Cybercrime & Kryptowährungen – Teil 2 So kämpfen Regulierung, Behörden und Forensik gegen Krypto-Kriminalität

Ein Gastbeitrag von Kurt Kuckelmanns und Lindsay Moder 7 min Lesedauer

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Die schillernde Welt der Kryptowährungen lockt mit großen Gewinnspannen, hat aber auch ihre Schattenseiten. Lücken in der Regulierung locken Kriminelle auf den Plan. Betrugs-, Geldwäsche- und Diebstahlrisiken sind immanent. Welche Herausforderungen sich bei der Verfolgung solcher Straftaten ergeben und Präventionsmaßnahmen und Strategien zur Bekämpfung bestehen, darum geht es in diesem Beitrag.

Krypto-Regulierung, forensische Tools und behördliche Strategien im Fokus: So können Unternehmen, Ermittler und Aufsichtsbehörden präventiv gegen Geldwäsche, Betrug und Cybercrime im Krypto-Umfeld vorgehen – und warum KI-gestützte Forensik dabei unerlässlich ist.(Bild: ©  Blue Planet Studio - stock.adobe.com)
Krypto-Regulierung, forensische Tools und behördliche Strategien im Fokus: So können Unternehmen, Ermittler und Aufsichtsbehörden präventiv gegen Geldwäsche, Betrug und Cybercrime im Krypto-Umfeld vorgehen – und warum KI-gestützte Forensik dabei unerlässlich ist.
(Bild: © Blue Planet Studio - stock.adobe.com)

Der vorangegangene Beitrag befasste sich mit dem Boom von Kryptowährungen sowie dessen Licht und Schatten, insbesondere der Betrugsanfälligkeit, z.B. dem berüchtigten Bybit-Hack im Februar 2025. In diesem Beitrag geht es um Präventivmaßnahmen, um Vorschriften, um die Strategien der Behörden und letztlich das, was Marktteilnehmer tun können, um auch im Fall einer recht neuen Asset-Klasse auf der sicheren Seiten zu stehen.

Klar ist, dass Krypto-Assets gewaltige Gewinnspannen innewohnen. Ebenso klar ist, dass längst nicht alle Regulierungsfragen geklärt sind. Dies lässt Raum für Kriminalität und bringt auch eine Reihe von Fragen mit sich. Welche Regulatorik gibt es im Bereich der Kryptowährungen? Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Verfolgung solcher Straftaten? Welche Maßnahmen können Unternehmen, Behörden und Forensiker ergreifen, um sich zu schützen?

Präventionsmaßnahmen

Aus Sicht der Vermeidung von Risiken vor wirtschaftskriminellen Handlungen sind drei wesentliche Themenkomplexe zu behandeln. Das sind zum einen die regulatorischen Vorschriften, zum anderen das Eingreifen von Behörden (z.B. der BaFin oder Staatsanwaltschaften und die Polizei) und Wirtschaftsforensiker, sowie die Möglichkeiten der Unternehmen selbst, nicht Opfer von Geldwäscheaktivitäten zu werden bzw. Kunden besser vor Wirtschaftskriminalität zu schützen.

Vorschriften für Kryptowährungen einzelner Länder

Einzelne Länder haben unterschiedliche Ansätze zur Regulierung von Kryptowährungen unternommen. So führt die Europäische Union die umfassende Verordnung über Märkte für Krypto-Assets (MiCA) ein, um die Regeln in allen Mitgliedsstaaten zu standardisieren. Über die MiCa kann man sich als sog. Krypto-Asset-Dienstleister (CASP) zertifizieren lassen, was zu einer erhöhten Sicherheit beitragen soll. Außerdem existieren zahlreiche EU-weite Richtlinien und Verordnungen, zum Beispiel zu den Themen Geldwäsche, Datenschutz und Anti-Korruption.

Die Vereinigten Staaten haben ein komplexes regulatorisches Umfeld mit mehreren Agenturen, einschließlich der neu ins Leben gerufenen Crypto Task Force der Securities and Exchange Commission (SEC) und unterschiedlichen einzelstaatlichen Gesetzen.

Japan und Südkorea erkennen Kryptowährungen als rechtliches Eigentum an und setzen strenge Geldwäsche- und KYC-Vorschriften durch. Ähnliches gilt auch für Singapur und die Schweiz. China und Indien nehmen grundsätzlich eine restriktivere Haltung ein, wobei China alle Krypto­währungs­transaktionen verbietet und Indien mit der Unsicherheit zu kämpfen hat, wie es mit der Regulierung von Kryptowährungen weitergehen soll.

