Konzern versus KMU Welche Leadership-Kompetenzen braucht es für mehr Cybersicherheit?

Ein Gastbeitrag von Angela Blau 6 min Lesedauer

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Die rasante Digitalisierung vergrößert die Angriffsfläche für Unternehmen; KI verschärft Phishing- und Ransomware-Angriffe. Cybersicherheit ist daher eine geschäftskritische Führungsaufgabe, die strategisch verankerte Kompetenzen über technisches Wissen hinaus erfordert und zwar in Konzernen und KMUs gleichermaßen – aber mit anderer Ausprägung.

Führungskräfte in Konzernen und in KMUs müssen nicht nur die technischen Aspekte der Cybersicherheit verstehen, sondern auch die strategischen Implikationen für ihr Unternehmen erkennen und passende Maßnahmen ergreifen.(Bild:  Dilok - stock.adobe.com)
Führungskräfte in Konzernen und in KMUs müssen nicht nur die technischen Aspekte der Cybersicherheit verstehen, sondern auch die strategischen Implikationen für ihr Unternehmen erkennen und passende Maßnahmen ergreifen.
(Bild: Dilok - stock.adobe.com)

Die Digitalisierung schreitet in rasantem Tempo voran und transformiert nicht nur Geschäftsprozesse, sondern auch die Bedrohungslandschaft, der Unternehmen heute gegenüberstehen. So vergrößert sich die potenzielle Angriffsfläche durch die Digitalisierung sowie Cloud-Technologien und durch den Einsatz von KI wirken sich Phishing- und Ransomware-Angriffe auf Unternehmen noch gravierender aus. Cybersicherheit ist damit längst keine isolierte Aufgabe der IT-Abteilung mehr, sondern eine geschäftskritische Herausforderung, die auf Führungsebene verankert werden muss. Um in Konzernen und KMUs gleichermaßen effektiven Schutz vor Cyberbedrohungen zu gewährleisten, sind spezifische Kompetenzen gefragt, die über technisches Wissen hinausgehen und tief in der Unternehmensstrategie verankert sein müssen.

Cybersicherheit als zentrale Führungsaufgabe

Laut dem Global Risks Report 2024 des Weltwirtschaftsforums zählt Cyberkriminalität zu den größten Risiken für Unternehmen weltweit. Angesichts dieser Bedrohungslage ist Cybersicherheit eine der kritischsten Führungsaufgaben, die eine ganzheitliche Herangehensweise erfordert. Cybersicherheitsverantwortliche müssen nicht nur die potenziellen Bedrohungen verstehen, sondern diese auch in die Gesamtstrategie des Unternehmens integrieren. In großen Konzernen hat sich die Rolle des Chief Information Security Officers (CISO) etabliert, der über die nötigen Ressourcen und das Fachwissen verfügt, um eine umfassende Sicherheitsstrategie zu entwickeln und umzusetzen.

In KMUs hingegen fehlt oft die Struktur für eine dedizierte CISO-Position. Hier wird die Verantwortung für Cybersicherheit häufig auf mehrere Schultern verteilt, was zu Herausforderungen in der strategischen Koordination führen kann. Dennoch ist es auch für kleinere Unternehmen von entscheidender Bedeutung, dass die für Cybersicherheit verantwortlichen Führungskräfte ein tiefes Verständnis für Cyberrisiken entwickeln und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Schlüsselfaktoren

  • Konzern: Etablierung einer spezialisierten CISO-Rolle, die in der Lage ist, Cybersicherheit als integralen Bestandteil des Risikomanagements zu implementieren.
  • KMU: Entwicklung einer starken Sicherheitskultur, bei der alle Führungskräfte und Mitarbeitenden in die Cybersicherheit eingebunden sind.

Effektive Cybersicherheitsstrategien durch maßgeschneiderte Ansätze

Die Entwicklung einer erfolgreichen Cybersicherheitsstrategie erfordert eine genaue Analyse der spezifischen Risiken und Bedürfnisse des Unternehmens. In Konzernen, die über komplexe IT-Infrastrukturen verfügen, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen unerlässlich, um eine ganzheitliche Sicherheitsstrategie zu entwickeln.

