Interview mit Jan Oetjen, CEO Web.de und GMX

Ist Mail-Verkehr zwischen GMX- und Web.de-Nutzern sicher vor Prism?

| Autor / Redakteur: Das Interview führte Dr. Stefan Riedl / Peter Schmitz

Geheimdienste überwachen den Datenverkehr in Deutschland.
Geheimdienste überwachen den Datenverkehr in Deutschland. ( © beermedia - Fotolia)

Nach den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden müssen Sicherheitsparadigmen neu ausgelotet werden. Jan Oetjen, Geschäftsführer Web.de und GMX, geht davon aus, dass E-Mails, die zwischen Web.de- und GMX-Nutzern versendet werden, vor Geheimdienst-Zugriffen geschützt sind. Security-Insider.de hakte nach, gibt aber keine Gewähr.

Security-Insider: Herr Oetjen, eine aktuelle Studie aus Ihrem Hause, die nach den Prism-Enthüllungen vorgenommen wurde, zeigt, dass immer mehr Internet-Nutzer in Folge des Überwachungsskandals amerikanische Anbieter meiden. Überrascht Sie das Ergebnis?

Jan Oetjen, Geschäftsführer Web.de und GMX
Jan Oetjen, Geschäftsführer Web.de und GMX (Bild: 1&1)

Oetjen: Nein. Das Vertrauen in ausländische Onlinedienste ist seit Jahren rückläufig. 2010 äußerten bereits lediglich 22 Prozent keine Bedenken zu haben bei US-Anbietern private Daten zu speichern, letztes Jahr waren es sogar nur noch 15 Prozent. Bei den übrigen dominieren Misstrauen oder Unsicherheit. Dieses Unbehagen hat jetzt durch Prism und Tempora eine völlig neue Qualität bekommen. Ich bin überzeugt, dass die Entwicklung sich weiter verstärkt.

Security-Insider: Zumal die Gerüchteküche brodelt und wir das tatsächliche Ausmaß der Spionageprogramme noch nicht kennen.

Oetjen: Das fördert sicher noch einmal die Gerüchteküche. Die Tatsache, dass scheinbar gerade Deutschland im Fadenkreuz der Überwachung steht, verstärkt das wachsende Misstrauen sicher weiter.

Security-Insider: Ganz direkt gefragt: Hat die NSA auch Zugriff auf Nutzerdaten von GMX und Web.de und auf Mail-Inhalte?

Oetjen: Einen direkten Zugriff auf unsere eigene Server-Infrastruktur gemäß der Prism-Enthüllung ist in Deutschland schon rein juristisch ausgeschlossen, weil unsere Rechtsprechung nur Einzelanfragen deutscher Behörden aufgrund einer richterlichen Anordnung erlaubt. Für E-Mails, die unsere eigene sichere Infrastruktur verlassen, zum Beispiel Mails an US-Anbieter, können wir dies natürlich nicht ausschließen. Hier sind sowohl der Übertragungsweg wie auch der Speicherort des US-Anbieters im möglichen Zugriff.

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