Agentenbasierte Abwehr Google Cloud und Wiz stellen umfangreiche KI-Funktionen vor

Von Melanie Staudacher 7 min Lesedauer

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Auf der Next 2026 in Las Vegas machte Google Cloud große Ankündigungen zu Lösungen, die den Einsatz von KI-Agenten vereinfachen. Damit die auch für Bedrohungsanalyse und Patch-Management funktionieren, integriert der Hersteller die Lösungen von Wiz und investiert weiter in sein Agentic SOC.

Die drei Wiz‑Agenten, die auf der Next 2026 vorgestellt wurden, simulieren Angriffe (Red), untersuchen Bedrohungen anhand von Cloud‑Telemetrie (Blue) und automatisieren die Behebung (Green), um Google‑Cloud‑Kunden dabei zu helfen, ausnutzbare Risiken schneller zu erkennen, Vorfälle effizient zu analysieren und Korrekturen rasch und sicher umzusetzen.(Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
Die drei Wiz‑Agenten, die auf der Next 2026 vorgestellt wurden, simulieren Angriffe (Red), untersuchen Bedrohungen anhand von Cloud‑Telemetrie (Blue) und automatisieren die Behebung (Green), um Google‑Cloud‑Kunden dabei zu helfen, ausnutzbare Risiken schneller zu erkennen, Vorfälle effizient zu analysieren und Korrekturen rasch und sicher umzusetzen.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Mit einer Summe von 32 Milliarden US-Dollar hat Google am 11. März 2026 die Übernahme von Wiz und damit den größten Kauf der Konzerngeschichte abgeschlossen. Bereits sechs Wochen später spielt das israelische Cloud-Sicherheitsunternehmen eine wichtige Rolle bei der Google Cloud Next 2026 und ist Teil diverser Security-Ankündigungen.

Schutz für KI- und Cloud-Anwendungen

Unternehmen aller Branchen stehen vor einer sich verschärfenden Sicher­heits­her­aus­for­der­ung. Während sie in komplexe Hybrid- und Multi-Cloud-Umgebungen expandieren, vergrößert sich ihre Angriffsfläche. Gleichzeitig implementieren Organisationen in rasantem Tempo KI-Agenten und speisen diese mit sensiblen, unternehmenseigenen Daten, um Geschäftsabläufe zu optimieren. Zeitgleich nutzen Angreifer KI als Waffe, um schnellere und raffiniertere At­ta­cken zu starten, die direkt auf diese neuen Unternehmensmodelle und auf kritische Daten abzielen, die diese antreiben.

Google Cloud bietet seinen Kunden bereits Unterstützung für den Schutz von KI- und Cloud-An­wendungen über verschiedene Plattformen und Modelle hinweg, die große Cloud-Um­ge­bun­gen wie Amazon Web Services, Microsoft Azure und Oracle Cloud, Software-as-a-Service-Um­ge­bun­gen wie OpenAI und kundenspezifische gehostete Umgebungen umfasst. Wiz soll diese Fähigkeiten nun erweitern, um die von Google-Kunden entwickelten und ausgeführten An­wen­dun­gen zu schützen. So soll sich KI sicherer und schneller einführen und gleichzeitig der KI-Entwicklungslebenszyklus besser schützen lassen.

Die neuen Lösungen für die „Agentic Defense“, die bei der Next 2026 vorgestellt wurden, umfassen:

