damit auf Banken als Mittelsmänner und ein funktionierendes Transaktionssystem.

Menschlicher Faktor bei der Blockchain

Nutzer einer Blockchain müssten zwar zunächst nicht auf direkte Mittelsmänner vertrauen, aber dennoch zuversichtlich sein, dass Kryptographie, Software und Netzwerk fehlerfrei funktionieren. Und selbst dann sei der menschliche Faktor noch immer nicht außen vor, sondern Teil von Governance-Prozessen. Zum Beleg verwies Schneier etwa auf den per Fork korrigierten gemachten Angriff auf die Decentralized Autonomous Organization The DAO auf der Ethereum-Blockchain oder die technologische Diskussionen und folgende Abspaltungen beim Bitcoin. Im Vorjahr hatte die Diskussion um die Blockgröße etwa zum Fork von Bitcoin Cash geführt; dessen Befürworter haben sich kürzlich zerstritten und zwei konkurrierende Varianten von Bitcoin Cash (ABC und Satoshi's Vision) etabliert.

Wer Wallets oder Kryptobörsen nutze, vertraue damit auch wieder auf Mittelsmänner im klassischen Sinne. Ohne Bitmain explizit zu nennen brachte Schneier zudem als weiteren Kritikpunkt vor, dass es weltweit lediglich einen bedeutenden Anbieter von Mining-Hardware gebe.

Als wenig vertrauenserweckend beschrieb Schneier zudem die komplizierte Handhabung von Kryptowährungen und spitzte zu: Wer seine private Schlüssel verliert, verliert damit womöglich die kompletten Ersparnisse seines Lebens. Zudem seien die digitalen Coins wenig wertstabil und hohen Schwankungen unterworfen.

Kryptos müssen mehr Probleme lösen als verursachen

Vor diesem Hintergrund hinterfragte der Sicherheitsexperte schließlich den Mehrwert von Kryptowährungen und brachte die vermeintlichen Nachteile klassischer Banken als Features ins Spiel. Missglückte Transaktionen lassen sich rückgängig machen, eine Regulierung könne Verbraucher zudem schützen.

Trotz seiner Argumente verdammte Schneier die Blockchain dennoch nicht als komplett nutzlos. Allerdings solle man sich klarmachen, dass auch eine Blockchain nicht ohne Vertrauen auskomme. Dem entsprechend riet der Sicherheitsexperte zu hinterfragen, ob der Einsatz einer Blockchain deren möglichen Probleme rechtfertigt und ob sich Anwendungen nicht auch auf anderem Wege umsetzen ließen.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45657638 / Blockchain, Schlüssel und Zertifikate)