Der biometrische und multimediale Identitätsdiebstahl

Ein Einblick in die Überwachungstechnik

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Die virtuelle Welt dreht sich stetig weiter

Vor zwei Jahren hat IBMs Computersystem „Watson“ die US-Quizshow "Jeopardy!" nicht nur gewonnen, sondern auch bisherige Gewinner deklassiert. Watson hat dabei die umgangssprachlichen Fragen des Quizmasters schneller erkannt, analysiert und umgangssprachlich beantwortet als seine menschlichen Mitbewerber. Diese Technik will IBM jetzt den Nutzern „intelligenter“ Telefone zugänglich machen. Außerdem will IBM die Watson-Technik anderen IT-Konzernen verkaufen, damit diese damit Endkunden-Dienste entwickeln.

Das erinnert an die Prognose des früheren Google-Chefs Eric Schmidt: Die Technik werde den Einfallslosen auch die Frage beantworten, was sie 'morgen' tun sollten. Dann wird der Konzern vermutlich auch in der Lage sein, Prognosen darüber abzugeben, was wir morgen tun werden. Auch dafür werden sich vermutlich viele Abnehmer finden.

Beim „Cebit Trend Talk“ 2012 wurde debattiert, ob sich unsere Gewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen zu einem Mosaik zusammenfügen ließen. Diese Idee scheint nicht abwegig zu sein: Die Entwicklung menschlicher Avatare wurde im Projekt „Virtual Human“ gefördert. Und einem solchen Avatar lässt sich die Persönlichkeit eines real existierenden Menschen überstülpen, so das Forschungsergebnis Französischer Wissenschaftler.

Die Forscher behaupten, sie könnten die Bewegungen des echten Benutzers aufnehmen und anschließend diese Körpersprache auf den Avatar übertragen: „Durch das Berechnen der Ausdrucksstärke lassen sich personalisierte Animationen berechnen, so dass der Betrachter den Eindruck hat, er interagiere mit einem ausdrucksstarken virtuellen Menschen.“

Spielraum für harmlose und gefährliche Manipulationen

Mit dieser Animation könne virtuell gespielt werden, ohne dass der Betroffene dies kontrollieren könne. Für die Zukunft sei mit zusätzlichen Fähigkeiten und Bewegungsflüssigkeit zur Feinsteuerung des virtuellen Charakters zu rechnen. Zusätzliche Fähigkeiten könnten zum Beispiel darin bestehen, die Sprache eines Menschen zu kopieren.

Wie das funktionieren kann, zeigt die Beta-Version des "Bush-o-Matic". Ein Avatar des früheren US-Präsidenten spricht auf Kommando alles mit seinem texanischen Dialekt, was ihm zuvor der Besucher der Internetseite in den Mund gelegt hat. Das Bemerkenswerte: Bis auf ein paar Ausnahmen klingt die generierte Stimme durchaus real.

Praktische Bedeutung könnte das in Politik und Wirtschaft entfalten: Der frühere Französische Präsident Francois Sarkozy behauptete vor Jahren, Angela Merkel wolle "Roma-Lager" auflösen. Da es solche Lager hier nicht gibt, gibt es auch keinen Grund, sie aufzulösen. Würde aber plötzlich ein Video auftauchen, in dem die Kanzlerin den Austritt aus dem Euro-Raum in Erwägung zieht, wäre die öffentliche Resonanz vermutlich größer.

Weitere Themen im „Cebit Trend Talk“ waren, ob die Server heute schon mehr über uns wüssten, als wir selber, wie weit wir in unseren Persönlichkeitsrechte bereits eingeschränkt oder beschnitten wären und wieviel Persönlichkeit uns die digitale Gesellschaft eigentlich erlaube. Kate hat jedenfalls allen Anlass, darüber nachzudenken, ob und mit welcher Detailtiefe sich die Papparazzi künftig für sie und ihre Intimsphäre interessieren.

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