Behörden

Behörden setzen verschiedene Strategien und Instrumente zur Bekämpfung illegaler Aktivitäten im Zusammenhang mit Kryptowährungen ein. Zu den wichtigsten Ansätzen gehören Strafverfolgungs- und Regulierungsmaßnahmen, wie die Agentur der Europäischen Union für justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (Eurojust), die die Koordinierung und Zusammenarbeit zwischen nationalen Justizbehörden zur Bekämpfung schwerer grenzüberschreitender Kriminalität erleichtert, sowie das National Cryptocurrency Enforcement Team und die Market Integrity and Major Frauds Unit des US-Justizministeriums, die Blockchain-Datenanalysen und herkömmliche Techniken zur Verfolgung von Krypto­währungs­verbrechen einsetzen. Solche Blockchain-Forensik-Tools verfolgen Transaktionen und verknüpfen sie mit realen Identitäten. Die internationale Zusammenarbeit durch gemeinsame Operationen, wie die des FBI und von Europol, hilft bei der Verfolgung und Festnahme von Kriminellen.

In vielen der „westlichen“ Länder verpflichten die rechtlichen Rahmenbedingungen, einschließlich der Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche, der Identifizierung wirtschaftlich Berechtigter und weiterer KYC-Prozesse die Börsen, die Identität ihrer Kunden zu überprüfen und verdächtige Aktivitäten zu melden. Zudem klären öffentliche Sensibilisierungs­kampagnen die Menschen über die Risiken von Kryptowährungen auf und zeigen ihnen, wie sie Betrügereien vermeiden können. All diese Maßnahmen helfen den Behörden, den Missbrauch von Kryptowährungen zu bekämpfen und das Finanzsystem zu schützen, so denn entsprechende Regularien und Behörden existieren und über entsprechende Durchsetzungskraft und -kapazitäten verfügen.

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Unternehmen

Um ihre Fähigkeit zu verbessern, illegale Krypto­währungs­aktivitäten zu erkennen und zu verhindern, können Kryptobörsen, Wallet-Anbieter und sonstige Krypto-Dienstleister verschiedene interne Maßnahmen ergreifen und eine sichere Handelsplattform einrichten. Zu den wichtigsten Schritten gehören:

  • Robuste KYC- und AML-Verfahren, einschließlich der Überprüfung von Nutzeridentitäten und der Entwicklung umfassender AML-Richtlinien
  • Regelmäßige Risikobewertungen und die Erstellung von Kundenrisikoprofilen helfen, neue Bedrohungen zu erkennen.
  • Mitarbeiterschulungen und Sensibilisierungs­programme stellen sicher, dass die Mitarbeiter über die AML- und KYC-Vorschriften sowie weitere Risiken und die Unternehmensrichtlinien und -verfahren auf dem Laufenden sind.
  • Fortschrittliche Sicherheitsmaßnahmen wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung, regelmäßige Sicherheitsprüfungen und Cold Storage - die Speicherung von Geldern in Offline-Geldbörsen - schützen vor Hackerangriffen.
  • Die Zusammenarbeit mit Branchenkollegen und eine umfassende Aufzeichnungspflicht stärken die Bemühungen um die Einhaltung der Vorschriften zusätzlich.
  • Selbstverständlich sind ebenfalls die Einhaltung von weiteren Vorschriften, die Aufklärung der Nutzer, die Zusammenarbeit mit Behörden und die Umsetzung strenger Datenschutz- und Datensicherheitsrichtlinien ebenfalls entscheidend. Durch die Umsetzung dieser Maßnahmen können Unternehmen eine sichere und gesetzeskonforme Handelsplattform schaffen, die vor Missbrauch, Betrug und Geldwäsche schützt.

Schließlich ist die Einrichtung interner Spezialisten-Teams, z.B. einer Internen Revision oder Ermittlungseinheit bzw. die Hinzuziehung externer Forensic-Experten angeraten, um Anomalien bei Krypto­währungs­konten sowie -transaktionen zu erkennen und potenziell illegale Aktivitäten zu identifizieren. Dabei spielen z.B. folgende Systeme und Techniken eine Rolle:

  • 1. Blockchain-Analyse-Tools sind in der Lage, eine Echtzeit-Transaktionsüberwachung und Risikobewertung durchzuführen und (illegale) Aktivitäten über mehrere Blockchains hinweg zu identifizieren und zu verfolgen.
  • 2. Chartanalysen nutzen neuronalen Netze, sog. Graph Convolutional Networks (GCN) oder Graph Attention Networks (GAT), die Transaktionsgraphen auf verdächtige Muster und komplexe Beziehungen zwischen Transaktionen zu analysieren.
  • 3. Transaktionsanalysen untersuchen das Nutzerverhalten im Zeitablauf bzw. für einen konkreten Zeitraum, um ungewöhnliche Aktivitäten zu erkennen. Dies geschieht dann zum Beispiel über klassische statistische Methoden oder anhand von Transaktionshäufigkeit, Beträgen und Gegenparteien, die signifikant von etablierten Mustern abweichen, oder eben auch risikoreichen Ländern.

