Rekordverluste durch Hacks, zunehmende Ransomware-Fälle und Geldwäsche via Kryptowährungen: Warum Krypto-Börsen 2025 stärker denn je im Visier von Cyberkriminellen stehen, welche Plattformen besonders bedroht sind und mit welchen Strategien IT-Security-Experten wirtschaftskriminelle Aktivitäten frühzeitig erkennen, zeigt dieser Beitrag.
trüger, Geldwäscher und Hacker nutzen zunehmend Krypto-Wallets und Krypto-Börsen, um illegale Aktivitäten zu verschleiern. Welche Art von Betrug steckt dahinter und aus welchem Grund sind Kryptowährungen und ihre Handelsplätze besonders anfällig für Wirtschaftskriminalität?
Im Jahr 2025 gab es laut Blockspot.io weltweit 1.492 aktive Handelsplattformen für Kryptowährungen, kurz auch Kryptobörsen. Davon sind 925 Plattformen (ca. 62 Prozent) zentralisierte Börsen (sog. CEX) und 567 Plattformen (ca. 38 Prozent) dezentralisierte Börsen (sog. DEX). CEXs werden von Unternehmen und Regierungen betrieben, die als Vermittler zwischen Käufern und Verkäufern fungieren. DEXs arbeiten ohne eine zentrale Stelle und ermöglichen Käufern und Verkäufern den direkten Handel. Direkter Handel erfolgt in der Regel unter Verwendung von Smart Contracts, auf einer Blockchain. Dort werden die Bedingungen einer Transaktion zwischen den Parteien in einer Codezeile erfasst. Darüber hinaus gibt es hybride Börsen, die Merkmale von CEXs und DEXs kombinieren, sowie Peer-to-Peer-Börsen, bei denen die Nutzer direkte Transaktionen ermöglichen.
Krypto-Handelsplattformen sind aus verschiedenen Gründen in die Kritik geraten, was den dringenden Bedarf an verbesserten Sicherheitsmaßnahmen, klareren Vorschriften und größerer Transparenz innerhalb jenes Ökosystems, des Kryptowährungshandels, verdeutlicht.
Viele Plattformen haben Sicherheitsprobleme, denn sie sind Opfer von Hackerangriffen und Betrug geworden, was zu erheblichen finanziellen Verlusten für die Nutzer geführt hat. Ein berühmtes Beispiel aus diesem Jahr ist der Bybit-Hack, bei dem am 21. Februar 2025 eine erhebliche Sicherheitslücke auftrat, die zum Verlust von Ether-Kryptowährung im Wert von fast 1,5 Milliarden US-Dollar führte. Der ausgeklügelte Angriff wurde Nordkorea zugeschrieben.
Die undurchsichtige Regulierungslandschaft in vielen Regionen der Welt hat weitere Bedenken und regulatorische Fragen hinsichtlich der Legalität und der Aufsicht über Krypto-Handelsplattformen geweckt. Dies und die nachfolgenden Punkte führen zu erheblichen Unsicherheiten.
Vorwürfe der Marktmanipulation, wie sog. Pump-and-Dump-Schemata, bei denen die Preise von Kryptowährungen künstlich aufgebläht werden, bevor Insider verkaufen, sind weit verbreitet. Solche Schemata erhöhen die Volatilität und damit auch die Unsicherheit weiter.
In der Kryptowährungsbranche wimmelt es von betrügerischen und damit wirtschaftskriminellen Aktivitäten, darunter gefälschte Initial Coin Offerings (sog. ICOs), Erpressungen, Diebstahl und Phishing-Angriffe, die das Vertrauen in die Branche untergraben haben.
