Angriffe auf vernetzte Kühltechnik Edeka-Markt in Bayern von ma­ni­pu­lier­ten Kühlanlagen betroffen

Von Marvin Djondo-Pacham mit Material der dpa. 2 min Lesedauer

Die Angriffe auf Supermarkt-Kühlanlagen haben auch Deutschland erreicht. Nach den Vorfällen in Frankreich meldet ein Edeka-Markt im nie­der­bay­e­rischen Reisbach einen Vorfall, bei dem die Kühlung auf Heizen umgestellt wurde.

Nach Frankreich und weiteren europäischen Ländern wurde auch aus Bayern ein Angriff auf die Kühltechnik eines Supermarkts bekannt.(Bild:  Envato Elements)
Nach Frankreich und weiteren europäischen Ländern wurde auch aus Bayern ein Angriff auf die Kühltechnik eines Supermarkts bekannt.
(Bild: Envato Elements)

Ein Edeka-Markt in Reisbach in Niederbayern ist von einem Cyberangriff auf seine Kühlanlagen betroffen. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, bestätigte der Markt den Vorfall. Demnach wurden die Anlagen auf „50 Grad Heizen“ umgestellt. Zahlreiche Lebensmittel mussten daraufhin entsorgt werden.

Supermärkte in sieben weiteren EU-Ländern betroffen

Bereits am 12. Oktober hatten ähnliche Angriffe Supermärkte in Frankreich getroffen. Der Fall in Bayern folgt auf Meldungen gleichartiger Manipulationen aus sieben weiteren EU-Ländern. Wie mehrere Medien berichten, wurden Vorfälle in folgenden Staaten bekannt:

  • Belgien,
  • Schweden,
  • Irland,
  • Luxemburg,
  • Estland,
  • Finnland
  • Niederlanden.

Nach Angaben des belgischen Kühltechnik-Dienstleisters Sabcobel wurden Anlagen aus der Ferne in den Abtaumodus versetzt. Dadurch stiegen die Temperaturen. Die belgische Staatsanwaltschaft ermittelt.

Mehrere Handelsketten in Belgien betroffen

In Belgien meldete Delhaize einen „IT-Vorfall“ in rund 40 Filialen. Bei Carrefour waren 15 Filialen betroffen, bei Spar fünf Geschäfte. Auch eine Ikea-Filiale in Mons verzeichnete einen Vorfall. Die Auswirkungen seien dort nach Unternehmensangaben begrenzt gewesen. Das bisher bekannte Ausmaß in Belgien ist geringer als bei den vorausgegangenen Vorfällen in Frankreich.

In Schweden bestätigte die Supermarktgruppe ICA einen nächtlichen Vorfall, der die Kühl- und Gefriersysteme einer begrenzten Zahl von Filialen beeinträchtigt habe. Eine konkrete Anzahl nannte das Unternehmen nicht.

Supermarkt berichtet von Temperaturen bis zu 50 Grad

Der Markt ICA Kvantum im südschwedischen Sjöbo berichtete, die Temperatur in seinen Kühl- und Gefrierschränken sei infolge eines Hackerangriffs, ähnlich wie beim Vorfall in Bayern, auf bis zu 50 Grad gestiegen. Die ICA-Gruppe bestätigte diese konkrete Darstellung jedoch nicht. Auch sieben Supermärkte der Kette Coop meldeten Probleme mit ihren Kühlsystemen.

In Irland waren dem Sender RTÉ zufolge 13 Supermärkte betroffen. Gekühlte und gefrorene Lebensmittel wurden dort vorsorglich aus dem Verkauf genommen. Für die Niederlande nannte der Kühltechnik-Hersteller Danfoss mindestens 17 betroffene kleinere Geschäfte.

Danfoss bestätigt betroffene Produkte

Aus Estland wurde ein Fall bekannt, den sowohl der Supermarkt als auch das zuständige Kühltechnik-Unternehmen bestätigten. Angreifer hatten demnach Zugriff auf den Steuercomputer eines älteren Kühlsystem des dänischen Herstellers Danfoss erlangt. Dessen Software war zuvor nicht aktualisiert worden.

Auch in Finnland meldeten wenige kleinere Geschäfte Störungen ihrer Kühlsysteme. Luxemburg wird ebenfalls als betroffenes Land genannt; konkrete Fallzahlen gehen aus den vorliegenden Berichten nicht hervor. Danfoss bestätigte gegenüber dem dänischen Fernsehen, dass die in mehreren europäischen Ländern gemeldeten Vorfälle auch eigene Produkte betreffen. Das Unternehmen stehe mit Kunden im Austausch und unterstütze die Bewältigung der Vorfälle.

Welche Zugangsmethode oder Schwachstelle bei den einzelnen Angriffen genutzt wurde, ist bislang nicht umfassend öffentlich geklärt. Der bestätigte Fall eines veralteten Systems in Estland lässt sich daher nicht ohne Weiteres auf sämtliche Vorfälle übertragen. Ebenso bleibt offen, ob hinter allen Angriffen dieselben Täter stehen.

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