KMUs hingegen stehen oft vor der Herausforderung, ihre begrenzten Ressourcen effizient zu nutzen. Hier ist es entscheidend, die größten Risiken zu priorisieren und flexible, anpassungsfähige Sicherheitsstrategien zu entwickeln, die auf die spezifischen Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten sind.

Ein entscheidender Aspekt ist die kontinuierliche Schulung der Mitarbeitenden, die nicht nur grundlegende Sicherheitspraktiken vermittelt, sondern auch auf aktuelle Bedrohungen und Angriffsmethoden eingeht. In Konzernen können spezialisierte Schulungsprogramme implementiert werden, die gezielt auf die unterschiedlichen Abteilungen und ihre spezifischen Risiken abgestimmt sind. KMUs sollten ebenfalls in regelmäßige Schulungen investieren, auch wenn die Ressourcen begrenzt sind, da informierte Mitarbeitende eine erste Verteidigungslinie gegen Cyberangriffe darstellen.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Entwicklung und regelmäßige Überprüfung eines umfassenden Notfallplans. Dieser Plan sollte detaillierte Handlungsanweisungen für den Fall eines Sicherheitsvorfalls enthalten, einschließlich der Verantwortlichkeiten der Mitarbeitenden und der Kommunikationswege. In großen Unternehmen sind oft umfangreiche Business Continuity Pläne (BCP) etabliert, die sicherstellen, dass das Unternehmen auch im Fall eines schwerwiegenden Cyberangriffs funktionsfähig bleibt. KMUs müssen ebenfalls auf solche Szenarien vorbereitet sein, auch wenn ihre Notfallpläne in der Regel weniger umfangreich sind. Ein klar definierter Notfallplan kann im Ernstfall den Schaden eines Angriffs minimieren und die Wiederherstellung der normalen Geschäftsabläufe beschleunigen.

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Schlüsselfaktoren

  • Konzern: Enge Zusammenarbeit zwischen IT, Compliance und Management, um eine koordinierte Sicherheitsstrategie zu gewährleisten, regelmäßige Mitarbeiterschulungen und ein robuster Notfallplan.
  • KMU: Fokussierung auf kosteneffiziente Maßnahmen, die größte Risiken abdecken und regelmäßig überprüft werden, umfassende Schulungsprogramme und ein pragmatischer Notfallplan.

Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz für die Cybersicherheit

Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in Cybersicherheitsstrategien bietet sowohl große Chancen als auch erhebliche Herausforderungen. KI kann Unternehmen dabei unterstützen, Bedrohungen schneller und präziser zu erkennen, gleichzeitig aber auch als Werkzeug für raffinierte Cyberangriffe dienen.

Für Cybersicherheitsverantwortliche ist es unerlässlich, die Potenziale und Risiken von KI zu verstehen und diese Technologien sowohl defensiv als auch offensiv zu nutzen. Hier ist ein Umdenken gefragt: weg von reaktiven hin zu proaktiven, KI-unterstützten Sicherheitsansätzen, die es ermöglichen, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen, abzuwehren und sich flexibel an neue Bedrohungen anzupassen.

Schlüsselfaktoren

  • Konzern: Integration von KI in bestehende Sicherheitsprozesse zur Verbesserung der Bedrohungserkennung und -abwehr.
  • KMU: Nutzung von KI-basierten Sicherheitslösungen, die skalierbar und kosteneffizient sind.

Kommunikation ist key: Cybersicherheitsrisiken effektiv vermitteln

Eine der größten Herausforderungen im Bereich der Cybersicherheit ist die effektive Kommunikation von Risiken an das Top-Management. Studien zeigen, dass in mehr als einem Drittel der Fälle Führungskräfte glauben, dass Cyber­sicherheits­verantwortliche potenzielle Schwachstellen zu zögerlich an das Management weitergeben. Diese Kommunikationslücke stellt ein erhebliches Risiko für die Sicherheit des Unternehmens dar.

Besonders außerhalb der IT-Abteilung fehlt oft das Verständnis für die technischen Details und deren potenzielle Auswirkungen auf das Geschäft. Daher ist es für Cybersicherheitsverantwortliche entscheidend, Cybersicherheitsrisiken klar und verständlich zu kommunizieren.

