Über 8,5 Millionen Windows-Geräte betroffen Vom Crowdstrike-Ausfall betroffen? Was jetzt zu tun ist!

Von Peter Schmitz 3 min Lesedauer

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Ein von CrowdStrike veröffentlichtes fehlerhaftes Update führte am vergangenen Freitag zu massiven globalen IT-Ausfällen. Die globalen Folgen dieses Ausfalls waren erheblich und trafen zahlreiche Branchen und kritische Infrastrukturen. Nach Angaben von Microsoft waren weltweit etwa 8,5 Mio. Windows-Geräte betroffen.

Ein von CrowdStrike verteiltes Update seiner Security-Software Falcon verursachte in Windows-Systemen einen kritischen Speicherfehler. Dadurch stürtzte Windows während des Bootvorgangs mit einem „Blue Screen of Death“ (BSOD) ab und war danach in einer Endlosschleife von Absturz und Neustart gefangen.(Bild:  rdomino - stock.adobe.com)
Ein von CrowdStrike verteiltes Update seiner Security-Software Falcon verursachte in Windows-Systemen einen kritischen Speicherfehler. Dadurch stürtzte Windows während des Bootvorgangs mit einem „Blue Screen of Death“ (BSOD) ab und war danach in einer Endlosschleife von Absturz und Neustart gefangen.
(Bild: rdomino - stock.adobe.com)

Das von CrowdStrike veröffentlichte, fehlerhafte Update des Falcon-Sensors führte am Freitag und am Wochenende weltweit zu IT-Ausfällen; das BSI stufte den Vorfall in die Bedrohungsstufe 3 / Orange ein. Dabei kam es auch zu erheblichen Störungen im Luftverkehr. Viele Fluggesellschaften, darunter Eurowings, American Airlines, United Airlines und Delta, mussten zahlreiche Flüge stornieren oder verschieben. Am Flughafen Zürich, dem britische Flughafen Gatwick sowie am internationalen Flughafen in Prag kam es zu Störungen und Verspätungen. Die Flugsicherung Skyguide reduzierte vorübergehend die Kapazität im Transitverkehr und für Anflüge auf Zürich um 30 Prozent, konnte diese Maßnahmen aber am Nachmittag wieder aufheben.

Banken weltweit und auch in Deutschland waren durch Betriebsstörungen stark betroffen. Nach Berichten des IT-Finanzmagazin waren unter anderem die Deutsche Bank, Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken betroffen. Kunden berichteten über Schwierigkeiten beim Zugang zu Geldautomaten, Online-Banking, sowie bei Zahlungen über Visa und Paypal.

Auch mehrere Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen meldeten Betriebsstörungen. Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) waren beide Standorte in Kiel und Lübeck betroffen, was zur Absage aller nicht-kritischen Eingriffe und zur Schließung der Ambulanzen führte. Trotz der IT-Probleme konnte die Notfallversorgung jedoch aufrechterhalten werden.

Neben den genannten Sektoren waren auch Medienunternehmen und diverse andere Geschäftszweige betroffen. Die IT-Ausfälle führten zu Betriebsunterbrechungen, die die tägliche Arbeit und den Kundenservice beeinträchtigten. Viele Unternehmen, die auf Cloud-Dienste und IT-Infrastrukturen angewiesen sind, mussten den Betrieb aufgrund der Störungen unterbrechen.

Was ist genau passiert?

Das von CrowdStrike verteilte Update des Falcon-Sensors enthielt eine fehlerhafte Treiberdatei namens "C-00000291.sys", die tief in das Windows-Betriebssystem integriert ist und einen kritischen Speicherfehler verursachte. Dieser sorgte dafür, dass Windows während des Bootvorgangs abstürzte und ein Blue Screen of Death (BSOD) angezeigt wurde. Da der fehlerhafte Treiber nach jedem Neustart weiterhin vorhanden war, gerieten die betroffenen Systeme in eine Endlosschleife von Abstürzen und Neustarts, wodurch sie unbrauchbar wurden und kritische Dienste zum Erliegen kamen.

Was können betroffene Unternehmen tun?

Um das Problem zu beheben müssen IT-Admins betroffene Systeme zunächst im abgesicherten Modus oder in der Windows-Wiederherstellungsumgebung starten. Ist das geschehen, gilt es zum Verzeichnis C:\Windows\System32\drivers\CrowdStrike zu navigieren und dort die Datei "C-00000291*.sys" zu suchen und zu löschen. Nach einen weiteren Neustart sollte das Problem behoben sein. Was bei einzelnen Rechnern oder Servern noch praktikabel ist, scheitert jedoch, wenn hunderte oder gar zehntausende Systeme betroffen sind.

Microsoft hat inzwischen ein spezielles Wiederherstellungstool veröffentlicht, das IT-Administratoren dabei helfen soll, die betroffenen Systeme zu reparieren. Dieses Tool kann von einem USB-Stick gestartet werden und automatisiert den Löschvorgang der problematischen Treiberdatei. Sogar Hyper-V-Systeme lassen sich mit dem Tool reparieren, wenn man das Wiederherstellungssystem in eine ISO-Datei schreibt.

Das Microsoft-Tool bietet zwei Optionen: „Recover from WinPE“ und „Recover from safe mode“. Die erste Option stellt Systeme schnell und direkt wieder her, indem es über USB in die Windows PE-Umgebung bootet, auf die Festplatte des betroffenen Rechners zugreift und die problematische CrowdStrike-Datei automatisch löscht, damit der Rechner ordnungsgemäß starten kann. Das Tool und erfordert keine lokalen Admin-Rechte. Sollte ein Laufwerk allerdings durch BitLocker verschlüsselt sein muss der BitLocker-Wieder­her­stellungs­schlüssel manuell eingegeben werden.

Die zweite Option „Wiederherstellung aus dem abgesicherten Modus“ ermöglicht die Wiederherstellung auf BitLocker-aktivierten Geräten, ohne dass die Eingabe von BitLocker-Wieder­her­stellungs­schlüsseln erforderlich ist. Um diese Option zu nutzen, muss der Admin allerdings Zugriff auf ein Konto mit lokalen Administratorrechten auf dem Gerät haben.

Für eine großflächige Bereitstellung in Unternehmensnetzwerken empfiehlt Microsoft einen PXE-Boot-Server einzurichten, um die reparierten Images über das Netzwerk zu verteilen und alle betroffenen Systeme zu patchen.

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Wiederherstellung von Cloud-Umgebungen in Azure und AWS

Für betroffene Azure-Systeme hat Microsoft eine ausführliche Anleitung zur Wiederherstellung veröffentlicht. Auch von AWS (Amazon Web Services) gibt es eine Beschreibung zur Reparatur betroffener EC2-Instanzen.

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