Weiterbildung in der Cyberabwehr Security-Teams brauchen KI-Training, nicht nur KI-Tools

Ein Gastbeitrag von Casey Marks, Ph.D. 6 min Lesedauer

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Mit KI schützen Security-Teams nicht mehr nur Netze und Daten, sondern auch Modelle, die selbst entscheiden und handeln. Dafür reicht bewährtes Fachwissen nicht mehr, und das Lerntempo steigt. Was Arbeitgeber jetzt in Kompetenzen investieren, entscheidet, ob KI die Abwehr stärkt oder zum Risiko wird.

KI berührt inzwischen fast jeden Arbeitsbereich der Cybersicherheit. Wer Teams dafür nicht schult, überlässt Modelle und automatisierte Aktionen sich selbst.(Bild: ©  tadamichi - stock.adobe.com)
KI berührt inzwischen fast jeden Arbeitsbereich der Cybersicherheit. Wer Teams dafür nicht schult, überlässt Modelle und automatisierte Aktionen sich selbst.
(Bild: © tadamichi - stock.adobe.com)

Künstliche Intelligenz (KI) verändert den Arbeitsalltag im Bereich Cybersicherheit grundlegend. Der Einsatz von KI betrifft alle Bereiche in Unternehmen, geht über das traditionelle Tool-Set von Cyber­sicher­heits­experten hinaus und belastet gleichzeitig die Mittel, die ihren Gegen­spielern scheinbar endlos zur Verfügung stehen.

Neben der Bewältigung neuer Bedrohungen müssen Cybersecurity-Teams auch KI-Modelle und -Integrationen berücksichtigen, beginnend mit der Bedrohungserkennung und Abwehr über das Identitäts- und Zugriffsmanagement bis hin zu Governance und Risikomanagement. Daher ist es die Aufgabe aller, die über Zertifizierungen im Bereich Cybersicherheit verfügen, proaktiv nach Möglichkeiten zu suchen, neue Fähigkeiten aufzubauen und sich über die neuesten Technologien und Praktiken auf dem Laufenden zu halten. Denn KI verlangt, das Lerntempo zu beschleunigen.

Unter den Befragten der ISC2 2025 Cybersecurity Workforce Study, die mindestens einen Qualifikationsbedarf bestätigten, war KI mit 41 Prozent an erster Stelle. Allerdings sollten der Erwerb, die Prüfung und der Nachweis von KI-Fähigkeiten niemals eine isolierte oder nachträgliche Maßnahme sein, die allein aus der Angst heraus entsteht, den Anschluss an die KI-Entwicklung zu verlieren. Vielmehr ist es sinnvoll, eine KI- und kompetenzorientierte Denkweise untrennbar mit den Cyber­sicher­heits- und Risikomanagementstrategien eines Unternehmens zu verknüpfen. Diesbezüglich steht die Frage im Raum, ob Cyber­sicher­heits­-Teams bereit sind, diesen Wandel im Denken anzunehmen.

Notwendige KI-Fähigkeiten in der Cybersicherheit für eine bessere Verteidigung

Da Fachwissen im Bereich KI-Sicherheit für die Aufrechterhaltung wirksamer Cyber­sicher­heits­fähig­keiten immer unverzichtbarer wird, scheinen die Cybersecurity-Fachkräfte sowohl das Potenzial als auch die Risiken der KI zu erkennen. Eine tiefere Analyse der Cybersecurity Workforce Study zeigt, dass 28 Prozent der weltweit Befragten bereits KI-Sicherheitswerkzeuge in ihre Abläufe integriert haben. Dazu gehören KI-basierte Sicherheitslösungen, generative KI und agentenbasierte KI, die Maßnahmen automatisiert durchführen können. Weitere 41 Pro­zent der Befragten geben an, dass sie derzeit KI-gestützte Sicherheitswerkzeuge evaluieren oder testen. Das ist ein Indiz für starkes Interesse, das mit einer gebotenen Sorgfalt einhergeht.

Diese scheinbar zurückhaltende Dynamik spiegelt das wachsende Bewusstsein wider, dass KI kein Allheilmittel oder eine Plug-and-Play-Lösung ist. Vielmehr erfordert sie eine operative Bereitschaft auf menschlicher Ebene, in Prozessen und in der Technologie. Von Cyber­sicher­heits­experten wird zunehmend erwartet, dass sie ihr Fachwissen im Kontext KI-gestützter Technologien anwenden, was neben bewährten Praktiken auch die kontinuierliche Entwicklung neuer Kompetenzen erfordert.