In einer Fallstudie des „Journal of Financial Crime“ aus dem Jahr 2024 untersuchte 51 Fälle von Finanzkriminalität auf der Grundlage von Kryptowährungen und zeigte, wie die dezentrale, pseudo-anonyme und grenzüberschreitende Natur von Kryptowährungen internationale Finanztransaktionen erleichtert, aber ihre Verfolgung erschwert. Die Studie beobachtete auch eine bemerkenswerte Verlagerung von Bitcoin zu anderen Kryptowährungen, wie Privacy Coins (auch Anonymity Enhanced Coins), Kryptowährungen, die kryptografische Techniken verwenden, um die Privatsphäre der Benutzer und die Anonymität von Transaktionen zu verbessern und Stablecoins, Kryptowährungen, die an einen stabilen Vermögenswert gekoppelt sind, wie eine Fiat-Währung (z. B. USD) oder ein Rohstoff (z. B. Gold), bei den jüngsten kriminellen Aktivitäten.
Zusätzlich zeigt der „Crypto Crime Report 2025“ von TRM Labs die wichtigsten Trends bei illegalen Kryptowährungsaktivitäten im vergangenen Jahr auf. So sank zwar im Jahr 2024 das illegale Krypto-Transaktionsvolumen um 24 Prozent auf rund 45 Mrd. USD, aber die Ransomware-Angriffe erreichten mit 5.635 Vorfällen ein Rekordhoch. Terroristische Organisationen nutzten verstärkt Kryptowährungen, und mit Nordkorea verbundene Gruppen stahlen fast 800 Millionen US-Dollar durch Hacks. Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit eines proaktiven Risikomanagements und einer regulatorischen Koordination zur Bekämpfung dieser sich entwickelnden Bedrohungen.
Kryptowährungen gehören zwar zu den innovativsten Finanzlösungen, werden aber, mit einer Reihe weiterer illegaler Aktivitäten in Verbindung gebracht:
Stand: 08.12.2025
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1. Kriminelle verschleiern die Herkunft von Geldern durch komplexe Transaktionen, also Geldwäsche.
2. Cyberkriminelle bevorzugen Lösegelder in Kryptowährungen, da diese schwer zurückzuverfolgen sind, sog. Ransomware.
3. Kryptowährungen werden für illegale Waren und Dienstleistungen wie Waffen, Drogen und gestohlene Daten verwendet, sog. Dark Web-Transaktionen.
4. Terroristische Organisationen, Kartelle und die Drogenmafia nutzen Kryptowährungen, um Gelder zu beschaffen und traditionelle Bankensysteme zu umgehen.
Diese Aktivitäten stellen die weltweiten Strafverfolgungsbehörden sowie die Kryptobörsen und Handelsplattformen bei der Bekämpfung des Missbrauchs von Kryptowährungen vor große Herausforderungen. Der halb-anonyme Charakter begünstigt diese Verbrechen und erschwert die Bemühungen der Strafverfolgungsbehörden.
Zahlreiche Beispiele zeigen die unterschiedlichen Handlungsmuster, Tools und Sachverhalte:
Tornado Cash (Geldwäsche, 2022): Dieser Kryptowährungs-Mixerdienst wurde von der nordkoreanischen Cybercrime-Organisation Lazarus Group zur Wäsche gestohlener Gelder genutzt.
FTX-Zusammenbruch (Wirtschaftskriminalität, 2022): Samuel Bankman-Fried, der Gründer der Kryptowährungsbörse FTX, wird wegen angeblichen Missbrauchs von Kundengeldern verhaftet, was zum Konkurs der Plattform führt.
Phobos (Ransomware, 2025): Die Phobos-Ransomware-Gruppe wurde angeklagt, weltweit über 1.000 Opfer, darunter Gesundheitsdienstleister und Bildungseinrichtungen, angegriffen und mehr als 16 Millionen US-Dollar an Lösegeld in Kryptowährung erpresst zu haben.
Hamas (Terrorismusfinanzierung): Die Hamas hat Kryptowährungen verwendet, um Gelder für ihre Operationen zu beschaffen, wobei in Kryptowährungs-Wallets, die mit der Hamas verbunden sind, zwischen 2020 und 2023 etwa 41 Millionen Dollar eingezahlt wurden.