  • Die AI Application Protection Platform (AI-APP) behandelt Sicherheitsaspekte von KI‑An­wen­dun­gen über alle Ebenen – Infrastruktur, Daten, Zugriff, Modelle/Agenten, Apps – von Entwicklung bis Laufzeit und bündelt Sichtbarkeit, Risikoanalyse und Laufzeitschutz auf einer Plattform. Neu ist die Unterstützung für Databricks und Agenten‑Studios (AWS Agent­core, Gemini Enterprise Agent Builder, Azure Copilot Studio, Salesforce Agentforce) sowie Integrationen mit Apigee, Cloudflare und Vercel zur Einordnung der externen Angriffsfläche.
  • Agentic Workflows stellt den neuen zentralen Hub zur Orchestrierung der Cloud- und KI-Sicherheit innerhalb von Wiz dar. Die Lösung kombiniert den Kontext von Wiz, die Analysen seiner KI-Agenten sowie eine anpassbare Drag-and-Drop-Benutzeroberfläche. Diese Kom­po­nenten sollen es Sicherheitsteams ermöglichen, die Abläufe ihrer Arbeit präzise zu de­fi­nieren, von den Zeitpunkten und der Art des Agenteneinsatzes bis hin zu den Stellen, an denen ein menschliches Eingreifen erforderlich ist.
  • Der Red Agent agiert Google Cloud zufolge wie ein hochspezialisierter Sicherheitsforscher, allerdings mit der Geschwindigkeit und Skalierbarkeit von Künstlicher Intelligenz. Er sei in der Lage, das Anwendungsverhalten logisch zu analysieren, seinen Ansatz in Echtzeit an­zu­pas­sen und ausnutzbare Risiken in Webanwendungen und APIs zu validieren. Sein Ziel ist es, Angreifern stets einen Schritt voraus zu sein.
  • Der Blue Agent sammelt Beweise aus Cloud-Telemetriedaten, Laufzeitsignalen und Iden­ti­täts­kon­tex­ten, um Bedrohungen zu untersuchen und deren potenzielles Ausmaß zu be­wer­ten. Dabei lege er seine gesamte Untersuchungslogik offen, damit Anwender diese für die Behebung von Bedrohungen nutzen können.
  • Der Green Agent fungiert als integrierte Engine für die Untersuchung und Fehlerbehebung, die kontinuierlich die kritischsten Risikofaktoren analysiert. Er agiere wie ein erfahrener Sicherheitsingenieur und verknüpfe Kontextinformationen aus dem gesamten Wiz-Öko­system, einschließlich des Security Graph, der Beziehungen zwischen Code und Cloud, der Identitätsverantwortlichkeiten sowie historischen Mustern zur Fehlerbehebung. Damit soll er in der Lage sein, die wahre Ursache eines Risikos sowie die sicherste und effektivste Lösung zu ermitteln. Zudem erhalten Teams umgebungsspezifische, schrittweise Anleitungen zur Fehlerbehebung.

Die Wiz-Agenten im Detail

Auf der Next 2026 haben wir nachgefragt, wie die drei Agenten von Wiz im Detail funktionieren, welche Abdeckung sie in Multi-Cloud- und SaaS-Umgebungen bieten und wie sie abgesichert sind. Die Frage nach der Abdeckung ist schnell beantwortet: Wis bietet eigenen Angaben nach Transparenz über alle großen Cloud Service Provider hinweg, einschließlich AWS, Azure, GCP, Oracle Cloud und Alibaba. Auf der Next-Konferenz hat der Hersteller zudem die Unterstützung für Databrick angekündigt.

Doch wie integriert sich Wiz in das „Agentic SOC“ von Google? „Wiz integriert sich in 'Google Security Operations', indem es Erkenntnisse zur Cloud-Sicherheit sowie angereicherte Kontextinformationen, die über den eigenen 'Security Graph' generiert wurden, mit der Plattform teilt“, erklärt Maximilian Siegert, Director of Solutions Engineering bei Wiz „Dies umfasst Einblicke in Schwachstellen, Fehlkonfigurationen und Risiko-Beziehungen quer durch die verschiedenen Cloud-Umgebungen. Innerhalb von 'Google SecOps' können diese Informationen gemeinsam mit anderen Sicherheits-Telemetriedaten genutzt werden, um Workflows in den Bereichen Untersuchung, Korrelation und Reaktion zu unterstützen.“ Wiz fungiere somit als Multi-Cloud-Sicherheitsplattform und schreibe die Nutzung der spezifischen Tools eines einzelnen Cloud-Anbieters nicht vor. Wichtig hierzu ist zu wissen, dass Google Security Operations die cloudnative SecOps‑Plattform (ehemals Chronicle) ist, die für Erkennung, Untersuchung und Reaktion zuständig ist. Das Agentic SOC ist ein darauf aufbauendes KI‑gestütztes Betriebsmodell, in dem autonome Agenten Alarme priorisieren, die Forensik durchführen und Maßnahmen vorschlagen oder unter Führung von Analysten ausführen.

Die Wiz-Agents agieren im Backend der Wiz Security Platform, die in Google Security Operations integriert ist. Sie helfen Unternehmen dabei, Cloud- und KI-Risiken zu identifizieren, zu untersuchen und zu beheben. Sie übernehmen dabei das sichere Authentifizierungs-Framework, das bereits von der Plattform etabliert wurde. Siegert erklärt die Funktionsweisen der KI-Agenten genauer. „Der Red Agent analysiert API-Spezifikationen, um die Funktionsweise jedes Endpunkts zu verstehen. Er leitet logisch ab, wie dieser potenziell ausgenutzt werden könnte und passt sein Vorgehen dynamisch an die beobachteten Gegebenheiten an. Er verknüpft mehrstufige Angriffsszenarien auf dieselbe Weise, wie es ein erfahrener Penetrationstester tun würde. Und sobald er eine Schwachstelle entdeckt, validiert er diese durch konkrete Beweise. Bei 'High'- und 'Critical'-Ergebnissen des Red Agent werden Wiz-Issues generiert, deren Auswirkungen bereits validiert wurden und bei denen nachweislich ein Risiko besteht, das von außen ausgenutzt werden kann. Dadurch können die zuständigen Teams diese Probleme sofort priorisieren.“