Die folgende Übersicht zeigt, in welchen Bereichen Cyber­sicher­heits­experten ihre Kom­pe­ten­zen und Fähigkeiten im Zuge der Weiterentwicklung der KI ausbauen können:

  • Sicherheit und Risikomanagement: Das Verständnis, wie KI-Ressourcen die Risikoposition einer Organisation verändern.
  • Asset-Sicherheit: Die Gewährleistung der Datenintegrität über den gesamten KI-Lebenszyklus hinweg. Dazu zählt auch das Sicherstellen, dass die Informationen, die zur „Schulung“ dieser Systeme verwendet werden, nicht von böswilligen Akteuren manipuliert wurden.
  • Sicherheitsarchitektur und -engineering: Die Gestaltung sicherer Enklaven für Hochleistungs-KI-Berechnungen sowie die Implementierung robuster Eingabevalidierungsmechanismen zur Abwehr von Prompt-Injection- und adversarialen Angriffen.
  • Identitäts- und Zugriffsmanagement (IAM): Die Nutzung von KI zur Verbesserung des IAM durch verhaltensbasierte Biometrie und adaptive Authentifizierung.
  • Operationale Sicherheit: Die Integration von KI und maschinellem Lernen in Plattformen für Security Orchestration, Automation und Response (SOAR). Darüber hinaus gehören die Bewältigung der Alarmmüdigkeit durch den Einsatz von KI sowie Sicherheitsanalysten mit hochwertigen Kontextinformationen für eine schnellere Reaktion dazu.
  • Sicherheit in der Softwareentwicklung: Die Verwendung KI-gestützter Programmier­tools unter Berücksichtigung der Risiken von „halluzinierten“ Schwachstellen oder der ver­se­hent­lich­en Einbindung unsicherer Code-Snippets, die von großen Sprachmodellen generiert werden.

Stärkung des organisatorischen Engagements für KI-Sicherheitsbereitschaft

Die Entwicklung von KI-bezogenen Fähigkeiten ist keinesfalls eine Nischenkompetenz, eine isolierte Fähigkeit oder schlimmer noch ein nachträglicher Gedanke. Stattdessen muss KI-Sicherheit in jede Ebene einer Cyber­sicher­heits­strategie und eines Risikorahmens integriert werden. Es beeinflusst, wie Securityexperten, von Sicherheitsanalysten bis hin zu CISOs, über Risiken, Verteidigung und Reaktion nachdenken. Die am besten vorbereiteten Organisationen werden diejenigen sein, die gezielt Teams für die Bewältigung einer realen Cyberabwehr in einer KI-gestützten Umgebung aufbauen.

Organisationen können in die fortschrittlichsten KI-gestützten Plattformen investieren, doch ohne Cyber­sicher­heits­fachkräfte, die verstehen, wie diese Tools und Taktiken funktionieren und wo ihre Grenzen liegen, bleibt das Risiko bestehen. Darüber hinaus muss die Integration von KI in Unternehmensumgebungen von einer KI-Governance-Strategie begleitet werden. Diese Strategie sollte jedem KI-Einsatz vorausgehen, da sie die Verantwortlichkeiten und sich wei­ter­ent­wickelnde Fähigkeiten im Bereich Cybersicherheit verändert. Eine klare Governance dient den Fachkräften als Orientierung. Denn von ihnen wird erwartet, dass sie trotz begrenzter Kontextinformationen ein großes Maß an kritischem Denken, logischem Schlussfolgern und Urteilsvermögen an den Tag legen. Genau diese Fähigkeiten gewinnen aufgrund der weit­rei­chen­den Auswirkungen der KI auf die Cyber­sicher­heits­praktiken weiter an Bedeutung.

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KI-Projekte sollten denselben Governance-Prinzipien folgen wie andere Technologieprojekte, einschließlich Risikobewertung und Evaluierungsphasen. Unternehmen gehen bei der Ein­führung von KI in der Cybersicherheit behutsam vor. Dies weist darauf hin, dass sie zu­neh­mend erkennen, wie wichtig es ist, die Risiken und Chancen von KI-Sicherheitstools vor dem Einsatz sorgfältig zu prüfen. Der transformative Erfolg der KI-Einführung hängt davon ab, wie gut die Menschen darauf vorbereitet sind, KI-Sicherheitstools zu nutzen und sich gegen den missbräuchlichen Einsatz von KI für Cyberangriffe zu schützen.