Storytelling und die Visualisierung konkreter Bedrohungsszenarien können helfen, das Bewusstsein für Cybersicherheit zu schärfen und eine Sicherheitskultur im Unternehmen zu etablieren. Besonders in KMUs, wo Ressourcen oft knapp sind, spielt das Cybersicherheitsbewusstsein aller Mitarbeitenden eine entscheidende Rolle.

Schlüsselfaktoren

  • Konzern: Nutzung von Szenarioanalysen und Storytelling, um das Bewusstsein für Cybersicherheitsrisiken auf allen Führungsebenen zu schärfen.
  • KMU: Etablierung einer Sicherheitskultur, in der jeder Mitarbeitende seine Rolle im Schutz des Unternehmens versteht.

Cybersicherheit als Werttreiber und strategischer Wettbewerbsvorteil

Cybersicherheit wird häufig als notwendige Ausgabe ohne direkten Nutzen für die Wertschöpfung betrachtet. Diese Perspektive greift jedoch zu kurz. Eine starke Sicherheitsstrategie kann nicht nur Daten und Systeme schützen, sondern auch das Vertrauen von Kunden und Partnern stärken und so einen direkten Beitrag zum Geschäftserfolg leisten.

Für Führungskräfte ist es entscheidend, den strategischen Wert von Cybersicherheit zu erkennen und diesen klar zu kommunizieren. In einer Welt, in der KI und andere transformative Technologien immer mehr an Bedeutung gewinnen, kann eine robuste Sicherheitsstrategie einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bieten.

Schlüsselfaktoren

  • Konzern: Positionierung von Cybersicherheit als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie zur Steigerung des Unternehmenswerts.
  • KMU: Nutzung von Cybersicherheit als Differenzierungsmerkmal, das Vertrauen und Kundenbindung stärkt.

Fazit

Cybersicherheit ist eine dauerhafte und komplexe Herausforderung, die eine enge Verzahnung von Technologie, Organisation und Menschen erfordert. Führungskräfte in großen Konzernen und in KMUs stehen vor der Aufgabe, nicht nur die technischen Aspekte der Cybersicherheit zu verstehen, sondern auch die strategischen Implikationen für ihr Unternehmen zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

In Konzernen ermöglichen umfangreiche Ressourcen die Entwicklung und Umsetzung proaktiver Cybersicherheitsstrategien. Hier spielen moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) eine entscheidende Rolle, um Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und abzuwehren. Zudem können Konzerne auf spezialisierte Teams zurückgreifen, um komplexe Bedrohungsszenarien zu analysieren und entsprechende Schutzmaßnahmen zu implementieren.

KMUs hingegen stehen vor der Herausforderung begrenzter Ressourcen und konzentrieren sich daher verstärkt auf eine möglichst umfassende Sicherheitskultur. Durch die Sensibilisierung und Schulung aller Mitarbeitenden, kann ein Bewusstsein für Cybersicherheitsrisiken gestärkt und eine breite Verantwortung im Unternehmen verankert werden. Zudem sind kosteneffiziente und pragmatische Lösungen essenziell, um Sicherheitsstrategien flexibel an die sich ständig verändernde Bedrohungslandschaft anzupassen.

In einer Zeit, in der die Bedrohungen aus dem Cyberraum stetig zunehmen und sich ständig weiterentwickeln, ist es für Unternehmen jeder Größe unerlässlich, ihre Sicherheitsstrategien kontinuierlich zu überprüfen und anzupassen. Die Integration von KI in diese Strategien bietet sowohl enorme Chancen als auch erhebliche Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Führungskräfte müssen sich der zentralen Bedeutung von Cybersicherheit bewusst sein und die nötigen Kompetenzen entwickeln, um ihre Unternehmen vor digitalen Bedrohungen zu schützen.

Über die Autorin: Angela Blau ist im Frankfurter Büro von Odgers Berndtson als Mitglied der globalen Industry Practices Technology und Business Professional Services tätig. Sie berät Unternehmen der Technologie- und Softwarebranche bei der Besetzung von C-Level, Geschäftsführungs- und Führungs-Positionen. Ihr Schwerpunkt liegt dabei insbesondere auf den Themenfeldern Digital Transformation, Cloudification, SaaS/ IaaS/ PaaS, Big Data und Cyber Security.

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