Generative KI verändert Sicherheitsparadigmen Warum Banken 2025 neue Cyberstrategien brauchen

Ein Gastbeitrag von Antonina Skrypnyk 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Generative KI verändert nicht nur Geschäftsprozesse, sondern auch die Bedrohungslage im Finanzsektor. Herkömmliche Sicherheitsarchitekturen reichen nicht mehr aus, um KI-gestützte Angriffe abzuwehren. Finanz­institute müssen ihre Strategien neu denken – und dabei auf Zero Trust, KI-Abwehrmechanismen und neue Best Practices setzen.

Führungskräfte im Finanzsektor sind jetzt gefragt, das Thema Cybersicherheit aus der operativen Nische zu holen – und in den Mittelpunkt digitaler Transformation zu rücken.(Bild: ©  Gorodenkoff - stock.adobe.com)
Führungskräfte im Finanzsektor sind jetzt gefragt, das Thema Cybersicherheit aus der operativen Nische zu holen – und in den Mittelpunkt digitaler Transformation zu rücken.
(Bild: © Gorodenkoff - stock.adobe.com)

Banken zählen zu den digital am besten abgesicherten Organisationen – doch die Spielregeln verändern sich. Mit der breiten Verfügbarkeit generativer KI-Modelle geraten selbst robuste Infrastrukturen unter Druck. Phishing-E-Mails werden in Sekunden erstellt, Deepfakes lassen sich täuschend echt imitieren, und automatisierte Angriffsketten mit synthetischen Identitäten unterlaufen klassische Prüfmechanismen. Die Verteidiger haben es mit einer neuen Qualität der Bedrohung zu tun.

Während viele Angreifer auf Open-Source-Modelle und frei verfügbare Codebibliotheken zurückgreifen, fehlen den Sicherheitsverantwortlichen oft entsprechende Gegenmaßnahmen – insbesondere, wenn sie auf herkömmliche Regeln und starre Detection-Logiken setzen. Die Folge: Die Abwehr gerät in Rückstand.

Klassische Schutzkonzepte reichen nicht mehr

Die aktuelle Bedrohungslage zwingt Finanzinstitute dazu, ihre Sicherheitsstrategie grundlegend zu überdenken. Wer weiterhin auf perimeter­basierte Sicherheit, veraltete Risikobewertungen und sporadisches Patch-Management setzt, unterschätzt die Dynamik KI-gestützter Angriffe.

Hinzu kommt: Viele Banken arbeiten noch mit Legacy-Systemen, die mit modernen Sicherheitsprotokollen und -tools nicht kompatibel sind. Diese Systeme erhalten oft keinen Herstellersupport mehr, was es erschwert, bekannte Schwachstellen zu patchen oder regulatorische Anforderungen wie die DSGVO zu erfüllen. Außerdem fehlen häufig essenzielle Verteidigungselemente wie SIEM- oder IDPS-Lösungen, wodurch Bedrohungen unentdeckt bleiben. Ohne geeignete Segmentierungs­strategien bleibt das gesamte Netzwerk anfällig für großflächige Angriffe.

Dabei geht es nicht nur um technische Neuerungen – sondern um eine strategische Neuausrichtung. Banken müssen sich darauf einstellen, dass die Angriffsflächen nicht mehr linear wachsen, sondern sich exponentiell erweitern. Die Vernetzung von Cloud-Infrastrukturen, Open-Banking-Schnittstellen und Legacy-Systemen schafft ein komplexes Ökosystem, das kontinuierlich analysiert, segmentiert und gesichert werden muss.

Zero Trust: Vom Buzzword zur Pflicht

Manipulierte Identitäten, gekaperte Sitzungen und täuschend echte Zugriffskontexte gehören inzwischen zum Standardrepertoire moderner Angriffe. Umso wichtiger ist es, dass Zugriffe – ob intern oder extern – grundsätzlich hinterfragt und nicht als vertrauenswürdig vorausgesetzt werden. Zero Trust setzt genau hier an: Jede Aktion wird kontextsensitiv überprüft und validiert. Mikrosegmentierung, rollenbasierte Zugriffskontrolle und kontinuierliches Monitoring bilden die Basis, um Angriffsszenarien wirksam zu begrenzen – und zwar über sämtliche Systeme, Anwendungen und Datenflüsse hinweg.

