Data Loss Prevention (DLP) stellt Unternehmen angesichts von Compliance-Vorgaben wie NIS-2 und ISO 27001:2022 vor große Herausforderungen. Kommerzielle DLP-Lösungen sind oft teuer und komplex und ersetzen nicht den strategischen Prozess für effektiven Datenschutz. Die Open-Source SIEM-Plattform Wazuh bietet hier eine flexible, kostengünstige Alternative.
DLP ist ein Programm, kein isoliertes Werkzeug. Der Erfolg hängt von einem strategischen Rahmen ab, der Richtlinien, Methoden und systematischen Datenschutz vereint.
Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, DLP als isoliertes Werkzeug zu betrachten. Tatsächlich handelt es sich um ein umfassendes Programm, das strategische Planung vor jeder technischen Umsetzung verlangt. Bevor Sie Wazuh oder ein anderes SIEM-System einsetzen, muss eine klare DLP-Richtlinie entwickelt werden. Diese sollte präzise Ziele und messbare Erfolgskriterien definieren. Der erste Schritt besteht darin, die kritischsten Daten Ihrer Organisation – die sogenannten „Kronjuwelen“ – zu identifizieren.
Ohne eine fundierte Datenklassifizierung bleibt jede technische Lösung wirkungslos. Unternehmen müssen wissen, welche Daten sie besitzen, wo diese gespeichert sind und wer Zugriff darauf hat. Nur so lassen sich Schutzmaßnahmen gezielt auf die sensibelsten Informationen ausrichten.
Wazuh: Leistungsstarkes SIEM für DLP-Unterstützung
Wazuh ist eine Open-Source-Sicherheitsplattform, die umfassende SIEM- und XDR-Funktionen bereitstellt. Dazu gehören Echtzeit-Ereigniskorrelation, Erkennung von Bedrohungsmustern und automatisierte (vorab definierte!) aktive Gegenmaßnahmen. Die Plattform nutzt OpenSearch als Datenspeicher- und Analyse-Engine, um Datenströme zu speichern, zu indizieren und mit eigenen Pipelines zu verarbeiten. Dashboards ermöglichen die Visualisierung komplexer Zusammenhänge dieser Daten und bieten weitere Funktionen zur detaillierten Aufarbeitung. Diese Integration erleichtert eine zentrale Verwaltung von Sicherheitsoperationen und liefert umfangreiche Erkenntnisse aus den Daten. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Security-Intelligence und Business-Intelligence. Dennoch ist Wazuh kein Allheilmittel für DLP, sondern ein zentraler Bestandteil eines größeren Sicherheitskonzepts. Mit Modulen wie FIM, SCA und CTI unterstützt Wazuh die Umsetzung von ISO 27001:2022-Kontrollen, etwa 5.15 (Access Control) durch Überwachungsfunktionen und 8.12 (Data Leakage Prevention) durch präventive Maßnahmen, und erleichtert so die Einhaltung dieser Standards.
Das FIM-Modul von Wazuh erkennt Änderungen an Dateien, Verzeichnissen und Registry-Einträgen. Es kann beispielsweise melden, wenn eine .doc-Datei verschoben oder verändert wurde, inklusive Details wie Zugriffszeitpunkt, Verantwortlichem und Datei-Delta. Allerdings fehlt die Fähigkeit, den Inhalt auf Vertraulichkeit zu prüfen – ein Punkt, der durch eine übergeordnete DLP-Strategie abgedeckt werden muss.
Security Configuration Assessment (SCA) zur Risikominimierung
Ein weiterer Baustein ist das SCA-Modul, der Endpunkte anhand von CIS-Benchmarks auf Fehlkonfigurationen prüft. Mit individuell anpassbaren Richtlinien liefert SCA nicht nur Handlungsempfehlungen und Berichte, sondern ergänzt potenziell unternehmenseigene Überprüfungen. SCA unterstützt dabei, Fehlkonfigurationen und damit einhergehende Sicherheitslücken zu schließen und die Angriffsfläche zu reduzieren.
Wazuh CTI: Schwachstellen frühzeitig erkennen
Der Wazuh Cyber Threat Intelligence (CTI) Feed bietet aktuelle Informationen zu Schwachstellen (CVEs), inklusive Schweregrad, Ausnutzbarkeit und Mitigation. Diese Daten aus vertrauenswürdigen Quellen von Betriebssystemherstellern und Sicherheitsdatenbanken (z.B. NVD, CISA) helfen, Systeme zu härten und potenzielle Eintrittspforten für Datenverluste zu schließen, wodurch die DLP-Maßnahmen wirksam unterstützt werden.
