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Herausforderungen und Hoffnungen
Security-Insider: Dennoch, die Vorbehalte gegenüber der Biometrie sind in den meisten Unternehmen weiterhin groß. Was sind die Hinderungsgründe gegen einen Einsatz biometrischer Verfahren?
Tillenburg: Bezweifelt wird vor allem die Alltagstauglichkeit biometrischer Lösungen, nämlich von 27 Prozent. Danach folgen die internen Befürchtungen bezüglich des Daten- und Personenschutzes (25 Prozent), die Annahme einer zu geringen Nutzerakzeptanz (19 Prozent), die vermeintlich zu hohe Komplexität biometrischer Anwendungen (elf Prozent) und der Zweifel an einer hinreichenden Marktverfügbarkeit biometrischer Systeme (neun Prozent).
Die Nennungen 1, 3 und 4, zusammen 57 Prozent, zielen nach Einschätzung der Unternehmen eindeutig auf eine zu komplizierte Handhabung biometrischer Lösungen ab. Dabei wurde gerade die Handhabung biometrischer Lösungen innerhalb der letzten zwei bis drei Jahre von den Herstellern erheblich vereinfacht und verbessert. Das gilt nach unseren tiefgehenden praktischen Erfahrungen für alle wichtigen Erkennungsverfahren.
Auch die Implementierung und Anpassung biometrischer Lösungen geht heute aufgrund vieler Weiterentwicklungen viel schneller, zielsicherer und für die Unternehmen kostensparender als noch vor zwei bis drei Jahren über die Bühne. Parallel hat sich die Erkennungsquote der biometrischen Verfahren in den letzten Jahren deutlich verbessert.
Security-Insider: Dieser Innovationsschub ist aber bisher nicht in deutschen Unternehmen angekommen. Werden sich biometrische Verfahren künftig im Markt trotzdem durchsetzen?
Tillenburg: Das Gros der Unternehmen, 55 Prozent, geht davon aus, dass biometrische Lösungen in zwei bis fünf Jahren im deutschen Markt eine breitere Anwendung finden werden. 30 Prozent gehen von einem Zeitraum größer als fünf Jahre aus. Dass biometrische Anwendungen sich schon heute oder innerhalb der nächsten zwei Jahre im Markt durchsetzen werden, glauben die wenigsten.
Auch diese Ergebnisse zeigen, dass die meisten Unternehmen über den aktuellen Stand dieser Technologie nicht oder kaum informiert sind, auch weil es ihnen an der Implementierungs- und Einsatzerfahrung fehlt. Dies führt wiederum zu einer geringen Akzeptanz und Einsatzbereitschaft unter den Entscheidern. Das könnte sich für deutsche Unternehmen in einem globalen Markt aber bald rächen, derweil viele andere Länder bereits vom Nutzen biometrischer Lösungen voll profitieren.
Security-Insider: Was können die Unternehmen vom Einsatz biometrischer Lösungen vor allem erwarten?
Tillenburg: Auch dieser Frage sind wir in der Studie nachgegangen – mit erstaunlichen Ergebnissen. So rangiert die Anforderung, über den Einsatz biometrischer Verfahren die Sicherheit erhöhen zu können, erst an Position zwei, mit 34 Prozent der Nennungen.
Höher wurde die Anforderung „Mehr Komfort für die Nutzer“ bewertet, mit 38 Prozent. Darüber hinaus erwarten die Unternehmen vom Einsatz biometrischer Verfahren eine Vereinfachung von Prozessen. Nutzerkomfort und Sicherheit sind somit voll vereinbar. Auch das stimmt positiv, was den Einsatz biometrischer Lösungen in deutschen Unternehmen betrifft.
Das Interview führte Dr. Andreas Bergler.
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