Cyberangriff in Frankreich Angreifer manipulieren Kühlung in Hunderten Supermärkten

Von Marvin Djondo-Pacham 2 min Lesedauer

Ein Cyberangriff hat die Kühlanlagen mehrerer französischer Handelsketten beeinträchtigt. Hunderte Filialen sind betroffen, Lebensmittel müssen entsorgt werden. Bei einem Großteil der betroffenen Steuerungstechnik habe es sich um ältere Produkte ohne Sicherheitsupdates gehandelt.

Cyberkriminelle manipulierten Kühlanlagen in französischen Supermärkten und erhöhten deren Temperaturen, weswegen Ware entsorgt werden musste.(Bild:  Envato Elements)
Cyberkriminelle manipulierten Kühlanlagen in französischen Supermärkten und erhöhten deren Temperaturen, weswegen Ware entsorgt werden musste.
(Bild: Envato Elements)

Die französischen Handelsketten Intermarché, Coopérative U und E. Leclerc haben einen Cyberangriff auf ihre Kühlanlagen bestätigt. Das berichten The Journal und Le Monde unter Berufung auf die französische Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben von Coopérative-U-Chef Dominique Schelcher waren die Systeme seit der Nacht zum Montag, 12. Oktober 2026, beeinträchtigt.

Die Unternehmen meldeten mindestens 300 betroffene Intermarché- beziehungsweise Netto-Filialen, mehr als 100 Standorte von Coopérative U sowie mehrere E.-Leclerc-Märkte. Berichte über weitere betroffene Handelsketten waren zum Veröffentlichungszeitpunkt noch nicht von den jeweiligen Unternehmen bestätigt.

Fernzugriff löst Abtauvorgänge aus

Nach einem von The Journal aufgegriffenen Bericht des französischen Senders BFM TV lösten Angreifer aus der Ferne erzwungene Abtauvorgänge in Kühlanlagen aus. Dadurch stiegen die Temperaturen, und Bestände an Frisch- und Tiefkühlwaren wurden unbrauchbar.

Intermarché erklärte gegenüber AFP, die betroffenen Filialen müssten sämtliche Frisch- und Tiefkühlprodukte entsorgen. Das Unternehmen berichtete außerdem von finanziellen Ver­lus­ten, nannte jedoch keine Schadenssumme. E. Leclerc bestätigte einen Angriff auf einen seiner Lieferanten für Kühltechnik, der den Betrieb von Kühlanlagen in mehreren Märkten beeinträchtigt habe.

Danfoss nennt ältere Steuerungen als betroffen

Der dänische Hersteller der betroffenen Steuerungstechnik, Danfoss, erklärte gegenüber AFP, dass überwiegend ältere Produkte betroffen seien, die keine Software- oder Sicherheitsupdates mehr erhalten hätten. Das Unternehmen nannte insbesondere die Kühlanlagen-Steu­e­rungs­sys­te­me AK-SM800 und AK-SC355. Bei einer Variante des AK-SM800 sei veraltete Firmware im Einsatz gewesen.

Danfoss habe Supermarktbetreibern bereits seit Längerem empfohlen, die betreffenden Modelle abzulösen. Angaben zur Gesamtzahl der betroffenen Systeme machte der Hersteller nicht. Eine konkrete Schwachstellenkennung oder technische Details zum Angriffsweg werden in den vorliegenden Berichten nicht genannt.

Behörden untersuchen Schäden und mögliche Brände

Die Pariser Staatsanwaltschaft bestätigte Ermittlungen zu dem groß angelegten Cyberangriff. Dabei sollen die Geschädigten identifiziert und Zusammenhänge zwischen dem Angriff und gemeldeten Schäden untersucht werden. Dazu zählen Lebensmittelverluste und gemeldete Brände. Deren Zusammenhang mit dem Angriff ist Gegenstand der Ermittlungen.

Laut einer von AFP zitierten Quelle aus dem Umfeld des französischen Premierministers hat die französische Cybersicherheitsbehörde eine Schwachstelle in der Software eines dänischen Unternehmens identifiziert und den Anbieter kontaktiert. Die Behörde stimme sich außerdem mit europäischen Partnern ab, da auch andere Länder betroffen sein könnten. Weitere fran­zö­si­sche Unternehmen sollen identifiziert und gewarnt werden.

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