Ransomware-Angriffe nehmen zu – auch bedingt durch den vermehrten Einsatz Künstlicher Intelligenz. Häufig bezahlen Unternehmen das Lösegeld in der Hoffnung, ihre Daten wiederzubekommen. Doch diese Hoffnung ist oft fatal.
Lösegeldzahlungen nach Ransomware-Angriffen führen selten zum gewünschten Erfolg, nämlich zur vollständigen Entschlüsselung der Daten.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
63 Prozent der deutschen Unternehmen, die im Rahmen der jährlichen Ransomware-Studie von Cybereason befragt wurden, waren in den vergangenen 24 Monaten von mehr als einem Ransomware-Angriff betroffen. Geschuldet ist das unter anderem so genannten Ransomware-as-a-Service-Angeboten, über die selbst Bedrohungsakteure ohne technisches Knowhow Angriffe durchführen können.
Es gibt keine Garantie, dass die Angreifer Ihre Daten nicht auf dem Schwarzmarkt verkaufen.
Greg Day, Cybereason
Erschreckend: Ein knappes Drittel (31 %) der angegriffenen Unternehmen hatte keine Sicherheitskopie der Daten. Deshalb zahlten sie das geforderte Lösegeld. Allerdings erhielten davon nur 32 Prozent ihre Daten unbeschädigt zurück. Und selbst in diesem Fall „gibt es keine Garantie, dass die Angreifer Ihre Daten nicht auf dem Schwarzmarkt verkaufen, dass Sie Ihre Dateien und Systeme vollständig zurückerhalten oder dass Sie nicht erneut angegriffen werden“, erklärt Greg Day, Global Field CISO (VP) bei Cybereason, besorgt. Denn die Untersuchung ergab, dass 80 Prozent der deutschen Unternehmen nach der Zahlung ein weiteres Mal angegriffen und 63 Prozent ein zweites Mal zur Zahlung aufgefordert wurden.
Dem jährlichen Arctic Wolf Labs Threat Report zufolge verweigern immer mehr Opfer die Zahlung. Diese Haltung sowie internationale Strafverfolgungsmaßnahmen treiben Ransomware-Angreifer in die Enge. Die Folge: Sie erweitern ihre Zielgruppe und verlangen mehr Geld. „Die Bedrohungsakteure treiben die Lösegelder in die Höhe, führen härtere Verhandlungen, stellen Unternehmen noch aggressiver auf Leak-Seiten bloß und experimentieren mit neuen Angriffstaktiken “, erklärt Dr. Sebastian Schmerl, Regional Vice President Security Services EMEA bei Arctic Wolf.
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Hohe Kosten
Die Forderungen der Angreifer werden immer dreister. So stieg die durchschnittliche initiale Lösegeldforderung laut Arctic Wolf im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent auf 600.000 US-Dollar. Doch die Kosten einer Ransomware-Attacke belaufen sich nicht nur auf das Lösegeld. Der Gesamtschaden umfasst weit mehr. 33 Prozent der von Cybereason deutschen Befragten verbuchen Kosten für Rücktritte von Fachkräften aus den Reihen des C-Level, 32 Prozent haben Umsatzeinbußen durch die vorübergehende Schließung des Unternehmens. Entgangene Gewinne (31 %), Imageschäden (29 %) und daraus resultierende Entlassungen (27 %) sind ebenfalls nicht zu unterschätzende Folgekosten.
46 Prozent aller Befragten nennen eine Summe zwischen 1 bis 10 Millionen US-Dollar als Gesamtschaden. 16 Prozent schätzen diesen sogar auf mehr als 10 Millionen US-Dollar.
„Die diesjährige Studie zeigt, dass die meisten Unternehmen zwar über eine Ransomware-Strategie verfügen, diese aber unvollständig ist. Es fehlt entweder an einem dokumentierten Plan oder an den richtigen Personen, die ihn umsetzen“, führt Day aus. Nur 41 Prozent aller Befragten glauben, dass sie über die richtigen Mitarbeiter und Pläne verfügen, um den nächsten Angriff zu bewältigen. Das bestätigt auch Dr. Schmerl: „Die IT-Teams sind dünn besetzt, verfügen über begrenztes Security-Wissen und haben wenig Zeit, weil sie mit administrativen Aufgaben mehr als ausgelastet sind.“
Nach einem Angriff erhöhten zwar 90 Prozent ihre Ausgaben für Cybersicherheit, dennoch sollten sie sich besser auf Erkennungs- und Präventionstaktiken konzentrieren, um Ransomware-Angriffe zu stoppen, bevor materieller Schaden entsteht, empfiehlt die Cybereason-Studie. Entsprechende Absicherungen sind auch Voraussetzungen für den Abschluss einer Cyberversicherung. „Angriffe über Schwachstellen, für die bereits Patches verfügbar sind, sind einfach vermeidbar: Patch einspielen, fertig. Doch leider sieht die Alltagsrealität in vielen Unternehmen anders aus“, bedauert Dr. Schmerl.
Oft sehen sich Unternehmen nicht im Ziel der Angreifer, weil sie sich zu klein schätzen, um von Interesse zu sein. Doch gerade diese meist schlecht gesicherten Unternehmen sind in puncto Lieferkette ein leicht zu nehmendes Einfallstor für die Cyberkriminellen. Somit werden sie zur Gefahr für die größeren Partnerunternehmen. Immerhin knapp die Hälfte (47 %) der Angriffe auf größere deutsche Unternehmen erfolgte über einen kleineren Partner in der Lieferkette. „Potenziell können Unternehmen aller Größen und Industrien ins Visier der Täter geraten“, weiß Dr. Schmerl.
Wenn man sich auf die am häufigsten ausgenutzten Schwachstellen konzentriert, kann man den Bedrohungsakteuren das Leben bereits deutlich erschweren.
Dr. Schmerl, Arctic Wolf
Dass allerdings 60 Prozent der von Cybereason deutschen Befragten den Angriff erst nach drei bis zwölf Monaten entdeckten, lässt auf deren eigene ungenügende Absicherung schließen. „Die immer raffinierteren Vorgehensweisen, beispielsweise KI-generierte Phishing-Mails, machen es immer schwieriger, Angriffe sofort als solche zu erkennen. Daher steigt die Bedeutung eines konsequenten 24/7 Security-Monitorings inklusive Anomalie-Detection und robusten Incident-Response-Prozessen, um im Angriffsfall schnell reagieren zu können“, empfiehlt Dr. Schmerl. Außerdem rät er: „Wenn man sich auf die am häufigsten ausgenutzten Schwachstellen konzentriert, kann man den Bedrohungsakteuren das Leben bereits deutlich erschweren. Outsourcing und die Zusammenarbeit mit einem Security-Partner können zudem Abhilfe schaffen, die eigenen Teams unterstützen und die Sicherheitslage langfristig verbessern.“
Stand: 08.12.2025
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Arctic Wolf Labs Threat Report 2024
Der Arctic Wolf Labs Threat Report 2024 kann nach Registrierung kostenfrei heruntergeladen werden.
Ransomware: Die wahren Kosten für deutsche Unternehmen 2024
Die Untersuchung für den 3. Report wurde von Censuswide im Auftrag von Cybereason durchgeführt. Insgesamt nahmen 1.009 Cybersicherheitsexperten aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern an der Umfrage teil. Die Teilnehmer stammen aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Die Umfrage umfasst Antworten aus einer Vielzahl von Branchen, darunter IT und Telekommunikation, Fertigung und Versorgungsunternehmen sowie Einzelhandel, Gastronomie und Freizeit.