Security-Insider Podcast – Folge 81 Reality Check fürs Metaverse

Von M.A. Dirk Srocke und Peter Schmitz 4 min Lesedauer

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Das Metaverse ist ein Hype mit jahr­zehn­te­lang­er Vorgeschichte, ein Technologie-Sammelsurium von Blockchain über KI bis XR-Headsets und das Versprechen für mehr Effizienz im Unternehmensumfeld. In dieser Folge des Security-Insider Podcast ergründen wir den Status quo: Dabei sortieren wir die Komponenten eines entstehenden Ökosystems, diskutieren anfallende Metadaten und betrachten die Implikationen für die Sicherheit und Resilienz von Organisationen.

Unsere Reise durch Metavers startet bei isolierten 3D-Welten und führt uns über interoperable Plattformen bis zu spezialisierten, industriellen Anwendungen.(Bild:  Vogel IT-Medien)
Unsere Reise durch Metavers startet bei isolierten 3D-Welten und führt uns über interoperable Plattformen bis zu spezialisierten, industriellen Anwendungen.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Keine Frage, im Jahr 2023 hat der Hype um das Metaverse an Fahrt aufgenommen. Mit Apple Vision Pro und Meta Quest 3 wurden medial vielbeachtete sowie technisch ausgefeilte Headsets vorgestellt, die nicht nur Grenzen zwischen realer und virtueller Welt zunehmend verwischen sollen. Zugleich zielt zumindest Meta offensiv auf den Mainstream.

Ein Hype und die Suche nach Anwendungen

Metas mittlerweile ab 549 Euro erhältliche XR-Hardware will Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) respektive Mixed Reality (XR) für breite Nutzerschaften erschließen. Angesprochen sind dabei nicht nur Gamer. In flankierenden Marketingmaßnahmen betont der Anbieter gebetsmühlenartig die vielfältigsten Anwendungsfelder seiner Lösungen. „Metaverse-Technologien haben einen echten Impact“, heißt es. Hierbei führt der Technologiekonzern verschiedenste Anwendungsbeispiele an: Chirurgen, die Operationen planen; Studenten, die Moleküle besser verstehen; Prototypen, die virtuell entwickelt oder vorgeführt werden.

Naheliegenderweise illustriert Metas Kampagne dieses Narrativ mit Bildern virtueller Welten, Produktentwürfen auf Computerdisplays und realen XR-Headsets. Dabei baut das Metaverse auf weitaus mehr Technologien auf. Nokias auf Juni 2023 datierter Report „The metaverse at work“ zählt beispielsweise 18 „technical enablers“ auf, welche die befragten Vertreter verschiedener Branchen nach Relevanz gewichtet haben.

Technologiemix und Vorgänger

Angeführt wird die Liste von Cloud Computing, künstlicher Intelligenz (KI)/maschinellem Lernen (ML) und privaten Mobilfunknetzen (5G/6G). Selbst smarte Sensoren werden noch vor „AR/VR/XR/headsets and apps“ genannt. Das Metaverse lässt sich somit als Summe mehrere Technologien verstehen – von denen einige gerade erst entstehen, andere uns aber schon seit Jahren begleiten.

Und tatsächlich ist selbst das Metaverse keineswegs ein komplett neues Konzept: Schon seit 2001 lässt uns Google Earth die reale Welt virtuell erleben. Im 2003 veröffentlichten Second Life können schon seit Dekaden im virtuellen Raum interagieren. Die aktuell vielbeachtete Online-Plattform Roblox für Massively Multiplayer Online Games ging bereits 2006 für Windows an den Start. Und in der literarischen Welt lässt sich der Terminus „Metaverse“ schon im 1992 erschienenen Roman „Snow Crash“ von Neal Stephenson nachweisen.

Komplexe Definitionen und Standardisierung

Letztgenannter zählt übrigens zu den Mitgründern von Lamina1 – einem drei Dekaden nach „Snow Crash“ auf den Markt getretenen Anbieter, der sich Ende 2023 auf seiner Webseite als „fabric of the open metaverse“ darstellt. In seinem Whitepaper „METAVERSE–AS–A-SERVICE V1.0“ beschreibt das Unternehmen eine umfassende Vorstellung von den technisch notwendigen Grundlagen eines Metaverse. Dieses benötige demnach nicht nur eine Blockchain, sondern zudem ein System in dem alle Teilnehmer virtueller Welten die gleichen Dinge, zur gleichen Zeit am gleichen Platz wahrnehmen. Das beinhalte Funktionen für Synchronisation, persistente Status, Avatare, Identität, Objektmodelle, Messaging und Rendering – um nur einige zu nennen.

Nicht minder komplex definiert Matthew Ball im 2022 erschienenen „The Metaverse – And How It Will Revolutionize Everything“. Im Buch ringt Ball zunächst um eine Definition, verdeutlicht zu Beginn von Kapitel drei schließlich umso eindrücklicher: Das Metaverse ist keine isolierte 3D-Welt, sondern ein massiv skalierender, interoperabler Verbund mehrerer davon. Als illustrierenden Vergleich bemüht der Autor Planeten, die nicht als isolierte Silos funktionieren, sondern in Galaxien eingebunden sind. Ob sich solche Szenarien in nahezu unendlicher Genauigkeit, zeitnah und sinnvoll umsetzen lassen, darf gewiss hinterfragt werden. Im „The Metaverse Standards Forum“ sinnieren namhafte Branchenvertreter allerdings schon heute, welche Interoperabilitätsstandards es für eine offenes Metaverse braucht.

Unternehmensanwendungen und Sicherheit

Zurück von einer Vision der Galaxien interoperabler, virtueller Welten und hin zum Status quo des Metaverse. Nokias zuvor zitierter Report beschränkt sich auf Teilmengen eines universellen Abbildes unseres realen Daseins. Soll heißen: Statt einer kompletten Kopie der Erde betrachtet der Anbieter unterschiedliche Anwendungsfelder, die Konsumenten unterhalten oder Unternehmen produktiver und effizienter machen könnten: Ein Consumer Metaverse mit interaktiven Spielerfahrungen; ein Enterprise Metaverse mit digitalen Kommunikations- und Geschäftsanwendungen; ein Industrial Metaverse, in dem physische Umgebungen, Systeme oder Prozesse digital repräsentiert werden.

Wie solche Repräsentationen Prozesse beschleunigen und zu besseren Produkten führen – das klären wir im Gespräch mit Stefan Kindt, Technology Evangelist bei Nokia. Dabei nähern wir uns zunächst den Konzepten des Metaverse an; und erörtern im Anschluss die ganz spezifischen Herausforderungen und Chancen damit eingehergehender Technologieansätze. Ein XR-Headset brauchen Sie dafür nicht, Kopfhörer genügen schon. Viel Spaß beim Reinhören!

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Im Gespräch mit: Stefan Kindt

Stefan Kindt ist als Technology Evangelist bei Nokia in der globalen Marketingorganisation für die Technologiethemen verantwortlich. In dieser Funktion leitet er auch die Metaverse-Aktivitäten einschließlich dem Marketresearch. In mittlerweile mehr als 25 Jahren in der ICT Industrie war Stefan in verschiedenen Funktionen in Forschung, Marketing und Vertrieb tätig. Er leitete u.a. das Cloud Market Development und das Technologie Marketing bei Nokia. Zuvor leitete Stefan in der Siemens AG den Technischen Vertrieb für den Mobilfunk in der APAC Region als auch global für den Produktbereich OSS/BSS.

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