Neue Anforderungen an das Zusammenspiel von Mensch und Maschine

Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Vorstellung, KI allein könne die Sicherheit automatisieren. Tatsächlich führt der Einsatz von GenAI auch auf Verteidigungsseite zu einer technologischen Aufrüstung. Moderne Threat-Intelligence-Systeme nutzen inzwischen selbst Machine Learning, um Anomalien frühzeitig zu erkennen, Datenströme in Echtzeit zu bewerten und Maßnahmen automatisiert einzuleiten.

Doch KI-Systeme allein genügen nicht. Die Herausforderung liegt im Zusammenspiel: Analysten müssen die Ergebnisse KI-gestützter Systeme interpretieren, verifizieren und priorisieren. Das bedeutet auch: Cybersecurity-Teams benötigen neue Kompetenzen – etwa im Bereich Prompt Engineering, AI Risk Management und generativer Datenanalyse. Das Security Operations Center von morgen ist nicht nur technologisch weiterentwickelt, sondern auch organisatorisch neu aufgestellt.

Sicherheitsarchitektur neu denken: Was jetzt konkret zu tun ist

Der Handlungsdruck ist hoch – wer Risiken im Griff behalten will, muss Sicherheitsstrategien jetzt aktiv neu ausrichten. Erste Priorität hat die Aktualisierung bestehender Risikoanalysen: KI-basierte Angriffsszenarien müssen explizit berücksichtigt werden – insbesondere dort, wo Authentifizierungsverfahren, biometrische Erkennung oder automatisierte Transaktionen im Einsatz sind. Simulationen potenzieller Deepfake-Angriffe, synthetischer Transaktionsmuster und manipulierten Kundenverhaltens können helfen, bestehende Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.

Parallel dazu müssen Sicherheitsprozesse modularer und dynamischer werden. Klassische Firewalls und isolierte Systeme stoßen an ihre Grenzen. Stattdessen gewinnen XDR-Lösungen (Extended Detection and Response), Cloud-native Sicherheitsplattformen und KI-unterstützte Threat Feeds an Relevanz. Sie ermöglichen es, Signale aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen und verdächtige Aktivitäten nicht nur zu erkennen, sondern zu antizipieren.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zur IT-Sicherheit

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Ein dritter Handlungsstrang betrifft die Resilienz: IT-Teams sollten prüfen, inwiefern Geschäftsprozesse gegen KI-gestützte Angriffe abgesichert sind – etwa durch definierte Recovery-Pläne, redundante Kommunikationskanäle oder Schulungen, die gezielt auf generative Bedrohungsszenarien vorbereiten. Denn Sicherheit endet nicht beim System, sondern beginnt beim Verständnis.

Von der Verteidigung zur strategischen Positionierung

Die zunehmende Bedrohung durch generative KI verändert nicht nur die operative Sicherheitslage, sondern auch die Rolle der IT-Security im Unternehmen. War Cybersecurity früher ein unterstützendes Element der IT, wird sie jetzt zum strategischen Enabler. Nur wer seine digitalen Geschäftsmodelle resilient aufstellt, kann im Wettbewerb bestehen – insbesondere in einem Sektor, in dem Vertrauen das höchste Gut ist.

Für das Jahr 2025 bedeutet das: Sicherheitsarchitekturen müssen nicht nur technisch auf dem neuesten Stand sein, sondern auch kulturell verankert und strategisch gedacht werden. Führungskräfte im Finanzsektor sind jetzt gefragt, das Thema Cybersicherheit aus der operativen Nische zu holen – und in den Mittelpunkt digitaler Transformation zu rücken. Das gelingt nur, wenn Sicherheit als integraler Bestandteil aller Ebenen verstanden wird: von Produkten und Services über Anwendungen bis hin zum Kern des Geschäftsmodells. Wer diesen Wandel jetzt gestaltet, legt den Grundstein für digitale Resilienz und nachhaltiges Vertrauen.

Über die Autorin: Antonina Skrypnyk ist Head of Financial Services EMEA bei SoftServe. Sie verfügt über mehr als 17 Jahre Erfahrung in der strategischen und operativen IT-Beratung für Unternehmen aus dem Finanzsektor, dem Handel und dem öffentlichen Bereich. Zudem lehrt und coacht sie an der Growth Factor Academy und der UCU Business School mit Schwerpunkt auf Innovation und Lösungsentwicklung.

(ID:50480003)