NIS2 in der OT ist kein IT-Projekt
IT-Sicherheitsprozesse passen nicht auf Produktionsanlagen

Von Rolf Schulz 7 min Lesedauer

Acht Monate nach Inkrafttreten von NIS2 zeigt sich in deutschen Werken ein unbequemer Befund: Die IT ist vorbereitet, die Produktion nicht. Der Grund liegt nicht am fehlenden Willen, sondern an einer folgenreichen Fehl­an­nah­me. Was in der IT funktioniert, scheitert an der Realität auf dem Shopfloor.

ine jahrzehntealte Steuerungsanlage lässt sich nicht einfach patchen wie ein Büro-Laptop. Genau an dieser Realität scheitern viele NIS2-Umsetzungen in der Produktion.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
ine jahrzehntealte Steuerungsanlage lässt sich nicht einfach patchen wie ein Büro-Laptop. Genau an dieser Realität scheitern viele NIS2-Umsetzungen in der Produktion.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Seit das NIS2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz am 6. Dezember 2025 in Kraft getreten und mit dem Ablauf der BSI-Registrierungsfrist am 6. März 2026 die letzte formale Schonfrist verstrichen ist, lässt sich in deutschen Produktionsbetrieben ein Befund erheben, der die Sicherheitsverantwortlichen zunehmend in Erklärungsnot bringt: Während die Risikomanagement-Maßnahmen aus § 30 BSIG in der Office-IT vielerorts auf einem zumindest vorzeigbaren Weg sind, bleibt die Operational Technology auf einem Reifegrad zurück, den die Geschäftsleitung ihren Aufsichtsräten ungern vorlegt. Verantwortlich dafür ist nicht das Versäumnis einzelner Unternehmen, sondern eine strukturelle Fehlannahme: dass NIS2 sich als reines IT-Compliance-Projekt aus dem etablierten Werkzeugkasten der Office-Sicherheit umsetzen lasse.