In all diesen Zusammenhängen kann dann auch Machine Learning, eine Untergruppe der künstlichen Intelligenz, die einer Maschine oder einem System das Lernen und Optimieren von Erfahrungen ermöglicht, zum Einsatz kommen. Während beim sog. überwachten Lernen Algorithmen auf Datensätzen trainiert werden, um Muster im Zusammenhang mit illegalen Aktivitäten zu erkennen, identifiziert beim sog. nicht überwachten Lernen das System Anomalien ohne vorherige Kennzeichnung, indem sie Abweichungen von normalen Transaktionsmustern identifiziert werden.

Schließlich müssen Krypto-Anbieter und Aufsicht zukünftig stärker gemeinsame Anstrengungen unternehmen, um den Austausch von Informationen über verdächtige Aktivitäten und Marktteilnehmer zu erleichtern. Öffentlich-private Partnerschaften sind noch nicht sehr häufig anzutreffen, können aber in einem intransparenten Markt viele Vorteile bei Entwicklung und Einsatz von Präventionsmechanismen und Informationsvorsprung bei neuen Tatmustern und bekannten Tätern/Tätergruppierungen mit sich bringen.

Diese Systeme und Techniken sind langfristig unerlässlich, um die Integrität des Krypto­währungs­ökosystems aufrechtzuerhalten und seinen Missbrauch für illegale Aktivitäten zu verhindern.

Warum eigentlich ForensiK?

Forensische Experten in Krypto­währungs­fällen benötigen eine Vielzahl von Fähigkeiten in verschiedenen Disziplinen:

  • Sie benötigen ein generelles Verständnis über Ermittlungsmethoden sowie im Speziellen ein tiefes Verständnis der Blockchain-Technologie, einschließlich Transaktionsmechanismen und Konsensmechanismen. IT-Kenntnisse in den Bereichen Datenanalyse, maschinelles Lernen und Cybersicherheitsmaßnahmen sind also definitiv von Vorteil.
  • Auch sind Kenntnisse über die Möglichkeiten und Grenzen von Blockchain-Analysetools sowie über kryptografische Grundsätze und Algorithmen für die Sicherung und Analyse von Blockchain-Daten unerlässlich.
  • Finanzforensische Kenntnisse, wie z. B. die Rückverfolgung von Transaktionen und die Erkennung von Betrug, sind für die Aufdeckung von Geldwäsche und weiteren fraudulenten Handlungen ebenfalls von entscheidender Bedeutung.
  • Die Durchführung von Hintergrundrecherchen zu Tätern und Tätergruppen sowie zu integritätskritischen Merkmalen von Personen und Unternehmen sowie die Identifizierung von personellen und gesellschaftsrechtlichen Verflechtungen im In- und Ausland sind weitere wesentliche Ermittlungsfähigkeiten in diesem Kontext.
  • Weiterhin sind juristische Kenntnisse, z.B. hinsichtlich der (Einhaltung und rechtlichen Würdigung der) relevanten Vorschriften und Gesetze unerlässlich.
  • Schließlich gehört auch die effektive Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten zu Kernkompetenzen eines forensischen Ermittlers.

Die größte Herausforderung ist jedoch das „Schritthalten“ mit den Kriminellen, so denn man den Aufschluss vollzogen hat. Außerdem endet die kriminelle Energie nicht bei Kryptowährungen. Durch NFTs – Non-fungible Token sind einzigartige Vermögenswerte, die entweder digital sein können oder reale Werte darstellen – und das Metaverse – eine vernetzte digitale Welt, in der Benutzer interagieren, Kontakte knüpfen und an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen können – kommen ganz neue Herausforderungen auf die Länder, Behörden und Unternehmen sowie die Forensiker zu, auf deren Basis das „Schritthalten“ eine große Herausforderung wird, der man sich besser jetzt stellt, in dem man vorausdenkt, als reaktiv zu handeln.

Über die Autoren

Kurt Kuckelmanns (CFE | CIA) ist Partner im Bereich Forensic & Investigation Services bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Forvis Mazars am Standort Köln. Seine Schwerpunkte liegen auf der Vorbeugung, Aufdeckung und Aufklärung von Wirtschaftskriminalität – sowohl bei börsennotierten Konzernen als auch im Mittelstand. Er hat bereits zahlreiche nationale und internationale Sonderuntersuchungen und Präventionsprojekte in vielen Branchen geleitet. Dabei zählen zu seinen Kernaufgaben neben den forensischen Untersuchungen insbesondere auch Forensic-Due-Diligence-Projekte sowie Fraud Risiko Bewertungen und Trainings zur Förderung des Risikobewusstseins.

Lindsay Moder (CPA | CFE) ist Managerin im Team Forensic & Investigation Services bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Forvis Mazars am Standort Frankfurt am Main.

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