Der Einsatz künstlicher Intelligenz hat Cybersicherheit von einem rein technischen Anliegen zu einem kritischen Geschäftsrisiko gemacht, das einer zunehmend rechtlichen Aufsicht bedarf. Diese Verschiebung ist besonders in Europa deutlich zu spüren, wo Datenschutz und Cybersicherheit für 78 Prozent der Chief Legal Officers (CLOs) oberste Priorität haben, wie aus der jüngsten ACC 2025 CLO-Umfrage hervorgeht.
Angesichts der verschärften behördlichen Kontrolle und der sich ständig weiterentwickelnden KI-gesteuerten Bedrohungen hat der neueste State of Cybersecurity Report von ACC ergeben, dass Rechtsabteilungen nun an vorderster Front stehen, wenn es darum geht, Organisationen vor immer ausgefeilteren Cyberangriffen zu schützen.
(Bild: Dragon Claws - stock.adobe.com)
Moderne Cyberkriminelle nutzen künstliche Intelligenz, um überzeugendere Phishing- und ausgeklügelte Ransomware-Angriffe sowie komplexe Betrugsmechanismen zu entwickeln. Diese KI-gestützten Bedrohungen können legitime Geschäftskommunikation mit beispielloser und teils zuvor unerreichter Genauigkeit imitieren, sodass herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen zunehmend unzureichend sind. Angesichts der Risiken, die dies für den Ruf, die Haftung und die Geschäftskontinuität selbst mit sich bringt, müssen Unternehmen ihren Ansatz für das Cyber-Risikomanagement anpassen, um diesen neuen Herausforderungen zu begegnen. Ein deutlicher Hinweis auf diesen Trend ist auch, dass ein Drittel der Rechtsabteilungen inzwischen über einen eigenen internen Anwalt für Cybersicherheit verfügt.
Wie können Rechtsabteilungen diesen Bedrohungen entgegenwirken?
Rechtsteams müssen sich auf mehrere Schlüsselbereiche konzentrieren, um ihre Organisationen zu schützen. In der EU ist dieser Trend besonders in den geplanten Investitionen erkennbar, da 63 Prozent der europäischen Rechtsabteilungen planen, ihre Technologieinvestitionen zu erhöhen um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Im Hinblick auf die Sorgfaltspflicht und das Lieferantenmanagement gehört dazu die Einführung strenger Protokolle zur Lieferantenbewertung, da die Cybersicherheit weit über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinausgehen kann. Diese müssen speziell auf KI-bezogene Risiken eingehen und sicherstellen, dass Verträge solide Bestimmungen für KI-spezifische Sicherheitsmaßnahmen und eine geplante Reaktion auf Vorfälle enthalten. Zudem müssen sie von allen Drittanbietern eine Multi-Faktor-Authentifizierung und regelmäßige Sicherheits-Audits verlangen.
Aber über Verträge hinaus sind auch Schulungen und ein kultureller Wandel wichtige Elemente einer wirksamen Cybersicherheitsstrategie. Rechtsabteilungen sollten Firmen weit durchdachte Schulungsprogramme einführen, die sich mit KI-spezifischen Bedrohungen befassen und gleichzeitig eine Sicherheitskultur im gesamten Unternehmen fördern. Der Schlüssel dazu ist die Aufnahme von Cybersicherheitsrichtlinien in die Mitarbeiterhandbücher, in denen Verantwortlichkeiten und Konsequenzen klar dargelegt werden. Die Geschäftsleitung muss diese Cybersicherheitsinitiativen verstehen, unterstützen und wirksam durchsetzen.
Laut dem Bericht „State of Cybersecurity 2025“ gehören Datensicherheit und neue Technologien heute zu den wichtigsten Unternehmensrichtlinien, wobei es hier unter anderem um die Aufbewahrung von Dokumenten und die Passwortsicherheit geht. Ein solcher Datenschutz und eine solche Governance erfordern robuste Systeme zur Klassifizierung und Kontrolle sensibler Informationen, wobei spezifische Protokolle für KI-verarbeitete Daten entwickelt werden müssen, natürlich in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Anforderungen und den geschäftlichen Anforderungen, einschließlich der Einhaltung der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung).
Die Reaktion auf Vorfälle und das Krisenmanagement erfordern in der heutigen Zeit besondere Aufmerksamkeit. Regelmäßige Tests und Aktualisierungen der Reaktionsverfahren sind unerlässlich, um auf potenzielle Verstöße vorbereitet zu sein. Dies lässt sich am besten mit der Pflege von Beziehungen zu Cybersicherheitsexperten und Forensikern verbinden, um die Wissensbasis und Reaktionsfähigkeit zu verbessern.
Zusätzliche proaktive Schritte sind ebenfalls unerlässlich, da die Entwicklung von Richtlinien die Schaffung umfassender Rahmenbedingungen erfordert, die KI-spezifische Sicherheitsrisiken berücksichtigen. Dabei müssen Sicherheitsprotokolle auch weiterhin regelmäßig aktualisiert werden, um mit neuen Bedrohungen mitzuhalten. Diese Richtlinien müssen mit den Best Practices der Branche und den gesetzlichen Anforderungen in Einklang stehen und gleichzeitig für den Geschäftsbetrieb praktikabel bleiben.
Die Zunahme KI-gesteuerter Cyberbedrohungen stellt Organisationen vor beispiellose Herausforderungen. Um erfolgreich zu sein, ist ein proaktiver Ansatz erforderlich, der juristisches Fachwissen mit technischem Verständnis und Geschäftssinn verbindet. Durch die Übernahme einer Führungsrolle im Bereich des Risikomanagements für Cybersicherheit können Rechtsabteilungen ihren Organisationen dabei helfen, sich in der komplexen Landschaft KI-gesteuerter Bedrohungen zurechtzufinden und sich gleichzeitig vor finanziellen, rufschädigenden und rechtlichen Risiken zu schützen.
Über die Autorin: Ranti Okunoren ist Datensicherheits-Kolumnistin für die Association of Corporate Counsel und leitende Unternehmensberaterin bei Microsoft. Sie verfügt über umfassende juristische Fachkenntnisse in den Bereichen Verträge, geistiges Eigentum, Datenschutz, Compliance und verantwortungsvolle KI. Okunoren leitet die strategische Rechtsberatung für die Verkaufsteams der Branchen Global Retail and Consumer Goods, Global Energy & Resources und Global Azure Gaming Industry und fördert die Kundenakzeptanz der KI-Produkte von Microsoft sowie die Bewältigung rechtlicher Herausforderungen.
Stand: 08.12.2025
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