Investitionen in KI-Sicherheitsfähigkeiten sind die Grundlage für Vertrauen

Durch die Integration von KI in Unternehmenssysteme müssen Cyber­sicher­heits­fachkräfte nicht nur Infrastruktur und Daten, sondern auch Modelle, Entscheidungslogik und auto­mati­sierte Aktionen schützen, die mit Maschinengeschwindigkeit laufen. Diese Anpassung verändert grundlegend, was eine wirksame Cyber­sicher­heits­praxis ausmacht und erhöht nicht nur die Anforderungen an die berufliche Kompetenz, sondern auch an die operationelle Bereitschaft insgesamt. Daher liegt die Verantwortung für die Weiterbildung nicht allein bei den Cyber­sicher­heits­fachkräften. Auch die Arbeitgeber müssen in ihre Teams investieren.

Laut der ISC2 Cybersecurity Workforce Study 2025 betrachten die Befragten KI eher als Katalysator für Karrierechancen, denn als Bedrohung. Zwei Drittel (66 Prozent) sagten, dass KI einen Bedarf an breiteren Fähigkeiten im Bereich Cybersicherheit schaffen wird. Glück­licher­weise berichteten die meisten Teilnehmenden (94 Prozent), dass ihre Organisationen nicht einfach nur neue Mitarbeiter einstellen, sondern Maßnahmen ergreifen, um den Auswirkungen von Qualifikationsdefiziten in Sicherheits-Teams entgegenzuwirken.

Viele der von den Studienteilnehmern geschätzten Maßnahmen konzentrieren sich auf Weiterbildung. Die häufigsten Ansätze umfassen die Bereitstellung von Zeit für die berufliche Weiterentwicklung während der Arbeitszeit (28 Prozent), die Bereitstellung von Budgets für interne Schulungen (24 Prozent) und die Bereitstellung von Budgets für externe Schulungen (19 Prozent). Es ist entscheidend, die berufliche Weiterentwicklung auf den Erwerb von KI-Fähig­keiten auszurichten. Strukturierte Kompetenzentwicklung und kontinuierliche berufliche Weiterbildung (z. B. durch Kurse, Workshops, Zertifikate und Peer-to-Peer-Austausch) stellen sicher, dass Fachkräfte im Bereich Cybersicherheit relevante und praxisnahe Fähigkeiten nachweisen können.

Nahezu jeder Kernbereich der Cybersicherheit wird in irgendeiner Weise von KI berührt. Folglich können Cyber­sicher­heits­profis nur dann gegen den missbräuchlichen Einsatz von KI und die damit einhergehenden schwerwiegenden Cyber-Schäden vorgehen, wenn KI-Kom­pe­ten­zen in allen Kernbereichen der Cybersicherheit verankert werden. Organisationen, die in Personal, Prozesse und Technologie investieren und sicherzustellen, dass KI in ihre Kernbereiche der Cybersicherheit integriert wird, schaffen das Vertrauen, das für Innovationen innerhalb der Parameter fortschrittlicher KI-Sicherheitsvorkehrungen, Leitlinien und Governance erforderlich ist.

Über den Autor: Casey Marks, Ph.D. ist Chief Operating Officer (COO) bei ISC2. Er ist für die Vision, Strategie, das Design, die Entwicklung und die Umsetzung der Produkte von ISC2 verantwortlich. Als leitender Manager entwickelt er psychometrisch fundierte und rechtlich abgesicherte Zertifizierungen für die Informationssicherheit, die auf die Mission und Vision von ISC2 einzahlen. Casye Marks blickt auf 20 Jahre Erfahrung im Bereich groß angelegter Bewertungen zurück und hat in dieser Zeit zahlreiche Veröffentlichungen verfasst und Vorträge gehalten. Er gilt als Experte für Themen im Zusammenhang mit der Einführung und dem Anbieterwechsel beim computergestützten Testing (Computer Based Testing) für wichtige, groß angelegte Prüfungsprogramme, der internationalen Ausweitung von Programmen sowie der Prüfungssicherheit.

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