Leitlinie für Post-Quanten-Kryptografie BSI setzt Zeitmarken für den Umstieg auf quantensichere Verfahren

Quelle: Pressemitteilung 2 min Lesedauer

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Bis Ende 2026 sollen Organisationen ihre Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie vorbereitet haben. Für Hochrisiko-Anwendungen nennt die neue BSI-Leitlinie Ende 2030 als Ziel. Bitkom fordert Unternehmen auf, ihre kryptografischen Systeme jetzt zu erfassen.

 Welche Systeme zuerst auf quantensichere Verfahren umgestellt werden sollten, hängt unter anderem davon ab, wie lange die verarbeiteten Daten vertraulich bleiben müssen.(Bild:  KI-generiert)
Welche Systeme zuerst auf quantensichere Verfahren umgestellt werden sollten, hängt unter anderem davon ab, wie lange die verarbeiteten Daten vertraulich bleiben müssen.
(Bild: KI-generiert)

Für die Migration zu Post-Quanten-Kryptografie liegt ein nationaler Handlungsrahmen vor. Das Bundesdigitalministerium, das Bundesinnenministerium und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik haben eine gemeinsame Leitlinie zur Umsetzung der europäischen Roadmap veröffentlicht. Sie empfiehlt einen risikobasierten Übergang: Organisationen sollen ihre kryptografischen Verfahren erfassen, besonders gefährdete Anwendungen priorisieren und die Umstellung schrittweise umsetzen.

Hintergrund ist das Risiko, dass leistungsfähige Quantencomputer künftig verbreitete Public-Key-Verfahren wie RSA und elliptische Kurven angreifen könnten. Post-Quanten-Kryptografie soll diesen Angriffen standhalten und lässt sich auf klassischen Computersystemen einsetzen.

Vorbereitung bis Ende 2026, Hochrisiko-Anwendungen bis 2030

Die Leitlinie „Nationale Umsetzung der EU-Roadmap zur Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie“ nennt drei wesentliche Zeitmarken:

  • Bis Ende 2026 sollte die initiale Vorbereitungs- und Planungsphase abgeschlossen sein. Dazu gehört ein erstes Inventar der eingesetzten kryptografischen Verfahren. Erste Schritte der Migration sollten bereits begonnen haben.
  • So früh wie möglich, spätestens bis Ende 2030, sollten Anwendungen mit hohem Risiko auf quantensichere Kryptografie umgestellt sein.
  • Bis Ende 2035 sollten Anwendungen mit mittlerem Risiko umgestellt sein. Bei Anwendungen mit niedrigem Risiko soll die Migration bis dahin so weit wie praktikabel erfolgen.

Diese Zeitmarken sind Empfehlungen der Leitlinie und keine pauschalen gesetzlichen Umstellungsfristen für sämtliche Unternehmen.

Kryptografie erfassen und nach Risiko priorisieren

Ausgangspunkt ist ein Krypto-Inventar. Denn Organisationen müssen wissen, wo sie welche kryptografischen Verfahren einsetzen. Dieses Verzeichnis sollte regelmäßig aktualisiert werden und bildet die Grundlage für die weitere Planung.

Bei der Priorisierung spielt insbesondere die erforderliche Schutzdauer der Daten eine Rolle. Angreifer könnten bereits heute verschlüsselte Informationen sammeln, um sie später mit einem ausreichend leistungsfähigen Quantencomputer zu entschlüsseln. Dieses als „Store now, decrypt later“ bezeichnete Szenario betrifft vor allem Informationen, die über viele Jahre vertraulich bleiben müssen.

Für den Übergang empfiehlt das BSI hybride Verfahren. Sie kombinieren klassische und Post-Quanten-Verfahren. Zugleich sollten Systeme so gestaltet werden, dass sich kryptografische Verfahren bei Bedarf austauschen lassen. Diese Kryptoagilität erleichtert auch spätere Anpassungen an neue Sicherheitsanforderungen.

Bitkom fordert konkrete Zuständigkeiten und Zeitpläne

Der Digitalverband Bitkom begrüßt die Leitlinie, fordert aber eine konkrete Umsetzung. „Die Umstellung auf quantensichere Verfahren dauert Jahre und muss heute beginnen“, erklärt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst in einer Stellungnahme.

Als nächste Schritte nennt er klare Zuständigkeiten, Prioritäten und Zeitpläne für Staat und Wirtschaft. Unternehmen sollten ihre kryptografischen Systeme erfassen, besonders schützenswerte Daten priorisieren und ihre IT auf den Austausch von Verschlüsselungsverfahren vorbereiten. Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigen Zahlen aus der Bitkom-Studie „Quantencomputing in der deutschen Wirtschaft 2026“: 43 Prozent der Unternehmen ab 100 Beschäftigten sehen in Quantencomputing ein großes Risiko für ihre eigene IT-Sicherheit.

77 Prozent haben sich bereits mit Quantencomputing beschäftigt, planen dies oder können es sich zumindest vorstellen. Innerhalb dieser Gruppe haben 34 Prozent noch keine konkreten Maßnahmen gegen die Sicherheitsrisiken ergriffen oder geplant. Eine Umstellung auf quantensichere Verschlüsselung haben 29 Prozent umgesetzt oder geplant, eine Analyse ihrer kryptografischen Systeme 22 Prozent.

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