Statement Mit KI, digitaler Souveränität und Fachkräften zu mehr Resilienz

Ein Gastkommentar von Andreas Lüning 4 min Lesedauer

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Europa steht bei Künstlicher Intelligenz, digitaler Souveränität und Fach­kräftesicherung unter Zugzwang: Nur wer eigene Kompetenzen, transpa­ren­te KI-Systeme und starke Cybersicherheit aufbaut, stärkt seine Wider­stands­kraft im digitalen Raum.

Das Trend-Statement von Andreas Lüning, G DATA, beleuchtet  wie die Grundlage für widerstandsfähige Infrastrukturen in den nächsten Jahren geschafft werden kann.(Bild:  D DATA)
Das Trend-Statement von Andreas Lüning, G DATA, beleuchtet wie die Grundlage für widerstandsfähige Infrastrukturen in den nächsten Jahren geschafft werden kann.
(Bild: D DATA)

Wenn wir heute über KI-Systeme sprechen, stehen meist die Modelle großer Hyperscaler im Mittelpunkt. Diese Systeme überzeugen zwar durch ihre Leistungsfähigkeit und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Doch sie sind oft Blackboxes: Die Herkunft der Daten, die Trai­nings­pro­zesse und die internen Kontrollmechanismen liegen außerhalb des europäischen Einfluss­be­reichs. Das schränkt für europäische Unternehmen die digitale Souveränität ein. Ins­besondere wenn sensible Daten oder Compliance-Anforderungen nach EU-Recht wichtiger werden.

Für den Einsatz von effizienzsteigernder KI braucht es jedoch häufig spezialisierte, tran­spa­ren­te und zu­ver­lässig regelkonforme Systeme. Kleinere oder selbst entwickelte Modelle lassen sich auf interne Daten abstimmen und bieten mehr Kontrolle. Gleich­zeitig lassen sie sich präzise an EU-Regularien wie den AI Act anpassen. Dadurch schaffen sie nicht nur Vertrauen, sondern auch technische Unabhängigkeit von globalen Anbietern.

Gleichzeitig steigt das Risiko, dass Cyberkriminelle große oder selbst trainierte KI-Systeme für Angriffe missbrauchen. Angreifer nutzen KI, um Phishing-Attacken zu perfektionieren, Schwach­stellen schneller aufzuspüren oder Malware dynamisch anzupassen. Je lei­stungs­fähiger die Modelle sind, desto größer wird das Potenzial für automatisierte, hochgradig personalisierte Angriffe.

Damit wird klar: KI birgt sowohl Chancen als auch Risiken. Europa braucht also eigene, souveräne Systeme – und zugleich starke Schutzmechanismen, um KI-gestützte Angriffe wirkungsvoll abzuwehren.

KI, Angriffsfläche und digitale Souveränität

Digitale Souveränität wird in Europa und besonders in Deutschland zwar häufig als stra­te­gi­sches Ziel genannt, doch die Definitionen reichen dabei von bloßer digitaler Hand­lungs­fä­hig­keit bis hin zu umfassender technologischer Autarkie. Während einige Handelnde darun­ter vor allem verstehen, digitale Technologien sicher auszuwählen, zu integrieren und zu betreiben, for­mu­lieren andere deutlich ambitioniertere Ziele: eigene Plattformen, eigene KI-Systeme und eigene Infrastrukturen. Diese Bandbreite zeigt sich nicht nur in der Wirtschaft, sondern ins­be­sondere in der Verwaltung – von Kommunen über Länder bis hin zum Bund. Gerade dort ist die Abhängigkeit von externen Systemen besonders spürbar. Beispielsweise wenn sicher­heits­re­le­vante Applikationen auf nicht-europäische Dienste an­ge­wiesen sind oder sich Moder­ni­sier­ungs­prozesse aufgrund fehlender eigener Technologien verzögern.

In der Cybersicherheit wird sichtbar, wie kritisch diese strukturelle Abhängigkeit ist. Ohne eigene digitale Kernkompetenzen bleibt Europa anfällig für Sicherheitslücken, geopolitische Einflussnahmen und extern gesetzte Prioritäten. Eine reine Aufholjagd – also das Hin­ter­her­laufen hinter globalen Technologieführern – ist unrealistisch und verstärkt die Abhängigkeit langfristig sogar.

Deshalb sind entschlossene und nachhaltige Investitionen in Forschung, Fachkräfte, eigene technische Standards sowie eine klare Zukunftsvision in Verwaltung und Wirtschaft notwendig. Europa und Deutschland müssen wieder selbst gestalten, statt nur zu nutzen. Nur durch ei­gen­stän­dige Innovationen wird digitale Souveränität zu einem realistischen Ziel und bildet so die Basis für eine sichere, selbstbestimmte digitale Zukunft.

Kompetenzen, Standards und Fachkräfte für digitale Resilienz

Der Fachkräftemangel in der IT- und Informationssicherheit wird immer mehr zu einem zen­tra­len Risiko für die digitale Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Cybersicherheit ist die Grund­lage jeder nachhaltigen Digitalisierung, doch sie ist nicht nur eine Frage der richtigen Software oder geeigneter Produkte. Von entscheidender Bedeutung ist das Wissen der Men­schen, die diese Systeme planen, betreiben, überwachen und weiterentwickeln. Fehlen qualifizierte Fachkräfte, bleiben selbst modernste Sicherheitslösungen wirkungslos. Gleichzeitig steigen die Anfor­der­ungen rasant: Komplexere IT-Landschaften, regulierte Branchen, KI-gestützte Angriffe und die steigende Bedeutung kritischer Infrastrukturen erfordern tiefes und spezialisiertes Fachwissen.

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Ein wesentlicher Schritt bildet die Stärkung des Berufsbilds in der Breite – beispielsweise durch die Einführung eines anerkannten Ausbildungsberuf, etwa „Fachinformatiker für IT-Sicherheit“ oder prägnanter „Fachkraft für Informationssicherheit“. Dieses Berufsbild könnte Jugendlichen frühzeitig aufzeigen, dass Informationssicherheit ein eigenständiger, attraktiver und ge­sell­schaft­lich relevanter Berufsweg ist. Viele Nachwuchskräfte stoßen erst spät oder zufällig auf diese Disziplin. Eine formelle Ausbildung sorgt nicht nur für mehr Sichtbarkeit, sondern setzt auch verbindliche Qualitätsstandards, die Unternehmen und Verwaltungen dringend benö­ti­gen. Damit ließe sich langfristig eine solide Basis schaffen, um dem Fachkräftemangel wirksam entgegenzuwirken und Deutschlands digitale Resilienz nachhaltig zu stärken.

Es zeigt sich, dass alle drei Themen untrennbar miteinander verknüpft sind. KI verändert so­wohl die Dynamik von Angriffsversuchen als auch die Art und das Tempo, mit der wir vertei­digen müssen. Digitale Souveränität ist dabei der Rahmen, in dem Europa und Deutsch­land Technologien sicher, unabhängig und langfristig tragfähig einsetzen können. Und ohne aus­reichend qualifizierte Fachkräfte bleibt jedoch jede technische oder strategische Vision letztlich nur Theorie. Erst das Zusammenspiel aus kompetenten Menschen, souveränen Tech­nologien und verantwortungsvoll genutzter KI schafft die Basis für eine widerstandsfähige digitale Zu­kunft.

Über den Autor: Andreas Lüning, Mitgründer und Vorstand der G DATA CyberDefense.

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