Infrastruktur und Sicherheit ganzheitlich betrachten
CMDB als Grundlage: Eine Configuration Management DataBase (CMDB) ist essenziell, um die IT-Umgebung zu verstehen. Sie dokumentiert Konfigurationselemente und deren Abhängigkeiten, um Datenflüsse nachzuvollziehen, und dient als zentrale Quelle für die Überwachung von IT-Assets – eine Voraussetzung für effektiven Datenschutz.
Umfassendes Infrastruktur-Monitoring
Einzelne Tools reichen nicht aus. Netzwerkverkehrsanalyse, Betriebssystem- und Anwendungsüberwachung sind notwendig, um DLP-Richtlinien über alle Komponenten hinweg durchzusetzen.
Deterministischer Ansatz für mehr Sicherheit
Eine erfolgreiche DLP-Strategie setzt auf Härtung, Inventarisierung und Whitelisting. Unternehmen benötigen volle Transparenz über Prozesse: Welche Benutzerkonten führen sie aus? Wann und mit welchen Parametern laufen sie? Ein Prozess, der normalerweise tagsüber unter einem Servicekonto läuft, aber nachts um 3 Uhr unter einem Benutzerkonto startet, sollte Alarm schlagen – selbst wenn er freigegeben ist.
Stand: 08.12.2025
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1. Baseline erstellen: Starten Sie mit einem Systemscan, um normales Verhalten zu definieren – von Ausführungszeiten bis zu typischen Parametern. Diese Baseline dient als Referenz für die Anomalie Erkennung.
2. Schrittweise Einführung: Starten Sie zunächst mit der generellen Überwachung und Alarmierung, bevor Sie automatische Abwehrmaßnahmen einführen. So können Sie Ihre Richtlinien anpassen, ohne den Betrieb zu beeinträchtigen.
3. Rechtliche Aspekte beachten: Beim Einsatz von DLP-Tools, die Mitarbeiterkommunikation und/oder Online-Aktivitäten überwachen, sollten rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Gesetzliche Vorgaben zu Datenschutz, Privatsphäre und Überwachung (u.a. DS-GVO) können Einschränkungen mit sich bringen. Eine frühzeitige Abstimmung mit der Rechtsabteilung und klare Nutzungsbedingungen sind essenziell, um Compliance sicherzustellen.
An Standards anlehnen
Richten Sie Ihre DLP-Strategie an Frameworks wie der ISO 27001:2022 und dem informativen Dokument ISO 27002:2022 aus, die praxisnahe Hinweise zu organisatorischen und technischen Maßnahmen bieten.
Besonders relevant sind hierbei die Kontrollen zur Klassifizierung von Informationen (5.12), um sensible Daten zu identifizieren, und zur Zugriffskontrolle (5.15), um unbefugten Zugriff zu verhindern. Ebenso wichtig ist die Kontrolle 8.1, die den Schutz von Informationen auf Benutzer-Endgeräten fordert, um Datenverluste durch Diebstahl oder unbefugten Zugriff zu vermeiden. Ergänzend fordert die Kontrolle 8.12 (Data Leakage Prevention) explizit Maßnahmen zur Verhinderung von Datenlecks, einschließlich der Überwachung von Kanälen wie E-Mail, mobilen Geräten oder weit verbreiteten Remote Admin Tools, die potenziell zur Extraktion großer Datenmengen genutzt werden können, insbesondere wenn sie in ihrer Standardkonfiguration keine ausreichenden Sicherheitsmechanismen bieten. Die Umsetzung einer ganzheitlichen DLP-Strategie ist hier entscheidend, um sensible Informationen zu schützen.
Fazit: Strategie vor Technik
DLP ist ein Programm, kein isoliertes Werkzeug. Der Erfolg hängt von einem strategischen Rahmen ab, der Richtlinien, Methoden und systematischen Datenschutz vereint. Wazuh bietet als Open-Source SIEM eine solide Basis für DLP-Maßnahmen, erfordert aber eine durchdachte Einbettung in ein größeres Sicherheitskonzept. Ohne die Kombination aus CMDB, Infrastruktur-Monitoring und SIEM-Tools wie Wazuh bleibt man für Teile der eigenen Umgebung blind. Effektiver Datenschutz verlangt nicht nur genehmigte Anwendungen, sondern ein tiefes Verständnis ihres Kontexts und Verhaltens.
Über den Autor: Stephan H. Wenderlich ist Inhaber von „Gray-Hat IT-Security Consulting Stephan H. Wenderlich“. Als passionierter Informatiker liegt seine Expertise bei ganzheitlicher IT-Sicherheit via ISMS-Thematiken (z.B. ISO 27001 und NIS-2), Server-Härtung, Monitoring via Checkmk und Wazuh SIEM. Zudem ist er offizieller „Wazuh-Ambassador“.