Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland beschlossen

Nationales Cyber-Abwehrzentrum nimmt seine Arbeit auf

20.06.2011 | Redakteur: Peter Schmitz

Das am 16. Juni 2011 eröffnete, Nationale Cyber-Abwehrzentrum soll den Schutz kritischer Infrastrukturen sicherstellen und mit Lageanalysen und Handlungsanweisungen Angriffe aus dem Internet abwehren helfen.
Das am 16. Juni 2011 eröffnete, Nationale Cyber-Abwehrzentrum soll den Schutz kritischer Infrastrukturen sicherstellen und mit Lageanalysen und Handlungsanweisungen Angriffe aus dem Internet abwehren helfen.

Mit dem neu eröffneten Nationalen Cyber-Abwehrzentrum (NCAZ) rüsten sich Deutschlands Behörden gegen die steigende Zahl an Hackerattacken und Malware aus dem Internet. Unter der Führung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und in Zusammenarbeit mit anderen Behörden und Kontrollinstanzen sollen die Experten bei IT-Sicherheitsvorfällen schnell ein Lagebild erstellen und Handlungsanweisungen geben.

Am 23. Februar 2011 hatte das Kabinett die neue Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland beschlossen. Kernelemente der Strategie sollen der Schutz der IT-Systeme in Deutschland, insbesondere im Bereich kritischer Infrastrukturen, die Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger zum Thema IT-Sicherheit, der Aufbau eines Nationalen Cyber-Abwehrzentrums sowie die Einrichtung eines Nationalen Cyber-Sicherheitsrates sein.

Letzte Woche hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich jetzt das Nationale Cyber-Abwehrzentrum eröffnet, das als gemeinsame Plattform zum schnellen Informationsaustausch und zur besseren Koordinierung von Schutz- und Abwehrmaßnahmen gegen IT-Sicherheitsvorfälle errichtet wurde. Die Aufgabe des NCAZ besteht darin, schnell und abgestimmt alle Informationen zu Schwachstellen in IT-Produkten oder IT-Vorfällen zu vernetzen, diese zu analysieren und Empfehlungen zum Schutz der IT-Systeme zur Verfügung zu stellen bzw. auszusprechen.

Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum arbeitet unter Federführung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und mit direkter Beteiligung des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) und des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Unter Wahrung ihrer gesetzlichen Aufgaben und Befugnisse wirken außerdem das Bundeskriminalamt (BKA), Bundespolizei (BPol), das Zollkriminalamt (ZKA), Bundesnachrichtendienst (BND), die Bundeswehr sowie die aufsichtsführenden Stellen über die Betreiber der Kritischen Infrastrukturen mit. Koordiniert wird die Arbeit des NCAZ im Rahmen der Cyber-Sicherheitsstrategie durch einen Cyber-Sicherheitsrat unter der Verantwortung der Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik, Innenstaatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe.

„Im Kern der Cyber-Sicherheit steht der Schutz kritischer Infrastrukturen“, betont Bundesinnenminister Dr. Friedrich bei der Eröffnung des NCAZ. Kritische Infrastrukturen sind Organisationen und Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden.

„Das Schadprogramm Stuxnet und als jüngstes Beispiel der Hackerangriff auf den französischen Atomkonzern EDF (Electricité de France) haben gezeigt, dass auch die IT-Systeme kritischer Infrastrukturen im Fokus von Cyber-Angriffen stehen. Wir müssen feststellen, dass die Gefahr von Angriffen auf diese Systeme zunimmt.“, so Friedrich weiter.

Schneller Informationsaustausch beteiligter Behörden hilft bei schneller Reaktion

Ein schneller und enger Informationsaustausch über Schwachstellen, Angriffsformen und Täterbilder befähigt das Nationale Cyber-Abwehrzentrum, IT-Vorfälle zeitnah zu analysieren und Handlungsempfehlungen zu geben. Auch die Interessen der Wirtschaft sollen dabei angemessen berücksichtigt werden. Jede mitwirkende Behörde leitet aus der gemeinsam erstellten nationalen Cyber-Sicherheitslage die von ihm zu ergreifenden Maßnahmen ab und stimmt diese mit den zuständigen Stellen und im Übrigen mit den Partnern aus der Wirtschaft und der Wissenschaft ab.

Da Sicherheitsvorsorge am wirksamsten durch Frühwarnung und präventives Handeln erreicht werden kann, will das Cyber-Abwehrzentrum dem Nationalen Cyber-Sicherheitsrat regelmäßig und anlassbezogen entsprechende Empfehlungen vorlegen. Erreicht die Cyber-Sicherheitslage die Dimension einer unmittelbar bevorstehenden oder eingetretenen Krise, berichtet das Nationale Cyber-Abwehrzentrum unmittelbar an den vom Staatssekretär des Bundesministeriums des Innern geleiteten Krisenstab.

Bitkom beurteilt NCAZ positiv

BITKOM-Präsidiumsmitglied Prof. Dieter Kempf begrüßt die Gründung des nationalen Cyber-Abwehrzentrums (NCAZ) in Bonn: „Die Gründung des nationalen Cyber-Abwehrzentrums ist ein wichtiger Schritt zum richtigen Zeitpunkt auf dem Weg zu mehr Schutz vor Cyber-Angriffen. Das Zentrum schließt eine Lücke in der Kommunikation zwischen den Behörden, die vom Thema Cybersicherheit betroffen sind. Die etwa zehn Experten des NCAZ können aus Einzelinformationen ein komplexes Lagebild zusammensetzen. Dabei muss allen klar sein: Das NCAZ ist nicht konzipiert, um im Krisenfall selbst einzugreifen und umfassende Gegenmaßnahmen einzuleiten.“.

Kempf betont aber auch „Bei einem Ausbau des NCAZ sollte die Privatwirtschaft stärker einbezogen werden. Betroffene Unternehmen und ihre Mitarbeiter können so besser geschützt werden. Zudem können Unternehmen mit ihren Experten für Cyber-Security das Lagebild mit wertvollen eigenen Informationen ergänzen.“

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