Ransomware True Cost to Business 2024 Ransomware – das Schweizer Taschenmesser der Cyberdiebe

Ein Gastbeitrag von Reiner Dresbach 5 min Lesedauer

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Ransomware entwickelt sich dank KI rasant weiter. Cybereasons Ransomware-Report zeigt: Angriffe nehmen zu, besonders in nicht-englischsprachigen Ländern. Unternehmen glauben, vorbereitet zu sein, sind es aber oft nicht. Prävention ist entscheidend: Backup-Strategien, Schulungen und spezialisierte Schutzlösungen sind unerlässlich, um Ransomware effektiv abzuwehren.

Ransomware-Bedrohungen sind weiter auf dem Vormarsch. Besonders KI-getriebene Angriffe und unzureichende Vorbereitung setzen Unternehmen unter Druck.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Ransomware-Bedrohungen sind weiter auf dem Vormarsch. Besonders KI-getriebene Angriffe und unzureichende Vorbereitung setzen Unternehmen unter Druck.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Was als einfache Idee begann – das Verschlüsseln von Daten und die Erpressung von Geld, um den Zugang zu ihnen zurückzubekommen – hat sich in den letzten Jahren zu einem komplexen "Schweizer Taschenmesser" entwickelt. Generative KI und allen voran ChatGPT sind auf der Bildfläche erschienen und treiben die nächste Evolution von Ransomware voran.

Wie hat sich die Häufigkeit und Effektivität von Ransomware-Angriffen in den letzten Jahren verändert? Warum haben die Angreifer vor allem in nicht-englischsprachigen Ländern wie Italien, Deutschland, Frankreich und Japan immer mehr Erfolg? Wie sind Unternehmen auf aktuelle Ransomware-Angriffe vorbereitet? Welche Schutzstrategien fahren sie? Haben sie eine Cyberversicherung und wie hilft diese bei einer Ransomware-Attacke? Hilft es, Lösegelder zu zahlen bzw. was sind die Folgen, wenn sie (nicht) zahlen? Und vor allem: Wie können sich Unternehmen wirklich vor Ransomware schützen? Diese Fragen hat Cybereason Unternehmen gestellt. Nachfolgend sind die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.

Häufigkeit und Effektivität von Ransomware-Angriffen nehmen zu

Nie zuvor war die Bedrohungslage im Cyberraum so hoch wie heute. Der seit 2021 jährliche Ransomware-Report von Cybereason belegt einen raschen Anstieg von Ransomware-Attacken. Wurden 2021 55 Prozent der befragten deutschen Unternehmen Opfer von Ransomware, waren es 2022 bereits 73 Prozent. 2023 erlebten 9 von 10 Unternehmen einen Ransomware-Angriff. 63 Prozent wurden 2023 sogar mehr als nur einmal angegriffen. Dabei werden die Angriffe immer raffinierter – auch durch KI wie ChatGPT und Co., die den Kriminellen dabei helfen, immer schneller neue Angriffsmuster zu erstellen und in immer mehr Sprachen im Darknet anzubieten. Denn mit dem Konzept Cybercrime-as-a-Service verkaufen Cyberkriminelle Ransomware auch an weniger versierte Angreifer weiter. Mit KI lässt sich auch erklären, warum Ransomware in nicht-englischsprachigen Ländern immer mehr Erfolg hat. Aber KI hilft den Angreifern noch in weiteren Bereichen: Deepfakes – manipulierte Bilder, Videos und Stimmen – werden mit ihr immer authentischer und sind dadurch immer schwerer zu entlarven. KI macht Phishing-Mails auch glaubwürdiger, übersetzt sie fehlerfrei oder generiert automatisiert Schadcode – und das deutlich schneller und zum Teil wesentlich besser als menschliche Cyberkriminelle. Das macht es für die Angreifer leichter, Ransomware-Angriffe durchzuführen – und für Unternehmen wichtiger als je zuvor, sich entsprechend vorzubereiten.

Unternehmen fühlen sich angemessen vorbereitet – sind es aber oft nur teilweise

Zwar sagen fast alle befragten Unternehmen (98 Prozent), dass sie einen Ransomware-Angriff effizient managen könnten. Die meisten haben jedoch entweder nur einen Plan (24 Prozent) oder nur ein Team (55 Prozent) aufgestellt. Für eine angemessene Vorbereitung braucht es aber beides bzw. noch mehr (dazu später). Nur knapp 20 Prozent haben sowohl einen Plan als auch die entsprechenden Mitarbeitenden. Übrigens ist das häufigste Einfallstor für Ransomware (bei 47 Prozent der befragten deutschen Unternehmen) die Lieferkette. Hierauf sollten Unternehmen also ein besonderes Augenmerk legen und ggf. erforderliche Investitionen einplanen.