Der Blue Agent, dessen Aufgabe es ist, Untersuchungsprozesse zu automatisieren, nutze dafür Cloud-Telemetriedaten, Laufzeitsignale und Identitätskontexte, die er mithilfe des Wiz Security Graph miteinander korreliere. „Er gewährleistet einen transparenten Untersuchungsprozess, sodass Analysten genau nachvollziehen können, welche Fragen gestellt wurden, welche Daten abgerufen wurden und welchen Einfluss jedes einzelne Signal auf das endgültige Urteil hatte.“

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Danachn führe der Green Agent domänenübergreifende Untersuchungen innerhalb der verschiedenen Risikobereiche von Wiz durch und analysiere jedes Issue auf der Grundlage bewährter Methodiken, wie etwa der Eindämmung von Risiken vor der eigentlichen Fehlerbehebung oder der Auswahl von Behebungsmaßnahmen, die der jeweiligen Systemebene angemessen seien. „Auf diesem Fundament baut der Green Agent eine dynamische, auf Large Language Models basierende Logik auf, um jedes Issue im jeweiligen Kontext zu bewerten“, ergänzt Siegert. „Er verknüpft Signale, validiert Angriffspfade und identifiziert die tatsächliche Ursache des Problems. Nach Abschluss der Untersuchung wird jedes Issue mit einem klaren Urteil versehen, entweder „'Remediate' 'Ignore', ergänzt durch einen Konfidenzwert sowie Vorschläge zur Anpassung der Risikopriorität. Diese Empfehlung wird bei den wichtigsten Issues sofort hervorgehoben und durch eine prägnante Zusammenfassung ergänzt, die die nächsten Schritte zur Problemlösung erläutert und deren Relevanz begründet. Auf dieser Grundlage können die Teams unmittelbar tätig werden. Der Green Agent ermöglicht eine Zuweisung des Issues per Mausklick an den identifizierten Verantwortlichen und generiert gleichzeitig detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Fehlerbehebung, inklusive exakter Code-Korrekturen, die passgenau auf die jeweilige Umgebung zugeschnitten sind.“

Um die LLM- und Agent-Workloads abzusichern, steht die Wiz AI Application Protection Platform (AI-APP) bereit. Die Plattform liefere End-to-End-Sicherheit, indem sie Transparenz über den gesamten AI-Anwendungs-Stack ermögliche, Risiken über Infrastruktur, Modelle, Daten und Anwendungslogik hinweg korreliere, um Angriffspfade zu identifizieren, und die Laufzeitaktivitäten über die Modell-, Workload- und Cloud-Ebenen hinweg kontinuierlich überwache.

Google Clouds Agentic SOC

Die Neuheiten in Zusammenarbeit mit Wiz sind nicht die einzigen sicherheitsbezogenen Pro­dukt­ankündigungen der Next 2026. Google Cloud verstärkt außerdem seine Investitionen in das Agentic SOC. Dieses wurde erstmals bei der RSA Conference 2025 vorgestellt. Auf der Next 2026 erhielten Kunden während Hand-on Sessions die Chance, ihre Kenntnisse zu vertiefen und die neuen Lösungen den „SecOps Alert Triage Agent“ und „Agentic Google Threat In­tel­li­gence“ kennenzulernen.

Letzteres ist eine KI‑gestützte Erweiterung von Googles Threat Intelligence, bei der autonome Agenten Bedrohungen recherchieren, Malware analysieren und Erkenntnisse auf das eigene Umfeld beziehen. Sie liefert umsetzbare Ergebnisse wie kontextualisierte IoCs, TTP‑Zu­sam­men­fas­sun­gen und Handlungsempfehlungen und speist Enrichment, Hunting und Erkennungen direkt in Google Security Operations ein. SecOps Alert Triage Agent ist ein KI-Agent, der ein­gehende Sicherheitsalarme automatisch anreichert und untersucht, Alarme korreliert und priorisiert, eine evidenzgestützte Entscheidung samt Handlungsempfehlungen liefert und jeden Schritt auditierbar protokolliert. Damit sollen Alert‑Fatigue sowie der Tier‑1/2‑Aufwand sinken.

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