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Aktueller Wissensstand zur Biometrie meist unzureichend Die meisten verkennen das Potenzial der Biometrie

| Autor / Redakteur: Dr. Andreas Bergler / Stephan Augsten

Der deutsche Markt für biometrische Produkte wächst, allerdings auf niedrigem Niveau. Im Interview berichtet Gereon Tillenburg, Geschäftsführer der Twinsoft Biometrics, über den Status quo und die Perspektiven des Einsatzes biometrischer Produkte.

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Gereon Tillenburg, Geschäftsführer von Twinsoft Biometrics
Gereon Tillenburg, Geschäftsführer von Twinsoft Biometrics
(Bild: VBM-Archiv)

Security-Insider: Inwieweit haben sich deutsche Unternehmen mit dem Einsatz biometrischer Produkte auseinandergesetzt?

Tillenburg: Obwohl reife biometrische Lösungen schon lange am Markt verfügbar sind, haben sich bisher die wenigsten Unternehmen mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Auf die Frage, wie die Entscheider ihr Wissen über Biometrie einschätzen, qualifizierten gerade mal acht Prozent ihren Informationsstand als hoch. Alle anderen schätzen ihn als gering oder mittel ein – mit 43 beziehungsweise 48 Prozent.

Fast deckungsgleich dazu fallen die Antworten auf die Frage aus, ob sich Unternehmen bereits mit dem Einsatz der Biometrie innerhalb ihrer IT beschäftigt haben. Acht Prozent sagten aus, dass sie den Einsatz dieser Technologie intensiv in Erwägung gezogen hätten. Alle anderen Unternehmen qualifizierten ihr Engagement als nicht vorhanden (42 Prozent) oder gering (50 Prozent).

Beide Ergebnisse machen deutlich, dass die Biometrie unverdienterweise in deutschen Unternehmen bisher kaum angekommen ist. Anders in vielen Industrie- und Schwellenländern wie in den skandinavischen Ländern, in den Niederlanden, Osteuropa, der Türkei, Brasilien und Japan. Hier wurde der Nutzen der Biometrie erkannt und gehandelt. Dabei ist die Einstellung der Unternehmen auch hierzulande gegenüber der Biometrie nach eigener Aussage durchaus positiv.

Security-Insider: Können Sie das mit Zahlen belegen?

Tillenburg: Die Einschätzung der Unternehmen zur Biometrie verläuft diametral zu ihrem Wissensstand und ihrer Bereitschaft, diese Technologie in Erwägung zu ziehen oder einzusetzen. 62 Prozent bewerteten den Einsatz biometrischer Verfahren positiv, 37 Prozent neutral. Lediglich ein Prozent lehnt den Einsatz solcher Verfahren im Unternehmen mit dem Vermerk Negativ ab. Dieses Ergebnis macht Hoffnung, dass sich die Biometrie auch in Deutschland bald durchsetzen wird.

Security-Insider: Woran liegt das nach Ihrer Einschätzung?

Tillenburg: Ich vermute, dass sich trotz wohlwollender Einschätzung der Unternehmen das fehlende Wissen über den aktuellen Stand der Biometrie, ihre Kosten und ihren Nutzen als Hemmschuh erweist, sich intensiver mit biometrischen Verfahren auseinanderzusetzen. Offensichtlich hat sich in den meisten Unternehmen der alte Stand der Technologie eingeprägt, der längst nicht mehr aktuell ist.

Meine Vermutung wird bestätigt durch den geringen Wissenstand zu aktuellen biometrischen Verfahren. Nur elf Prozent der befragten Unternehmen sagten aus, dass sie sich über die Qualität biometrischer Verfahren im Klaren sind. Alle anderen Befragten räumten ein, dass ein solches aktuelles Wissen nur teilweise oder überhaupt nicht in ihrem Unternehmen verbreitet ist.

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