Ransomware-Schutz ist oft unvollständig

Fast die Hälfte (48 Prozent) der befragten deutschen Unternehmen hat ihre Security-Budgets für Ransomware-Schutz im letzten Jahr um mehr als 50 Prozent erhöht. Trotzdem fehlt es vielen Unternehmen an ausreichenden Ressourcen, Tools, Plänen und Fähigkeiten, um Ransomware-Angriffe zu verhindern, zu erkennen oder zu beenden bzw. in den Griff zu bekommen. Nicht zuletzt wegen des Fachkräftemangels fehlt vielen Unternehmen qualifiziertes Sicherheitspersonal, das IT-Systeme vorausschauend resilienter macht und Angriffe abwehrt – das A und O gegen Ransomware. Außerdem können viele kleine und mittelständische Unternehmen dafür gar keine eigene Stelle schaffen. Auch auf der Tool-Seite sind viele Unternehmen in Sachen Abwehr noch schlecht aufgestellt. Klar ist: Wer bei Personal, Expertise und Tools Defizite hat, muss Expertenwissen und technologische Unterstützung extern einkaufen. Denn Lösegeld zahlen löst das Problem nicht.

Lösegeld zahlen ist die falsche Strategie

76 Prozent der in der Studie befragten deutschen Unternehmen, die Lösegeld gezahlt haben, wurden erneut angegriffen – 86 Prozent davon innerhalb der nächsten zwölf Monate. Nur 32 Prozent erhielten ihre Daten und Lösungen nach der Zahlung unbeschädigt und brauchbar zurück. Doch viel mehr steht durch Ransomware auf dem Spiel als nur hohe Geldforderungen: Produktions- oder Service-Ausfälle, Umsatzeinbußen, Personalabbau oder sogar Geschäftsschließungen, Datenverlust, die Veröffentlichung von Kundendaten, der Verlust von Know-how oder Alleinstellungsmerkmalen an Wettbewerber, Reputations- und Vertrauensverlust, rechtliche Konsequenzen etc. Rund 50 Prozent der befragten deutschen Unternehmen, die schon Ransomware-Opfer wurden, gehen von einem Gesamtverlust durch Ransomware von 1-10 Millionen US-Dollar aus – rund zehn Prozent von über 10 Millionen US-Dollar. Das zeigt: Auch wenn präventive Sicherheitsmaßnahmen kosten – sie sind ihr Geld wert. Darauf zu setzen, nicht angegriffen zu werden, ist angesichts der zunehmenden Häufigkeit und des Schweregrades von Ransomware-Attacken geradezu riskant und fahrlässig.

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Cyberversicherungen – bei Ransomware nicht ausreichend

Zwar haben fast 100 Prozent der deutschen Unternehmen eine Cyberversicherung. Aber nur bei 32 Prozent ist Ransomware mitabgedeckt. Vor allem für jene, die Ransomware nicht versichert haben, sind präventive Maßnahmen besonders wichtig. Allerdings kann eine Cyberversicherung zwar Lösegelder bezahlen, aber nicht dafür garantieren, dass Unternehmen ihre Daten unversehrt wieder zurückbekommen. Von denen, die das Lösegeld zahlten, bekamen laut Studie nur gut die Hälfte ihre Daten unversehrt wieder zurück, 9 Prozent gar nicht und 32 Prozent nur unvollständig bzw. korrumpiert. Im Übrigen kann eine Cyberversicherung gegen eine ruinierte Reputation auch nichts tun.

Prävention ist das A und O gegen Ransomware

Unternehmen sollten daher in jedem Fall auf die Prävention und rechtzeitige Erkennung von Ransomware-Aktivitäten setzen. Ransomware-Angriffe erfordern eine proaktive und mehrschichtige Verteidigung, die verschiedene Sicherheitsebenen abdeckt. Dazu gehören regelmäßige Backups, um stets auf aktuelle Daten und Dateien zurückgreifen zu können. Kontinuierliche Software-Updates und Patches sind ebenfalls entscheidend, um bereits bekannte Schwachstellen zu schließen und Angriffsvektoren zu minimieren. Auch das Sicherheitsbewusstsein und Schulungen der Mitarbeitenden sind wichtig, damit sie Phishing-Angriffe erkennen und nicht darauf hereinfallen. Außerdem sollten auf sensible Daten und Systeme nur autorisierte Benutzer Zugriff haben – ein optimales Zugriffs- und Identity-Management ist hier ausschlaggebend. Für den Fall eines Ransomware-Angriffs ist die vorbeugende Erstellung eines Notfallplans unerlässlich: Wer kümmert sich, wie wird reagiert, wo sind die Back-ups für die Wiederherstellung der Daten und Systeme und wer übernimmt diese Aufgaben – das alles sollte präventiv festgelegt und regelmäßig geübt werden. Auch die Kommunikation mit Mitarbeitenden Kunden, Partnern und Behörden sollte im Falle eines Falles vorbereitet sein. Alle diese Aufgaben sind aufwändig und erfordern Know-how und Erfahrung sowie entsprechende Tools. Es sollte in spezialisierte, prädiktive Ransomware-Schutzlösungen investiert werden, die präventive, aufdeckende und reaktive Funktionen beinhalten. So lassen sich Ransomware-Angriffe bereits im Frühstadium verhindern, erkennen und stoppen.

Über den Autor: Reiner Dresbach ist Regional Vice President Central Europe bei Cybereason.

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