Holistic Identity Von der Datenhoheit zur Cybersicherheit

Ein Gastbeitrag von Adam Larter 5 min Lesedauer

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Cyberangriffe gefährden Unternehmen und Kunden. Mit dem Konzept der Holistic Identity lassen sich persönliche Daten schützen, und Nutzer bekommen die Kontrolle über ihre Daten zurück. Fortschrittliche Verschlüsselungs­techniken und dezentrale Speicherlösungen verwalten private Daten sicher und verringern die Auswirkungen und Risiken bei einem Cyberangriff.

Holistic Identity will die Kontrolle über persönliche Daten zurück in die Hände der Nutzer legen, wodurch sie auch vor Cyberangriffen auf Unternehmen geschützt sind.(Bild:  duncanandison - stock.adobe.com)
Holistic Identity will die Kontrolle über persönliche Daten zurück in die Hände der Nutzer legen, wodurch sie auch vor Cyberangriffen auf Unternehmen geschützt sind.
(Bild: duncanandison - stock.adobe.com)

Kaum eine Woche vergeht, in der nicht ein neuer Cyberangriff Schlagzeilen macht. Sind Unternehmen das Ziel, haben oft die Kunden darunter zu leiden, deren sensible Daten dann in der Hand von Hackern sind. Der Grund dafür ist eine notwendige Begleiterscheinung unserer digitalisierten Welt: Die zwingende Preisgabe persönlicher Daten, ohne die sich viele digitale Pforten schlicht nicht öffnen lassen. Wollen Nutzer sich im Internet frei bewegen, müssen sie oft die Autonomie über ihre Daten aufgeben und ihre Privatsphäre opfern. Daten gegen Informationen. Genau hier setzt das Konzept der Holistic Identity an. Durch die Nutzung von Zero-Party-Daten zielt es darauf ab, die Kontrolle über persönliche Daten zurück in die Hände der Nutzer zu legen, wodurch sie auch vor Cyberangriffen auf Unternehmen geschützt sind.

Das digitale Verbrechen schläft nie

Cybersecurity ist und bleibt eines der zentralen Themen für Führungskräfte weltweit. Cyberangriffe sind, wie jüngste Fälle bei Teamviewer und Microsoft zeigen, zu einem ständigen Problem geworden. Experten gehen sogar davon aus, dass die Bedrohungslage in nächster Zeit weiter steigen wird. Laut Erhebungen von Hiscox wurden 58 Prozent der deutschen Unternehmen 2023 Ziel eines Cyberangriffs. Das sind 26 Prozent mehr als im Jahr 2022.

Die Konsequenzen von Cyberangriffen sind dabei vielfältig: Datenverluste, Umsatzeinbußen und Reputationsschäden sind die größten Gefahren, aber auch Störungen im Betriebsablauf sowie Schäden an Produkten bzw. Dienstleistungen werden befürchtet. Das Ergebnis: Unternehmen befinden sich  heute in einem ständigen Wettlauf mit Cyberkriminellen um die Sicherheit ihres Unternehmens. Viele Unternehmen reagieren mit höheren Budgets, um die Herausforderungen unter Kontrolle zu bekommen, während Kriminelle die Möglichkeiten von KI für immer raffiniertere Angriffe nutzen.

Ein neues Datenmanagement-Paradigma: Holistic Identity

Angesichts der wachsenden Bedrohung durch Cyberangriffe müssen Unternehmen ihr Datenmanagement also überdenken. Traditionell speichern zahlreiche Unternehmen ihre Kundendaten in zentralisierten Datenbanken, die oft ein gefundenes Fressen für Cyberkriminelle darstellen. Holistic Identity legt die Kontrolle über Daten zurück in die Hände der Nutzer und verringert damit die Attraktivität großer Datenbanken für Angreifer. Selbst im Falle eines erfolgreichen Angriffs auf eine Plattform wären in den Datenbanken keine lukrativen Daten mehr zu finden, was die Auswirkungen von Datenlecks erheblich mindert.

Das Konzept zielt darauf ab, das Management digitaler Identitäten durch den Einsatz fortschrittlicher Technologien zu verbessern, die es Nutzern ermöglichen, ihre Daten über diverse Plattformen und Ökosysteme hinweg zu aggregieren und zu kontrollieren. Mittels eines persönlichen Datenspeichers behalten Nutzer die vollständige Kontrolle über ihre Daten. Der Einsatz offener Standards ermöglicht es ihnen, Informationen über sich selbst auf eine vertrauenswürdige und transparente Art mit Unternehmen zu teilen, was insbesondere für das Weitergeben von Zero-Party-Daten unerlässlich ist.

