Gefahr durch Quishing Wie QR-Codes Nutzer auf Fake-Domains locken

Ein Gastbeitrag von Christian Dallmayer 4 min Lesedauer

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Nicht nur Großveranstaltungen, sondern auch jede Fußgängerzone bieten Cyberkriminellen perfekte Angriffsmöglichkeiten: Gefälschte QR-Codes und Domains werden genutzt, um persönliche Daten und Zahlungsinformationen zu stehlen. Erfahren Sie, wie Quishing-Attacken funktionieren und welche konkreten Maßnahmen Sie zum Schutz vor diesen versteckten Gefahren ergreifen können.

Unachtsames Scannen von QR-Codes kann zur Gefahr für persönliche Daten werden.(Bild:  Monkey Business - stock.adobe.com)
Unachtsames Scannen von QR-Codes kann zur Gefahr für persönliche Daten werden.
(Bild: Monkey Business - stock.adobe.com)

Haben Sie schon einmal einen QR-Code von Plakaten oder öffentlichen Aushängen aufgerufen? Gerade bei trafficstarken Events können dahinter Gefahren lauern: Sei es in Fußgängerzonen, auf großen Events oder im digitalen Raum – Domains, QR-Codes und Webseiten sind nicht nur nützliche Tools, sondern auch Einfallstore für Cyberkriminelle. Gerade auch bei den Olympischen Spielen in Paris haben sich harmlose QR-Codes im öffentlichen Raum als beliebte Ziele für Betrüger entpuppt.

Olympia 2024: Cyberangriffe in der Fußgängerzone

Dabei boten die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris Kriminellen eine perfekte Bühne. Schon im Vorfeld der Veranstaltung wurden fast 200 gefälschte Domains registriert, die darauf abzielten, Fans und Besucher zu täuschen. Webseiten wie „parisolympics2024.store“ oder „shop-olympics.shop“ imitierten täuschend echt offizielle Seiten, um personenbezogene Daten oder Zahlungsinformationen zu kompromittieren. Viele ahnungslose Nutzer versuchten dort Souvenirs wie T-Shirts oder Fanartikel zu kaufen und gaben unwissentlich ihre Kreditkartendaten preis.

Diese Daten landen oft im Darknet oder werden für weitere Betrugsversuche verwendet. Auch vermeintliche Ticket-Verkaufsseiten wie „paris24tickets.com“ tauchten in den Google-Suchergebnissen als gesponserte Anzeigen auf, oft direkt unter der offiziellen Ticket-Webseite. Viele Besucher glaubten, es handele sich um eine legitime Quelle, und gaben ihre Zahlungsinformationen ein, ohne zu wissen, dass es sich um einen Fake-Shop handelt.

Missbrauch von QR-Codes: Täuschung im Alltag

Doch es müssen nicht nur Großveranstaltungen sein, auf denen der Umgang mit QR-Codes gefährlich werden kann. Denn immer häufiger bieten QR-Codes in Fußgängerzonen, auf Plakaten, Flyern oder Restaurant-Tischen eine einfache Möglichkeit, Nutzer auf Webseiten zu leiten. Auch hier steckt das Risiko, dass betrügerische QR-Codes (auch Quishing genannt) zu Phishing-Websites führen.

Einen sicheren Schutz davor gibt es nicht. Wer sich gehen möchte, sollte stets die URL prüfen, die nach dem Scannen erscheint. Manche QR-Code-Scanner, wie zum Beispiel die von Kaspersky und Trend Micro, bieten eine URL-Vorschau, um verdächtige Links zu erkennen. Diese zeigen die vollständige Adresse der Webseite an, um URLs auf Auffälligkeiten hin zu überprüfen. Eine gängige Masche von Kriminellen besteht darin, den Markennamen nur in der Subdomain zu missbrauchen, kombiniert mit generischen TLDs wie .xyz oder .shop, um den Anschein einer legitimen Seite zu erwecken. In unserem Olympia-Beispiel wäre das etwa „olympics2024.shop-online.com“. In diesem Fall wird der Markenname „Olympics“ in der Subdomain verwendet, während die eigentliche Domain „shop-online.com“ auf eine generische und potenziell unseriöse Seite hinweist. Seriöse Webseiten hingegen verwenden klare und einfache Domainstrukturen wie „olympics.com“.

