Warum Schatten-KI zu einem wachsenden Sicherheitsrisiko wird Schatten-KI als Risiko für Sicherheit und Compliance in Unternehmen

Ein Gastbeitrag von Sascha Giese 5 min Lesedauer

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Immer mehr Beschäftigte nutzen KI-Tools im Arbeitsalltag, oft schneller als Unternehmen Governance und Schutzmaßnahmen etablieren können. Die Folge ist Schatten-KI, die Sicherheitslücken, Compliance-Verstöße und unkontrollierte Datenverarbeitung begünstigt. Unternehmen müssen deshalb klare Leitlinien, sichere KI-Alternativen und transparente Prozesse schaffen, um Risiken einzudämmen und verantwortliche Nutzung zu ermöglichen.

Schatten-KI entsteht durch unkontrollierte Nutzung externer KI-Tools und kann Sicherheits- sowie Compliance-Risiken verursachen, wenn Prozesse und Richtlinien fehlen.(Bild: ©  tadamichi - stock.adobe.com)
Schatten-KI entsteht durch unkontrollierte Nutzung externer KI-Tools und kann Sicherheits- sowie Compliance-Risiken verursachen, wenn Prozesse und Richtlinien fehlen.
(Bild: © tadamichi - stock.adobe.com)

Der KI-Enthusiasmus unter Verbrauchern und Beschäftigten wächst auch in Deutschland: Immer mehr Menschen nutzen KI regelmäßig im Alltag oder bei der Arbeit. Laut einer Studie des TÜV-Verbands haben inzwischen etwa 53 Prozent der Deutschen bereits Erfahrungen mit generativer KI gemacht. Eine aktuelle BCG-Studie zeigt darüber hinaus, dass rund zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland KI-Tools am Arbeitsplatz einsetzen. Dennoch fühlen sich nur etwa 36 Prozent ausreichend auf den KI-Einsatz vorbereitet.

Natürlich ist ChatGPT nur eine von vielen KI-Anwendungen. Auch alltägliche Tools wie Browser integrieren zunehmend KI-Funktionen, die etwa URLs und Nutzerdaten verarbeiten können. In der Praxis bedeutet das: Mitarbeitende sind in manchen Fällen schneller mit KI-Lösungen vertraut als das Unternehmen es organisatorisch oder technisch vorgesehen hat. Da Beschäftigte vor allem daran interessiert sind, ihre Aufgaben effizient zu erledigen — und sich weniger mit Datenschutz, Sicherheit oder Compliance beschäftigen — besteht die Gefahr, dass „Schatten-KI“ (also KI-Anwendungen, die ohne offizielle Genehmigung oder Kontrolle genutzt werden) zu einem echten Sicherheits- oder Compliance-Risiko wird.

Was ist Schatten-KI?

Die Zunahme von Schatten-KI ist ein Symptom der schnellen Zunahme verbraucherfreundlicher KI-Tools am Arbeitsplatz. Es gibt immer mehr Plattformen mit Funktionen für Texten, Design, Coding, Recherche und Datenanalyse, und Angestellten nutzen KI immer häufiger ohne die formelle Genehmigung ihres IT-Teams. Dieser Trend wird durch die Begeisterung für das Potenzial von KI vorangetrieben. Doch wenn KI-Tools sich unter Umgehung jeder offiziellen Kontrolle verbreiten, entstehen für Unternehmen zunehmende Sicherheits-, Compliance- und Datenschutzrisiken, die nicht ignoriert werden dürfen.

Wer KI-Tools ohne vorige Genehmigung durch die IT-Abteilung nutzt, öffnet Tür und Tor für eine Reihe von Risiken. Zuallererst kann es passieren, dass Angestellte versehentlich böswillige Anwendungen herunterladen und Dritte unabsichtlich Zugriff auf sensible Materialien erhalten. Schließlich sind viele der KI-Anwendungen kostenlos nutzbar, und mittlerweile kennen hoffentlich die meisten den Spruch „Wenn es kostenlos ist, bist du das Produkt“. In den Wochen nach der Veröffentlichung des Sprachmodells DeepSeek-R1 wurde deutlich, wie berechtigt diese Sorge ist: Regierungen in den USA, Südkorea, Australien, Italien und Taiwan erließen Beschränkungen für die Nutzung des Modells und nannten Bedenken dazu, wie Benutzer- und Nutzungsdaten verwendet werden könnten.

Die Zunahme der Schatten-KI führt zu signifikanten Risiken, die über versehentliche Malware-Downloads und Datenlecks weit hinausgehen. Ein Hauptrisiko ist die Möglichkeit mangelnder Compliance mit Branchenregulierungen und Datenschutzgesetzen. Nicht kontrollierte KI-Anwendungen halten möglicherweise die nötigen Compliance-Standards nicht ein und führen zu einer unautorisierten Datenverarbeitung und ‑speicherung, was gesetzliche Vorschriften verletzt. Zusätzlich kann der Mangel an Kontrolle und Beaufsichtigung bei der Schatten-KI-Nutzung zu inkonsistenten Datenverarbeitungs- und Entscheidungsprozessen führen, die die Integrität der Geschäftsprozesse beeinträchtigen und zu unzuverlässigen Ergebnissen führen.

