Online-Identitätsprüfung im Überblick Schutz der digitalen Identität im Zeitalter von KI

Ein Gastbeitrag von Maxime Hambersin 5 min Lesedauer

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Online-Transaktionen trotz des Anstieges von Cyberangriffen, Datendiebstahl, Spionage und Sabotage immer sicherer zu machen, stellt seit der Pandemie eine zunehmende Herausforderung für unsere Wirtschaft dar. Immer mehr Unternehmen fühlen sich durch Cyberangriffe in ihrer Existenz bedroht. Auch Identitätsbetrug und andere Online-Bedrohungen werden immer ausgefeilter.

Datenlecks, Schadsoftware oder unsichere Netzwerke und Verbindungen sind ein Einfallstor für den Diebstahl einer Identität. KI kann das Problem noch zusätzlich beschleunigen.(Bild:  Andrea Danti - stock.adobe.com)
Datenlecks, Schadsoftware oder unsichere Netzwerke und Verbindungen sind ein Einfallstor für den Diebstahl einer Identität. KI kann das Problem noch zusätzlich beschleunigen.
(Bild: Andrea Danti - stock.adobe.com)

Laut einer aktuellen Studie von KPMG geht von digitalen Identitäten eine der größten Gefahren für die Kompromittierung der IT-Systeme aus. In der Finanzbranche waren jüngst zahlreiche Attacken gerade deshalb erfolgreich, weil Beschäftigte mit privilegierten Zugriffsrechten ausgespäht und durch Phishing-Kampagnen digitale Identitäten gestohlen wurden.

Es ist daher dringend erforderlich, unsere Identitäten im digitalen Zeitalter besser vor Diebstahl und Schaden zu schützen. Denn unsere Identität ist das Herzstück unseres Online-Lebens. Datenlecks, Schadsoftware oder unsichere Netzwerke und Verbindungen sind ein Einfallstor für den Diebstahl einer Identität. KI wird dies noch zusätzlich beschleunigen, indem Code erzeugt wird, den früher nur erfahrene Hacker erstellen konnten. KI-generierte Fälschungen werden immer authentischer und lassen sich leicht gegen Opfer einsetzen. Der Schutz der Identität wird also zu einem der wichtigsten Elemente der Datensicherheit. Damit sich Unternehmen in einem digital feindseligen Umfeld künftig besser schützen können, sollten sie einen digitalen Ansatz für das Datenschutz- und Risikomanagement forcieren.

Was Identität beinhaltet – und wie wir sie schützen können

Online besteht unsere Identität aus mehreren Schichten. Da sind zum einen unsere persönlichen Daten, mit denen wir uns verifizieren, wie E-Mail, Geburtsort, Geburtsdatum und Namen. Aber sie umfasst auch Dinge wie Bankdaten und andere Token – sogar biometrische Daten.

Folgende grundlegende Schritte tragen zum Schutz von Identitäten vor KI-gestützten Risiken bei. Es handelt sich hierbei um Grundsätze, deren Einhaltung den Identitätsschutz von Einzelpersonen gewähren kann, sowie um rechtliche Verpflichtungen, die Unternehmen erfüllen müssen, um Risiken zu mindern und Kunden als auch Mitarbeiter zu schützen:

  • Auf modernste ID-Verifikationstechniken setzen: Um die Identitäten von Online-Nutzern erfolgreich zu überprüfen und zu wissen, mit wem man Geschäfte macht. Moderne Identitäts- und Vereinbarungstechnologien entsprechen den Anforderungen von Know-Your-Customer (KYC), Anti-Money Laundering (AML) sowie regionalen Vorschriften, wie eIDAS. Unternehmen können damit wichtige Verträge schützen und den Kundenservice verbessern.
  • Cybersicherheitsrichtlinien und -infrastrukturen nahtlos in die Prozesse integrieren: Unternehmen müssen mit bewährten Verfahren arbeiten und nicht um sie herum. Ergänzt durch regelmäßige Schulungen und Tests, um die Grundlagen der Cybersicherheit im Gedächtnis zu behalten, da jeder einzelne Mitarbeiter als Nutzer für Social Engineering anfällig ist.
  • Benutzerautorität und Zugriffsrechte verwalten: Dieser Schritt ist eng mit dem Identitätsmanagement verbunden und trägt dazu bei, zahlreiche andere sekundäre Bedrohungen zu mindern. Hierzu gehören externe Angriffe, die eine Sicherheitslücke ausnutzen als auch interne Datenschutzverletzungen.