Kryptowährungen und ihre Handelsplätze sind aufgrund mehrerer Faktoren besonders anfällig für Wirtschaftskriminalität.
Zum einen ermöglichen die Anonymität und Pseudonymität von Kryptowährungen Transaktionen, ohne die Identität der beteiligten Parteien preiszugeben, da die Wallet-Adressen nicht direkt mit persönlichen Informationen verknüpft sind. Hier spielen die hohe Liquidität und der einfache Zugang zu Kryptowährungen auch eine zentrale Rolle. Zusätzlich tragen komplexe Infrastrukturen, etwa sog. “Mix- und Tumbler-Dienste“ sowie private Münzen dazu bei, die Herkunft von Transaktionen zu verschleiern. Krypto-Mixer, auch Tumblers genannt, sind Dienste, die Münzen aus verschiedenen Quellen nach einer Transaktion mischen und damit die Transparenz erheblich einschränken. Auch die (sekunden)schnelle und unumkehrbare Natur von Kryptowährungstransaktionen erschwert das Eingreifen in Echtzeit und die Wiedererlangung von illegalen Geldern.
Zudem machen es der dezentrale Charakter von Kryptowährungen, bei denen es keine zentrale Behörde zur Überwachung von Transaktionen und uneinheitliche Vorschriften in verschiedenen Ländern sowie (wenn überhaupt) minimale Aufsicht gibt, den Kriminellen leichter, unentdeckt zu bleiben. Insbesondere Regulierungslücken, z.B. eine mangelnde Identifizierung wirtschaftlich Berechtigter, und die Erleichterung grenzüberschreitender Transaktionen ohne Vermittler in Sekunden, erleichtern die Ausnutzung von Kryptowährungen für wirtschaftskriminelle Transaktionen. Es gibt zahlreiche Kryptowährungsbörsen ohne sog. KYC-Prozesse (Know Your Customer), die den Benutzern die Möglichkeit bieten, ohne Identitätsprüfung zu handeln. Zu den bekanntesten Nicht-KYC-Börsen gehören Best Wallet, Changelly und Exodus. Auf den Webseiten dieser Anbieter lassen sich zumeist keine Informationen zu Lizenzen oder den Verantwortlichen Personen bzw. Entitäten finden, was unter Compliance- und Präventionsvorschriften grundsätzlich negativ zu bewerten ist. Darüber hinaus haben diese Börsen möglicherweise schwächere Cybersicherheitsstandards, was die Sicherheitsrisiken für alle Nutzen deutlich schwächt und wirtschaftskriminelles Handeln fördert.
Alle diese Faktoren stellen die Betreiber von Börsen und Plattformen sowie auch die Regulierungs- und Strafverfolgungsbehörden vor erhebliche Herausforderungen, der wirtschaftskriminellen Ausbeutung der Krypto-Strukturen Einhalt zu gebieten. Wie das in einem Compliance Management System oder Präventionskonzept bzw. regulatorischen Vorschriften funktionieren kann, so denn diese einheitlich über verschiedene Jurisdiktionen anwendbar sind, werden wir im nächsten Beitrag behandeln.
Kurt Kuckelmanns (CFE | CIA) ist Partner im Bereich Forensic & Investigation Services bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Forvis Mazars am Standort Köln. Seine Schwerpunkte liegen auf der Vorbeugung, Aufdeckung und Aufklärung von Wirtschaftskriminalität – sowohl bei börsennotierten Konzernen als auch im Mittelstand. Er hat bereits zahlreiche nationale und internationale Sonderuntersuchungen und Präventionsprojekte in vielen Branchen geleitet. Dabei zählen zu seinen Kernaufgaben neben den forensischen Untersuchungen insbesondere auch Forensic-Due-Diligence-Projekte sowie Fraud Risiko Bewertungen und Trainings zur Förderung des Risikobewusstseins.
Lindsay Moder (CPA | CFE) ist Managerin im Team Forensic & Investigation Services bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Forvis Mazars am Standort Frankfurt am Main.