Schutz vor Schatten-KI

Der Kampf gegen die Schatten-IT beginnt mit klarer Kommunikation und gut durchdachten Richtlinien. Während sich KI-Tools immer mehr durchsetzen, sind sich viele Angestellte der Sicherheitsrisiken, die von nicht genehmigten Anwendungen ausgehen, nicht in vollem Umfang bewusst. Unternehmen sollten klare Richtlinien zur KI-Nutzung etablieren und durch Schulungen, Web-Seminare und eine fortlaufende Weiterbildung für ihre Durchsetzung sorgen. Statt nur auf die IT-Überwachung zu setzen, kann es ebenso effektiv sein, eine offene Gesprächskultur und persönliche Verantwortlichkeit rund um die KI-Nutzung zu fördern. Angestellte halten Richtlinien mit größerer Wahrscheinlichkeit ein, wenn sie die Risiken verstehen und sich im Gespräch einbezogen fühlen, statt überwacht oder eingeschränkt zu werden.

Gleichzeitig müssen Unternehmen sich dessen bewusst sein, welche Faktoren Angestellte zur Nutzung nicht genehmigter KI bringen. Knappe Deadlines, komplexe Workflows und wachsende Erwartungen führen dazu, dass Arbeitskräfte selbstverständlich ihre Produktivität und Effizienz steigern möchten. Wenn es Unternehmen nicht gelingt, genehmigte KI-Lösungen bereitzustellen, wenden sich Angestellte aus der Notwendigkeit heraus externen Tools zu, die das Unternehmen Sicherheitsrisiken aussetzen können. Eine ausgewogene Vorgehensweise ist unverzichtbar: Dazu gehört es, die Bedürfnisse der Angestellten im Blick zu behalten, KI-Lösungen zu suchen, die Sicherheits- und Compliance-Anforderungen einhalten, und diese Lösungen in den genehmigten Technologie-Stack zu integrieren. So können Unternehmen das Risiko der Schatten-KI minimieren und gleichzeitig ein wettbewerbsfähiges, innovationsfreundliches Arbeitsumfeld beibehalten.

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Vier Prinzipien für die effektive KI-Integration

KI kann ein Game-Changer sein, aber nur, wenn sie sicher und verantwortungsbewusst genutzt wird. Hier kann ein AI by Design-Ansatz ins Spiel kommen. Bei diesem geht es darum, von Anfang an KI-Systeme aufzubauen, die sicher, fair, transparent und benutzerfreundlich sind, statt im Nachhinein entstehende Probleme zu lösen.

Eine solide Datenschutz- und Sicherheitsgrundlage ist dabei entscheidend. Dies bedeutet, über grundlegende Schutzmaßnahmen hinauszugehen und erweiterte Zugriffskontrollen und intelligente Anonymisierungstechniken zu implementieren, die dazu beitragen, dass Benutzerdaten bei jedem Schritt geschützt bleiben. Dazu kommen Verantwortlichkeit und Fairness: KI sollte für alle funktionieren und positive Auswirkungen haben, nicht nur für eine ausgewählte Gruppe. Menschliche Aufsicht und kontinuierliche Feedbackschleifen helfen, Systeme daran zu hindern, Voreingenommenheiten zu verstärken, und dafür zu sorgen, dass sie sich in die richtige Richtung entwickeln.

Transparenz ist ein weiteres Muss. Wenn KI zunehmend Entscheidungen trifft, die sich auf reale Menschen auswirken, helfen Prinzipien von Transparenz und Vertrauen, klare Sicherheitsmaßnahmen und Richtlinien festzulegen, sodass KI-generierter Output nicht nur korrekt ist, sondern auch praktisch und relevant. Auch Einfachheit und Zugänglichkeit dürfen nicht vergessen werden, denn egal wie leistungsstark ein KI-System ist, es ist nur so nützlich, wie es verständlich ist. Das Ziel besteht darin, komplexe Technologie in intuitive, benutzerfreundliche Tools zu verwandeln, die jeder bedienen kann.

Indem sie diese Prinzipien von Anfang an umsetzen, können Unternehmen vom Potenzial von KI profitieren, ohne Kompromisse bei Ethik, Sicherheit oder Usability einzugehen.

Aus dem Schatten treten

Gegen Unternehmensrichtlinien zu verstoßen ist inakzeptabel, aber gleichzeitig ist es natürlich verständlich, dass Arbeitskräfte sich Unterstützung von bahnbrechenden neuen Technologien wünschen. Indem sie eine gute Gesprächskultur etablieren, vor den Gefahren der Schatten-KI warnen und Prozesse implementieren, um die richtigen Tools über offizielle Kanäle verfügbar zu machen, können Unternehmen Sicherheitsbedenken angehen und von den Vorteilen einer produktiven, KI-gestützten Belegschaft profitieren.

Über den Autor: Sascha Giese ist Global Tech Evangelist, Observability bei SolarWinds.

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