Die Online-Identitätsprüfung im Überblick

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Nutzerinnen und Nutzer ihre Identität online prüfen lassen können. Diese kann durch die Verwendung von Gesichtserkennungstools, Videoanrufen und dem Vorlegen persönlicher Informationen erfolgen.

Die Verwendung mehrerer Nachweise erhöht dabei das Maß an Vertrauen und Sicherheit. So kann die Verknüpfung von Transaktionen mit einem einmaligen sicheren Onboarding ein hohes Maß an Vertrauen bieten – sofern dieses Onboarding gründlich und geprüft ist. Ein Beispiel: Reisepässe. Offizielle Prüfer verlassen sich auf einige wenige Maßnahmen, um diese zu überprüfen, aber sie vertrauen ihnen, da der Einführungsprozess zur Sicherung eines Passes streng ist.

  • Echtzeit-ID-Überprüfung: ermöglicht es Unternehmen, in Sekundenschnelle auf Kunden-Informationen zuzugreifen und diese zu verarbeiten. Dies ist besonders nützlich bei Kontrollen von Ausweisen oder finanziellen Transaktionen, da dadurch sichergestellt werden kann, dass ein Unternehmen über aktuelle Informationen verfügt. Die Überprüfung der Identität von Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern ist wichtig, damit Unternehmen Betrug und Geldwäsche reduzieren und Unterzeichnern eine reibungslose Erfahrung bieten können, denn heutzutage ist ein schneller und mobil-freundlicher Online-Prozess von entscheidender Bedeutung für Kunden.
  • Biometrie: Fingerabdruck, Gesichtserkennung. Die biometrische Technologie ist Spitzenreiter unter den Tools zur Identitätsprüfung und kommt beispielsweise beim Entsperren von Smartphones zum Einsatz. Da sich biometrische Technologien bereits als vorteilhaft für die persönliche Sicherheit und die Überprüfung von Ausweisen erwiesen hat, ist es naheliegend, dass sie in naher Zukunft auch eine sichere Möglichkeit bieten, um elektronische Signaturen zu überprüfen. Zudem versichern sie Unternehmen, dass keine unbefugte Person Zugang zu persönlichen Daten bekommt.
  • Überprüfung der Identität ohne Ausweis: Es gibt verschiedene Alternativen, um eine Signatur authentifizieren zu lassen, ohne dass ein Ausweis benötigt wird. Wenn die Unterzeichnerin oder der Unterzeichner keinen Ausweis zur Hand hat, kann eine wissensbasierte Überprüfung verwendet werden. Alternativ dazu wird die Authentifizierung via Mobiltelefon in Zukunft häufiger verwendet, um einen bekannten Nutzer erneut zu authentifizieren. Hierbei wird ein Zugangscode oder eine SMS an eine Mobiltelefonnummer gesendet oder das Telefon selbst als Authentifizierungsvektor und ID verwendet.

Minimierung von Betrug mit KI

Während KI den Umfang und das Ausmaß von Cyberrisiken erhöhen kann, spielt sie auch eine wichtige Rolle bei der Risikominderung: In Zukunft wird eine KI die Identifizierung beim ersten Onboarding und bei allen nachfolgenden Schritten unterstützen, indem sie eine Sicherungsschicht bereitstellt, die nach Vertrauensbeweisen oder Anzeichen von Täuschung sucht. Dabei ist es wichtig, dass Kunden den digitalen Signaturprozess eines Unternehmens als sicher einschätzen, denn eine positive und gefahrlose Kundenerfahrung hat Einfluss darauf, ob diese die Dienste des Unternehmens weiterhin nutzen wollen. Es gibt auch viele Anwendungsfälle, in denen KI bereits zur Erkennung von betrügerischen Aktivitäten eingesetzt wird – wie zur Erkennung relevanter Signale oder von Mustern eines unwahrscheinlichen Nutzerverhaltens auf einer Plattform auf der Grundlage früherer Erfahrungen.

Das ideale Szenario ist jedoch, sowohl Menschen als auch KI einzusetzen, um die Sicherheit und das Vertrauen zu erhöhen. Beide können Risiken mit sich bringen, aber gemeinsam tragen sie dazu bei, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberangriffen zu optimieren und den Identitätsschutz zu stärken. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass oft schon einfache Änderungen an Prozessen, ein klares Verständnis von digitalem Identitätsschutz sowie regelmäßige Schulungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum Thema Cybersicherheit und Datenschutz zu erheblichen Verbesserungen der Unternehmenssicherheit führen.

Über den Autor: Maxime Hambersin ist Senior Director of Product Management International bei DocuSign.

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