Unlautere Geschäftspraktiken Millionenstrafen für Vodafone

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Wegen Datenschutzverstößen hat Vodafone zwei Geldbußen im Umfang von insgesamt 45 Millionen Euro zahlen müssen. Dies ist die höchste Geldstrafe, die die Datenschutzbehörde jemals verhängt hat.

Die Bundesdatenschutzbehörde hat ihr bisher höchste Bußgeld gegen Vodafone verhängt. (© alfexe - stock.adobe.com)
Die Bundesdatenschutzbehörde hat ihr bisher höchste Bußgeld gegen Vodafone verhängt.
(© alfexe - stock.adobe.com)

Wie die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informations­freiheit, Louisa Specht-Riemenschneider, in Bonn mitteilte, muss die deutsche Tochtergesellschaft des britische Telekommunikations­unternehmen Vodafone eine Geldstraße in Höhe von 45 Millionen Euro zahlen. Seit 2018 kann die Datenschutzbeauftragte solche Sanktionen beschließen – diese sei nun die höchste Geldbuße, die die Behörde je verhängt habe.

Falsche Verträge und Zugriff auf Mobilfunk-Profile

Grund sind unlautere Geschäftspraktiken bei Mitarbeitern von Partneragenturen, die im Auftrag von Vodafone Verträge an Kunden vermittelten, wie die Behörde mitteilte. Diese hätten unter anderem falsche Verträge aufgesetzt, die die Betroffenen gar nicht abgeschlossen hatten. Vodafone muss 15 Millionen Euro zahlen, weil das Unternehmen seine Partner nicht aus­reichend überwachte. Wegen Schwachstellen in bestimmten Vertriebssystemen hat die Datenschutzbeauftragte das Unternehmen zudem verwarnt.

Eine weitere Geldbuße von 30 Millionen Euro wurde fällig wegen Sicherheitsmängeln bei der kombinierten Nutzung des Onlineportals „MeinVodafone“ und der Hotline des Unternehmens. Durch Schwachstellen bei der Authentifizierung konnten Unbefugte auf elek­tronische SIM-Profile zugreifen und damit die Mobilfunk-Profile Betroffener übernehmen. Da die Handynummer für viele Dienste im Internet zur Verifizierung genutzt wird, öffnete dies ein Einfallstor für weiterreichende Betrügereien.

Vodafone vermutet Phishing und Hacking

Bei Vodafone vermutet man, dass Kunden-Passwörter ursprünglich über Phishing-Attacken in die falschen Hände gerieten, bei denen sich Kriminelle als Vodafone ausgaben und Passwörter abfragten – oder auch durch Hacking.

Ermittlungen bei Partnerunternehmen von Vodafone, unter anderem wegen fingierter Verträge, hatten die Datenschützer nach eigenen Angaben schon 2021 aufgenommen. Mit den Problemen rund um elektronische SIM-Karten befassen sie sich seit 2022 und 2023.

Vodafone kooperierte mit Datenschutz-Behörde

Das Unternehmen hat die Geldbußen nach Angaben der Datenschutzbeauftragten akzeptiert und bereits komplett bezahlt. „Ich möchte hervorheben, dass Vodafone während der Dauer des gesamten Verfahrens ununterbrochen und uneingeschränkt mit mir kooperiert und auch Umstände offengelegt hat, durch die sich das Unternehmen selbst belastet hat“, sagte Specht-Riemenschneider. Vodafone habe seine Prozesse und Systeme verbessert oder ersetzt, die Regeln für die Zusammenarbeit mit Partneragenturen überarbeitet und sich von Partnern getrennt, bei denen es Betrugsfälle gab. Die Behörde will die Wirksamkeit der Maßnahmen noch überprüfen.

Die Erfahrungen der Datenschutzbehörden zeigen, dass bei Unternehmen in vielen Branchen ein Investitions­stau bei der Modernisierung und Konsolidierung von IT-Systemen besteht. Bei der Sicherheit wird daher teilweise gespart. Auch der Einsatz von Auftragsverarbeitern wird in der Praxis häufig nicht ausreichend kontrolliert. Neue technische Möglichkeiten und komplexere Bedrohungsszenarien führen zu erhöhten Risiken für Kunden, denen durch fehlenden Datenschutz Schäden entstehen können.

Specht-Riemenschneider dazu: „Datenschutz wird häufig fälschlicherweise als Hindernis für IT-Investitionen angesehen. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Ohne IT-Investitionen drohen Sicherheitsvorfälle und auch Sanktionen der Datenschutzaufsicht. Daher mein Aufruf: Investieren statt Riskieren!“

Vodafone: Inzwischen höhere Sicherheitsstandards

Das Unternehmen selbst teilte mit, man bedaure, dass Kundinnen und Kunden in Mitleidenschaft gezogen wurden. Es habe grundlegende Änderungen gegeben. „Dazu zählen strengere Vorgaben, mehr Überwachungsmöglichkeiten für Partner und höhere Sicherheitsstandards, wie bei der Authentifizierung von Kundinnen und Kunden und im allgemeinen Umgang mit sensiblen Kundendaten.“

Vodafone spendete nach Angaben der Bundesbeauftragten zusätzlich mehrere Millionen Euro unter anderem an Organisationen, die sich für die Förderung des Datenschutzes einsetzen.

(ID:50444084)

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zur IT-Sicherheit

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung