Cyberattacke auf Behörden DDoS-Angriff legt über 30 Städte und Landkreise lahm

Von Melanie Staudacher 3 min Lesedauer

Ein massiver DDoS-Angriff legte über 30 Kommunen in Sachsen-Anhalt und Thüringen lahm. Webseiten fielen stundenlang aus, eine ähnliche Attacke betraf Anfang Juli bereits die Arbeit von Rettungskräften. Dahinter werden pro-russische Hacker vermutet.

Ein DDoS-Angriff überflutet Server mit massenhaften Anfragen, bis sie überlasten und nicht mehr erreichbar sind. Die Folge: Webseiten, Dienste oder kritische Infrastruktur wie Notfallkommunikation können ausfallen.(Bild:  Tomasz Zajda - stock.adobe.com)
Ein DDoS-Angriff überflutet Server mit massenhaften Anfragen, bis sie überlasten und nicht mehr erreichbar sind. Die Folge: Webseiten, Dienste oder kritische Infrastruktur wie Notfallkommunikation können ausfallen.
(Bild: Tomasz Zajda - stock.adobe.com)

Am vergangenen Dienstag, den 29. Juli 2025 gab es plötzlich Probleme bei den Internetauftritten mehrerer Kommunen in Mittel- und Ostdeutschland. Betroffen waren rund 30 Städte und Land­kreise in Sachsen-Anhalt und Thüringen, darunter Magdeburg, Erfurt, Halberstadt und der Bur­gen­landkreis. Wie der MDR berichtet, ist eine mutmaßliche DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service) schuld daran.

Stadt Erfurt informiert transparent

So berichtet die Stadt Erfurt, dass die Attacke am Dienstag gegen 8:30 Uhr begann und der Zugriff auf die Webseite erfurt.de nahezu unmöglich gewesen sei. Die Akteure hätten mithilfe von Botnetzen die Webseite mit bis zu 4,5 Millionen Zugriffen pro Stunde überflutet.

Das städtische Amt für Informationstechnik habe sofort Schutzmaßnahmen eingeleitet, um die Auswirkungen des Angriffs zu mindern und die Erreichbarkeit der Webseite wieder­her­zu­stel­len. Ab 13 Uhr sei der Betrieb wieder normal gelaufen. Ein Datendiebstahl sei nicht erfolgt. So­wohl das Landeskriminalamt wie auch das Thüringer Landesrechenzentrum seien informiert worden.

DDoS-Attacke behindert Rettungskräfte

Im Landkreis Harz, in dem Halberstadt liegt, habe es bereits Anfang Juli einen DDoS-Angriff gegeben. Laut Harz News waren schon damals die Internetseiten mehrerer Städte in Sachsen-Anhalt und Thüringen offline, auch die Ameos-Kliniken im Harz waren betroffen. Dies habe zu massiven Einschränkungen beim Rettungsdienst geführt, da die Einsatz-App der Rettungskräfte ausgefallen war. Die Krankenhäuser Wernigerode und Quedlinburg mussten dem MDR zufolge daraufhin bis zu 40 Prozent mehr Patienten behandeln, da der Angriff zu Kommunikationsproblemen geführt hatte. Bei den Einsätzen sei nicht ersichtlich gewesen, welche Kapazitäten das Klinikum Halberstadt zur Verfügung gehabt habe. Erst für die Woche des 21. Juli hätten die Einrichtungen mit einer Entspannung der Lage und einer besseren Verteilung der Patienten gerechnet. Auch Röntgen- und Labor-Untersuchungen hätten aufgrund des DDoS-Angriffs nicht mehr durchgeführt werden können. Ansonsten sei die medizinische Versorgung der Patienten zu jeder Zeit gewährleistet gewesen.

Pro-russische Hacker werden strafrechtlich verfolgt

Nach Angaben des Digitalministeriums werden hinter den Vorfällen im Juli pro-russische Cyberkriminelle vermutet. Gegen solche Gruppen wird derzeit stark vorgegangen. Mitte Juli gelang es internationalen Behörden, das Botnetz „NoName057(16)“ zu zerschlagen. Die Hacker dahinter hatten in den vergangenen Wochen und Monaten bereits mehrmals Städte in Deutschland mit Überlastungsattacken angegriffen. Und auch die bayerische Staatsregierung war bereits Opfer von NoName057(16).

Zu NoName gehören über 4.000 Mitglieder, die im Kontext des Ukraine-Kriegs agieren. Seit Ende 2023 wurden immer wieder Cyberangriffe der Gruppe beobachtet. Mittlerweile wurden sechs Haftbefehle gegen russische Staatsangehörige beziehungsweise Personen, die in Russ­land wohnhaft sind, erwirkt. Nach den Beschuldigten wird laut BKA international und teils öffentlich gefahndet. Ob tatsächlich pro-russische Hacker oder sogar ein neues NoName-Botnetz hinter den jüngsten Angriffen stecken, ist noch unklar. Klar ist jedoch, dass pro-russische Cyberkriminelle immer häufiger Unternehmen und Organisationen attackieren, die aus Ländern stammen, die die Ukraine unterstützen.

BKA-Präsident Holger Münch kommentierte: „Organisierte DDoS-Kampagnen können gra­vier­ende Folgen haben, auch für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Sie müssen daher konse­quent strafrechtlich verfolgt und wo möglich unterbunden werden. Unsere international ab­ge­stimmten Maßnahmen zeigen, dass wir gemeinsam mit unseren Partnern in der Lage sind, Angriffe im digitalen Raum aufzuklären und der gestiegen Bedrohungslage im Cyberraum polizeiliche Maßnahmen entgegenzusetzen.“

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