Kommentar zur Systemsicherheit von Chrome OS

Schützt Chrome OS Computer vor Malware?

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

So weit, so sicher also?

Ist Chrome OS also wirklich so sicher wie Google uns allen glauben machen will? Wohl eher nicht. Denn schon alleine die Tatsache, dass es ein Software-Entwicklungs-Kit gibt, scheint klarzumachen, dass die „keimfreie Umgebung“ eines nagelneuen Netbook mit „Chrome OS“ in etwa genauso langlebig ist wie bei einem vergleichbaren Android-Gerät.

Natürlich soll die Sandbox-Technologie sicherstellen, dass auch bösartige native Apps keinen Schaden anrichten. Nachdem es aber bereits Exploits für Internet Explorer, für Java, für Google Android und natürlich auch für den Chrome-Browser gibt, wäre es sehr mutig zu glauben, dass solche Exploits für Chrome OS nicht gefunden werden. Ja, Googles Sandbox ist wirkungsvoll, aber sie ist nicht undurchlässig. Und sich auf sie zu verlassen und dadurch eine hundertprozentige Sicherheit zu erwarten, wäre mehr als nur kurzsichtig gedacht.

Cloud-Techniken werden nur die Angriffspunkte verschieben

Was das Konzept betrifft, dass das Betriebssystem bei jedem Neustart zum letzten bekannten sicheren Zustand zurückkehrt, und dass verschlüsselte Daten, die in der Cloud bei Google gespeichert werden, für mehr Sicherheit sorgen sollen – nun, das bedeutet aus Sicht der Kriminellen lediglich, dass sie neue Zielkoordinaten für ihre Angriffe eingeben müssen.

In den meisten Fällen geht bei Malware heutzutage darum, sich dauerhaft auf dem Rechner eines ahnungslosen Anwenders einzunisten. Bei Rechnern mit „Chrome OS“ wird dies viel schwieriger (nicht: unmöglich), so dass sich einfach die Motivation verschieben wird: Wenn ein Krimineller einen Rechner in einer Session infizieren und die Schlüssel stehlen kann, wird er versuchen, währenddessen alles abzugreifen – um anschließend die Cloud-basierten Daten zu „nutzen“. Den Rechner benötigt er dazu ja nicht einmal mehr. Der Reiz aus Sicht der Cyberkriminellen besteht darin, dass es ihr Opfer möglicherweise noch nicht mal merkt, dass es infiziert wurde – das ist sogar wahrscheinlicher als mit herkömmlichen Rechnern.

Während die beeindruckenden Fortschritte in Sachen Sicherheit bei „Chrome OS“ zu begrüßen sind, lässt sich doch auch feststellen, dass sich hier (Marketing-)Geschichte in bestimmtem Ausmaß wiederholt. Wie oft wurde – geradezu gebetsmühlenartig – wiederholt, dass „MacOS“ immun gegen Malware sei, bis es die meisten Nutzer glaubten und noch immer glauben, obwohl Apple inzwischen rudimentäre AV-Software in MacOS integriert hat?

Chrome OS schützt nicht vor Online-Kriminalität

Die Aktivitäten der Cyberkriminelle gehen weit über rein dateibasierte Bedrohungen hinaus und reichen von Social-Engineering-Taktiken über Phishing bis hin zu Bedrohungen bei sozialen Netzwerken und E-Mail. Ein Ende ist nicht abzusehen – ganz im Gegenteil, diese Palette wird ständig erweitert und die Techniken werden immer weiterentwickelt. Wenn man also Anwender glauben machen will, sie müssten sich nicht mehr mit Online-Computerkriminalität befassen, wenn sie einfach nur ihr Betriebssystem wechseln, dann ist das – vorsichtig ausgedrückt – naiv.

Über den Autor

Rik Ferguson ist „Director Security Research & Communication EMEA“ bei Trend Micro. In dieser Position konzentriert er sich auf die Erforschung neuer Bedrohungen, besonders im Social-Networking-Bereich. Gleichzeitig ist Ferguson, der über mehr als 17 Jahre Erfahrung in der IT-Sicherheit verfügt, Sprecher des Unternehmens für die EMEA-Region sowie Autor des Blogs „CounterMeasures: a Trend Micro blog“. Rik Ferguson ist „Certified Ethical Hacker“, der im Unternehmensauftrag legale Tests mit den Mitteln und Vorgehensweisen eines richtigen Hackers ausführt.

(ID:2051758)