Update: Telekom bezieht Stellung zur DE-CIX-Kooperation

Telekom reagiert auf NSA-Skandal

| Autor / Redakteur: Thomas Drilling / Peter Schmitz

Unter dem Codenamen "Operation Eikonal" hat der BND am DE-CIX jahrelang den Traffic an die NSA weitergereicht. Die Telekom verspricht jetzt den Datenschutz für deutsche Internetnutzer am größten deutschen Internetknoten verbessern.
Unter dem Codenamen "Operation Eikonal" hat der BND am DE-CIX jahrelang den Traffic an die NSA weitergereicht. Die Telekom verspricht jetzt den Datenschutz für deutsche Internetnutzer am größten deutschen Internetknoten verbessern. ()

Offenbar will die Deutsche Telekom sich jetzt doch stärker beim größten deutschen Internetknoten DE-CIX engagieren. Dabei gehe es der Telekom durch den Ausbau der Kapazitäten am DE-CIX darum zu vermeiden, dass mehr Daten als nötig den Umweg aus deutschen Rechenzentren über die USA nehmen müssen, was der NSA mehr Möglichkeiten zur Ausleitung von Daten böte.

Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche möchte die Telekom durch die Kooperation mit dem DE-CIX potenziellen US-amerikanischen Spionagetätigkeiten einen Riegel vorschieben und hat dazu vergangene Woche einen Kooperationsvertrag mit dem Frankfurter Internetknoten (DE-CIX) des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft Eco unterzeichnet.

Immerhin war die Präsenz der Deutsche Telekom am DE-CIX bisher eher gering und in der Vergangenheit eher von einer Art Verweigerungshaltung geprägt. Dass die Telekom am DE-CIX jetzt doch massiv aufrüstet, betrachtet Eco-Chef Harald Summa als eine weitere Aufwertung des deutschen Netzknotens.

Massiver Ausbau

Der ist derzeit mit 3,8 Terabit pro Sekunde sogar weltweit einer der Größten und hatte die direkten Konkurrenten in London und Amsterdam im Januar diesen Jahres abgehängt. Das Peering direkt in Frankfurt ermöglicht es der Telekom, die Kommunikation seiner Kunden mit anderem in Deutschland betriebenen Diensten ohne USA-Umweg abzuwickeln. Mit dem großflächigen Einzug in den DE-CIX ist die Telekom in der Lage, das bisher hier abgewickelte Datenvolumen um das Zwanzigfache zu steigern. Der Telekom-Vorstand erhofft sich von der Maßnahme, dass sich möglichst viele Internet-Anbieter im DE-CIX mit der Telekom verschalten.

Fadenscheinige Begründung

Die Begründung von Telekom-Datenschutz-Vorstand Thomas Kremer gegenüber der WirtschaftsWoche, der Telekom gehe es dabei um mehr Sicherheit für Internet-Nutzer, wozu gewährleistet sein müsse, dass Daten auf möglichst kurzen Strecken vom Sender zum Empfänger gelangten, ist allerdings für Kenner mehr als fadenscheinig. Wahrscheinlich ist der Datenschutz nur ein passender Vorwand, um sich nicht für die jahrelange Verweigerungshaltung beim Peering am DE-CIX rechtfertigen zu müssen, denn obwohl sich Netzbetreiber am Knoten normalerweise kostenneutral zusammenschalten, hatte die Telekom bisher Peering stets als Geschäftsmodell gehandhabt. DSL-Kunden der Telekom wissen ein Lied davon zu singen, etwa in Form von katastrophaler Verbindungen zu YouTube.

Operation Eikonal

Technisch ist die jetzt vorgebrachte Datenschutz-Begründung ohnehin relativ wirkungslos. Ähnliches gilt beispielsweise auch beim so genannten Schengen-Routing, mit dem Europa angeblich seinen Datenverkehr gegenüber US-Diensten abschottet. Auch Schengen-Routing schützt nur bedingt vor geheimdienstlicher Überwachung, wenn man zur Kenntnis nimmt, das der BND am DE-CIX nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung ohnehin jahrelang DE-CIX-Traffic an die NSA-Kollegen weitergereicht hatte (Stichwort: Operation Eikonal). Erst im Oktober letzten Jahres war bekannt geworden, dass der US-Geheimdienst NSA die Kooperation mit dem Bundesnachrichtendienst (BND) zur Ausleitung von Daten aus dem DE-CIX offenbar aus eigenem Antrieb beendet hatte.

Update 04.02.2015:

Nach Bekanntwerden der Nachricht, dass die Deutsche Telekom ihre Präsenz am DE-CIX enorm verstärkt und den von der Berichterstattung in diesem Zusammenhang formulierten Zweifeln der eigentlichen Motivation zu diesem Schritt, hat jetzt auch die Telekom selbst eine Stellungnahme veröffentlicht.

Demnach benötige die Telekom die größere Präsenz am DE-CIX eigentlich nicht, weil Sie mit fast allen großen Netzbetreibern direkt zusammengeschaltet sei. Allerdings hätten andere Anbieter eine verstärkte Nutzung des DE-CIX-Netzknotens als Voraussetzung für die Realisierung des Internets der kurzen Wege definiert. Trotzdem bekräftigt die Telekom durch Thomas Kremer, Vorstand Datenschutz, Recht und Compliance bei der Telekom. „Uns geht es um mehr Sicherheit für Internetnutzer. Dafür muss gewährleistet sein, dass Daten auf möglichst kurzen Strecken vom Sender zum Empfänger gelangen“ und verwies in diesem Zusammenhang auch auf das vergangene Woche vorgestellte Zehn-Punkte-Programm für mehr Sicherheit im Netz, bei dem das Internet der kurzen Wege einer der Punkte sei.

Jetzt schlägt die Telekom vor, alle Anbieter mögen sich darauf verpflichten, Daten ohne Umwege durch andere Rechtsräume vom Sender zum Empfänger zu leiten und sicherzustellen, dass innereuropäischer Datenverkehr nicht über außereuropäische Hoheitsgebiete geleitet wird. Mit einer solchen Selbstverpflichtung möglichst aller Netzbetreiber in Europa könnte ein unberechtigter Zugriff auf die transportierten Daten von außerhalb des europäischen Rechtsraumes deutlich erschwert werden. Die Telekom will weitere Partner für dieses Modell gewinnen.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43189483 / Monitoring und KI)