Eine weitere Sicherheitsmaßnahme besteht darin, die URL manuell in den Browser einzugeben, anstatt den QR-Code zu scannen. Dies minimiert das Risiko, auf eine gefälschte Webseite zu gelangen. Zudem sollte beim Laden einer Webseite immer darauf geachtet werden, ob diese über ein SSL-Zertifikat verfügt. Eine sichere Seite beginnt mit „https“ und zeigt ein Schloss-Symbol in der Adressleiste an, was eine verschlüsselte Verbindung garantiert.

Betrügerische Domains können sich etwa in einem manipulierten QR-Code eines Restaurants verstecken, der statt zur Speisekarte eine Struktur wie „restaurantmenu.olympics.xyz“ aufweist.

Schutz vor Fake-Shops und Quishing: Konkrete Maßnahmen

Um sich vor diesen Bedrohungen zu schützen, ist es wichtig, einige grundlegende, aber konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Hier sind einige praxisnahe Tipps:

  • 1. Links und Domains sicher prüfen: Bevor Sie auf Links oder QR-Codes zugreifen, validieren Sie das Ziel gründlich. Ein hilfreiches Tool ist der F-Secure Link Checker. Mit diesem Tool kann man potenziell gefährliche Links identifizieren, bevor man sie öffnet.
  • 2. Webseiten sorgfältig überprüfen: Betrügerische Seiten verwenden oft ähnliche Domain-Namen wie legitime Seiten, um Nutzer zu täuschen. Es ist wichtig, darauf zu achten, ob der Markenname nur in der Subdomain enthalten ist (z. B. „olympics.shop-fake.com“). Solche Kombinationen aus generischen TLDs und Subdomains sind häufige Indikatoren für Phishing- oder Scam-Websites.“.
  • 3. Bewertungen und Reputation überprüfen: Bevor man in einem unbekannten Online-Shop bestellt, sollte man den Namen des Shops in Bewertungsportalen wie Trustpilot oder Trusted Shops eingeben. Negative Bewertungen oder Warnungen anderer Nutzer können auf eine betrügerische oder unsichere Webseite hinweisen.
  • 4. SSL-Zertifikate beachten: Moderne Browser warnen in der Regel vor nicht-gesicherten Seiten, die kein SSL-Zertifikat haben. Seiten, die sensible Daten abfragen, sollten immer über eine verschlüsselte Verbindung verfügen, was durch „https“ und ein kleines Schloss-Symbol in der Adressleiste gekennzeichnet ist. Vorsicht ist geboten, wenn der Browser eine Warnung anzeigt oder die Seite nicht über eine sichere Verbindung verfügt.
  • 5. Sicherheits-Apps nutzen: Apps können dabei helfen, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und zu blockieren. Sie schützt das Smartphone vor Malware und Phishing-Angriffen und überprüft regelmäßig, ob installierte Apps und Netzwerke sicher sind.

Fazit: Achtung bei Domains in der Fußgängerzone

Domains in der Fußgängerzone sind längst Marketingtool für Unternehmen, ihre Produkte und Dienstleistungen auch digital zu präsentieren und so den Medienbruch zu überbrücken. QR-Codes auf Plakaten und Werbeanzeigen bieten einen schnellen Zugang zu Informationen und Angeboten, was für Konsumenten praktisch ist. Doch gerade diese Zugänglichkeit macht Domains auch anfällig für Missbrauch durch Cyberkriminelle. Gefälschte Webseiten, die offizielle Angebote imitieren, nutzen die Vertrauenswürdigkeit digitaler Plattformen, um sensible Daten zu exfiltrieren. Daher ist es umso wichtiger, wachsam zu bleiben und die Herkunft solcher Domains stets kritisch zu prüfen.

Über den Autor: Christian Dallmayer verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Web-, Technologie- und E-Commerce-Bereich, darunter bei der Q&A-Plattform gutefrage.net, dem Softwareunternehmen equinux AG und der Live-Shopping-Plattform 1-2-3.tv. Er hat einen Abschluss als Diplom-Politologe (Univ.) mit Schwerpunkt Politikwissenschaft, Marketing, Methoden der empirischen Sozialforschung an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Er arbeitet seit 2022 bei der united-domains GmbH und ist als General Manager für die Bereiche B2B und B2C verantwortlich.

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