Microsoft, Red Hat, Linux und Ajax.NET Fünf alte Sicherheitslücken werden aktiv ausgenutzt

Von Melanie Staudacher 3 min Lesedauer

Die CISA hat fünf seit Jahren bekannte Schwachstellen neu in ihren KEV-Katalog aufgenommen. Sie betreffen Red Hat, Microsoft SQL Server, Ajax.NET sowie den Linux Kernel. Die Ausnutzungs­wahrscheinlichkeit in den nächsten 30 Tagen ist zum Teil sehr hoch.

In Red Hat Libuser, Red Hat Automatic Bug Reporting Tool, Microsoft SQL Server, Ajax.NET Professional und dem Linux Kernel finden sich Sicherheitslücken, die seit Kurzem aktiv ausgenutzt werden.(Bild:  © Egor - stock.adobe.com)
In Red Hat Libuser, Red Hat Automatic Bug Reporting Tool, Microsoft SQL Server, Ajax.NET Professional und dem Linux Kernel finden sich Sicherheitslücken, die seit Kurzem aktiv ausgenutzt werden.
(Bild: © Egor - stock.adobe.com)

Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA hat am 26. August 2026 sechs neue Einträge in ihren Katalog bekannter aktiv ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen. Fünf davon sind bereits seit 2015, 2019, 2021 beziehungsweise 2022 bekannt. Die Aufnahme in den Known Exploited Vulnerabilities Catalog (KEV) erfolgt laut CISA auf Basis von Belegen für eine aktive Ausnutzung. Neben den fünf älteren Sicherheitslücken ergänzte die Behörde auch eine aktuelle Citrix-Schwachstelle.

Die nachträgliche KEV-Aufnahme zeigt, dass alte Schwachstellen nicht automatisch an Relevanz verlieren. Unternehmen sollten insbesondere prüfen, ob noch nicht aktualisierte Altsoftware, ausgediente Server oder veraltete Linux-Systeme betrieben werden. Bei allen fünf Sicherheitslücken handelt es sich nicht um Zero Days: Die Hersteller hatten die Fehler bereits vor Jahren veröffentlicht und Updates bereitgestellt. Informationen dazu, wer die aktuellen Angriffe durchführt oder wann sie begannen, nennt die CISA nicht.

Race Condition in Red Hat Libuser

Die Schwachstelle EUVD-2015-3301 / CVE-2015-3246 (CVSS-Score 5.1, EPSS-Score* 8.80) aus dem Jahr 2015 betrifft die Bibliothek Red Hat Libuser, die unter anderem Benutzerkonten verwaltet. Ein sogenannter Race-Condition-Fehler kann dazu führen, dass die Datei „/etc/passwd“ in einen inkonsistenten Zustand gerät. Dadurch kann ein lokaler Angreifer einen Denial of Service auslösen. Red Hat beschreibt zudem eine mögliche Rechteausweitung in Kombination mit EUVD-2015-3300 / CVE-2015-3245 (CVSS-Score 2.1, EPSS-Score 5.27). Betroffen sind Libuser-Versionen vor 0.56.13-8 sowie Version 0.60 vor 0.60-7.

Rechteausweitung durch den Red Hat Fehlerreporter

EUVD-2015-5264 / CVE-2015-5287 (CVSS-Score 7.8, EPSS-Score 4.96) ist eine lokale Rechteausweitung in Red Hats Automatic Bug Reporting Tool (ABRT), ebenfalls von 2015. Die Komponente abrt-hook-ccpp geht unsicher mit symbolischen Links und vorhersehbaren Dateinamen um. Ein lokaler Nutzer mit den erforderlichen Berechtigungen kann dadurch höhere Rechte erlangen. Betroffen sind ABRT-Versionen vor 2.7.1.

Codeausführung in Microsoft SQL Server

Die Schwachstelle EUVD-2019-9650 / CVE-2019-1068 (CVSS-Score 8.8, EPSS-Score 52.85) ermöglicht Remote Code Execution in Microsoft SQL Server und stammt aus dem Jahr 2019. Ursache ist eine fehlerhafte Verarbeitung interner Funktionen. Laut CVSS-Bewertung benötigt ein Angreifer Netzwerkzugriff sowie geringe Berechtigungen auf dem System, Nutzerinteraktion ist nicht erforderlich. Unternehmen sollten insbesondere alte, nicht mehr gepflegte SQL-Server-Installationen auf verfügbare Sicherheitsupdates überprüfen. Mehrere Versionen sind von der Schwachstelle betroffen.

Unsichere Deserialisierung in Ajax.NET Professional

EUVD-2021-2466 / CVE-2021-23758 (CVSS-Score8.1, EPSS-Score 83.63) betrifft Ajax.NET Professional beziehungsweise AjaxPro, eine .NET-Bibliothek für Webanwendungen. Durch die Verarbeitung nicht vertrauenswürdiger serialisierter Daten kann ein Angreifer beliebige .NET-Klassen verwenden und dadurch Code ausführen. Alle Versionen des Pakets „ajaxpro.2“ sind von der Sichehreitslücke betroffen. Unternehmen sollten Anwendungen auf den Einsatz von AjaxPro prüfen und die Komponente aktualisieren oder ersetzen.

Out-of-Bounds Write im Linux Kernel

EUVD-2022-15988 / CVE-2022-0995 (CVSS-Score 7.8, EPSS-Score 9.52) von 2022 ist ein Out-of-Bounds-Write im „watch_queue“-Subsystem des Linux Kernels. Ein lokaler Nutzer mit geringen Berechtigungen kann Speicher außerhalb der vorgesehenen Grenzen beschreiben. Dies kann einen Denial of Service auslösen oder eine Rechteausweitung ermöglichen. Betroffen ist die Kernel-Version 5.17 rc8.

Altbestände priorisiert aktualisieren

Die KEV-Aufnahme bedeutet, dass für alle fünf Schwachstellen eine aktive Ausnutzung belegt ist. Organisationen sollten daher ihre Systeme nach den genannten Produkten, Bibliotheken und Komponenten durchsuchen, vorhandene Patches installieren und nicht mehr unterstützte Software ablösen. Besonders dringlich sind nicht aktualisierte AjaxPro-Installationen und Microsoft-SQL-Server wegen ihrer hohen EPSS-Werte sowie Systeme, auf denen lokale Benutzerkonten arbeiten können.

* Hinweis zum EPSS-Score: Das Exploit Prediction Scoring System zeigt die Wahrscheinlichkeit in Prozent an, mit der eine Schwachstelle innerhalb der nächsten 30 Tage ausgenutzt wird. Der ent­sprechende Score kann sich im Laufe der Zeit verändern. Sofern nicht anders angegeben, beziehen wir uns auf den Stand des EPSS-Scores zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels.

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