Dafür werden fortschrittliche Verschlüsselungs­techniken und dezentrale Speicherlösungen genutzt, um die Sicherheit und Integrität der Nutzerdaten zu gewährleisten. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung stellt sicher, dass Daten während der gesamten Übertragung und Speicherung verschlüsselt bleiben und nur autorisierte Parteien, darunter auch Nutzer, auf sie Zugriff haben. Dabei werden Datensätze in geheime Codes umgewandelt, die nur mit einem personalisierten digitalen Schlüssel gelesen werden können. Darüber hinaus werden verschlüsselte Datensätze sicher und dezentral in einem persönlichen Datenspeicher aufbewahrt, wobei Biometrie oder Passphrase als zusätzliche Sicherheitsebene genutzt werden. So bleiben Daten selbst bei einem erfolgreichen Cyberangriff sicher.

Dezentrale Systeme: Widerstandsfähiger gegen Angriffe

Zur Sicherheit tragen maßgeblich dezentrale Systeme bei, die eine robuste Lösung gegen die zunehmende Bedrohung durch Cyberangriffe bieten. Im Gegensatz zu zentralisierten Systemen, die anfällig für Single-Point-of-Failure sind, können dezentrale Systeme einen verbesserten Schutz gegen Angriffe bieten, indem sie Benutzerdaten auf lokalen Geräten statt in zentralen Datenbanken speichern, wodurch die potenzielle Angriffsfläche signifikant reduziert wird. Diese erhöhte Widerstandsfähigkeit und Sicherheit machen dezentrale Systeme besonders attraktiv für Unternehmen, die ihre Dateninfrastruktur zukunftssicher gestalten möchten.

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Vertrauensbasierte Datenbeziehungen und die Rolle der Zero-Party-Daten

Um die Sicherheit der Nutzer zu garantieren, ist eine persönliche Datenspeicherlösung nötig, die es Einzelpersonen ermöglicht, ihre persönlichen Daten sicher zu speichern und nach eigenem Ermessen mit Marken zu teilen. Das geschieht in Form von Zero-Party-Daten, also Daten, die der Nutzer auf direktem Weg freiwillig mit dem Unternehmen teilt.  Diese spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung der Holistic Identity. Die Weitergabe der Daten erfolgt häufig im Austausch für personalisierte Angebote oder Dienstleistungen. Durch diese direkte Interaktion wird nicht nur die Richtigkeit der Daten gewährleistet, sondern auch Vertrauen und Transparenz zwischen Verbraucher und Unternehmen gestärkt. Im Gegensatz zu weniger zuverlässigen Daten aus passivem Browsing oder von Drittanbietern, die oft unvollständig und veraltet sind, führen Zero-Party-Daten zu fundierteren Entscheidungen und maßgeschneiderten Erlebnissen, die wirklich den Bedürfnissen der Nutzer entsprechen. Diese Daten, die direkt und mit explizitem Einverständnis der Nutzer gesammelt werden, schaffen Vertrauen und verbessern die Kundenansprache erheblich.

Der Weg in eine sichere digitale Zukunft

Durch die Nutzung einer dezentralen Infrastruktur und mehrschichtiger Verteidigungsstrategien können Unternehmen digitale Bedrohungen mindern und die Sicherheit verbessern. Dezentrale Systeme machen diese Datenbanken für Angreifer schwerer zu knacken und weniger wertvoll. Laut einer Bitkom-Umfrage nutzen jedoch nur 5 Prozent der deutschen Unternehmen dezentrale Systeme, da sie ein hohes Maß an technischem Fachwissen und Ressourcen erfordern.

Holistic Identity stellt einen bedeutenden Fortschritt im Umgang mit persönlichen Daten und Cybersicherheit dar – Unternehmen müssen die Möglichkeiten nur noch nutzen. Durch die Kombination von dezentralen Speicherlösungen und fortschrittlicher Verschlüsselung sowie kryptografischen Techniken wie Public-Key-Verschlüsselung und digitale Signaturen  können Unternehmen und Nutzer gemeinsam eine sicherere und selbstbestimmtere digitale Zukunft gestalten. Dieser Ansatz verringert nicht nur die Attraktivität großer Datenbanken für Cyberkriminelle, sondern fördert auch vertrauensbasierte Datenbeziehungen und ermöglicht eine flexible Anpassung an neue regulatorische Anforderungen durch zustimmungsbasierte Transaktionen mithilfe fortschrittlicher Technologien.

Um solche Ziele zu beschleunigen, bedarf es aber auch einer starken Gemeinschaft und einem allgemeinen Verständnis des Schutzes persönlicher Daten. Dabei ist es wichtig, Einzelpersonen zu schulen und zu befähigen, den Wert ihrer Daten und die Bedeutung von Datenschutz zu verstehen. Wenn Verbraucher beginnen, den Wert ihrer Daten als wertvolles Gut zu erkennen, das ihnen gehört und das es zu schützen gilt, wird es in Zukunft eine signifikante Veränderung der Marktnachfrage und der regulatorischen Rahmenbedingungen geben.

Über den Autor: Adam Larter ist CTO von Affinidi.

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